09.11.2020
von Dominique Rose und Wencke Schimmelpfennig

Habt ihr es satt, euch stundenlang durch das Programm von Netflix zu klicken, nur um dann doch wieder eine altbekannte Serie, einen hundertmal gesehenen Film oder eine der aktuellen Neuerscheinungen zu wählen? Dabei hat der Streaminganbieter noch so viel mehr zu bieten. Doch die großen Filmperlen gehen oftmals in dem gigantischen Angebot unter. Aus diesem Grund haben wir euch einmal fünf große Klassiker sowie fünf ganz spezielle Geheimtipps unserer Redaktion zusammengestellt, die euch garantiert nicht enttäuschen werden und es absolut wert sind, gesehen zu werden.



Wenn wir euch schon Klassiker präsentieren, dann darf definitiv nicht das Drama „Die Verurteilten“ von Regisseur und Drehbuchautor Frank Darabont fehlen. „Die Verurteilten“, eine Verfilmung der Novelle „Rita Hayworth and Shawshank Redemption“ des Erfolgsautors Stephen King, gehört zu DEN Klassikern überhaupt, immerhin war er bei der Oscar-Verleihung 1995 in ganzen sieben Kategorien nominiert und hält sich seither auf Platz 1 der Top 250 Filme bei IMDb.

Der Bänker Andy Dufresne kommt in das berüchtigte Gefängnis von Shawshank, wo er zweimal eine lebenslängliche Haft absitzen muss, nachdem er für den Mord an seiner Frau und ihrem Liebhaber für schuldig erklärt wurde. Dort lernt er unter anderem den Insassen Red kennen, mit dem er sich immer mehr anfreundet, jedoch hilft diese Freundschaft nicht gegen die brutalen und teilweise sexuellen Übergriffe durch die Insassen und Gefängnisaufseher. Erst Andys Verhandlungsgeschick und seine Kenntnisse im Bezug des Steuerrechts verschaffen ihm eine bessere Stellung bei den Aufsehern und dem Direktor, die ihn daraufhin in finanziellen Belangen aufsuchen.

„Die Verurteilten“ ist ein echtes Meisterwerk und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass es sich hierbei um eine der wohl besten Verfilmungen eines Stephen King Romans handelt. In den Rollen der beiden Insassen Red und Andy Dufresne sind übrigens Morgan Freeman und Tim Robbins zu sehen, die mit ihrer phänomenalen Leistung begeisterten.

 

Good Fellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia



Im Jahr 1990 erblickte Martin Scorseses Mafia-Film „Good Fellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia“ das Licht der großen Leinwände. Anfangs als Antwort auf Francis Ford Coppolas Mafia-Epos „Der Pate“ gedacht, zählt Scorseses Meisterwerk nunmehr zu DEN Gangsterfilmen schlechthin. Immerhin hat Scorseses Film ganze sechs Nominierungen bei der Oscar-Verleihung 1991 ergattern können, von denen Schauspieler Joe Pesci, der zusammen mit Robert De Niro und Ray Liotta das skrupellose Gangster-Trio zum Besten gab, immerhin den Oscar als bester Nebendarsteller einheimsen konnte.

Im Fokus des fast dreistündigen Films steht Henry Hill, dessen Werdegang vom schüchternen Jungen zum berüchtigten Gangster detailliert beschrieben wird. Schon mit elf Jahren ist der Halbitaliener Henry Hill von dem Lebensstil der lokalen Mafia begeistert. Seine Faszination gilt vor allem den beiden Gangstern Tommy DeVito und Jimmy Conway, dank denen er letztlich auch ein Teil der großen Mafia-Familie wird. Zusammen planen die drei Raubüberfälle, bringen Menschen um und versuchen sich sogar im Drogenhandel – ein fataler Fehler, wie sich später noch herausstellen soll.

 

Neon Genesis Evangelion: The End of Evangelion



Vielleicht ein wenig nischig, aber definitiv ein absoluter Klassiker ist Hideako Annos auf der gleichnamigen Anime-Serie basierender Anime-Klassiker „Neon Genesis Evangelion: The End of Evangelion“ von 1997. Der Science-Fiction-Anime setzte nicht nur Maßstäbe was Animationstechniken angeht, sondern gehört für viele zu den wichtigsten und wegweisendsten Vertretern des Anime-Genre.
 
Das apokalyptische Weltuntergangsszenario steckt dabei voller Anspielungen, Symbole und Verweise, die den Anime zu einem wahren Meisterwerk der Kreativität und des Ideenreichtums machen und setzt sich auch auf psychologischer Ebene mit seinen Protagonisten auseinander. Erzählt wird hier ein alternatives Ende der erfolgreichen Anime-Serie „Neon Genesis Evangelion“, mit deren kryptischem Ende, das sich lediglich in den Gedanken der Protagonisten abspielt, die Fans der Anime-Serie nicht zufrieden waren. So liefert der Film zwar einige Antworten, wirft hingegen jedoch auch etliche weitere Fragen auf. Zusammen mit Katsuhiro Otomos „Akira“ und Mamoru Oshiis „Ghost in the Shell“ gehört „Neon Genesis Evangelion: The End of Evangelion“ wohl zu den drei großen Klassikern des Anime und darf daher auch in unsere Liste auf gar keinen Fall fehlen.
 
 

Schindlers Liste



Der Erfolgsregisseur und -produzent Steven Spielberg steht für bombastische Werke, wie „Der weiße Hai“, „E.T. - Der Außerirdische“ und „Jurassic Park“, in denen er seine Vorliebe für Licht- und Spezialeffekte auslebt. Dass er aber durchaus auch mit dezenten Mitteln und einer gewissen Bescheidenheit ein wahres Meisterwerk auf die Leinwand zaubern kann, bewies Spielberg mit seinem phänomenalen Film „Schindlers Liste“.

Für dieses mehrfach Oscar-prämierte Stück verzichtete Spielberg fast gänzlich auf Spezialeffekte und dergleichen, sodass der Zuschauer sich voll und ganz auf die Story konzentrieren konnte. „Schindlers Liste“ erzählt die wahre Geschichte von Oskar Schindler, einem zielstrebigen Unternehmer, der eine Fabrik in Krakau eröffnete, in der er ausschließlich Juden arbeiten ließ. Als jedoch der Zweite Weltkrieg ausbrach, sollten die fleißigen Arbeiter, die dem Unternehmer mittlerweile ans Herz gewachsen sind, deportiert werden. So setzte er sein eigenes Leben und das seiner Frau aufs Spiel, um mehrere Tausend jüdische Frauen und Männer vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Es ist aber nicht nur Oskar Schindlers Geschichte, die den Zuschauer in „Schindlers Liste“ so sehr in den Bann zieht. Es sind vor allem die hochkarätigen Schauspieler Liam Neeson, Ben Kingsley und Ralph Fiennes, die hierin zu Höchstformen auflaufen.

 

Sieben



Mit David Finchers Zweitwerk, dem Thriller „Sieben“, hat eine durch und durch stark besetzte Filmperle ihren Einzug in unsere Liste erhalten. Fincher, der sich zuvor mit „Alien³“ dem breiten Publikum präsentierte, hat für diesen Thriller Elemente aus dem Neo-Noir-Film mit denen aus Horrorfilmen kombiniert. Entstanden ist dadurch letztlich ein düsteres Stück über einen perfiden Serienmörder, für den die sieben Todsünden eine besondere Bedeutung haben.

Für Detective Somerset steht die letzte Arbeitswoche an, danach will er sich zur Ruhe setzen und seinem Nachfolger David Mills den Posten überlassen. Doch zuvor warten zwei perfide Mordfälle auf die Detectives, die sie bald auf die Spur eines gewieften Mörders bringen. Es kommt zu einer Hetzjagd, die von allen Beteiligten ihren Tribut fordert.

Neben Brad Pitt und Morgan Freeman, die in die Rollen der beiden Detectives William Somerset und David Mills schlüpfen, hinterlassen auch Gwyneth Paltrow und Kevin Spacey mit ihren Darbietungen einen bleibenden Eindruck. Wer sich diesen genialen Thriller noch nicht zu Gemüte geführt hat, kann dies momentan dank Netflix nachholen. Für alle anderen lohnt sich aber auch ein zweiter, dritter oder gar drölfter Blick in diese Filmperle.

 

Unsere Geheimtipps

In unserer Liste warten neben den Klassikern allerdings noch einige ganz spezielle Geheimtipps unserer Redaktion auf euch. Diese Filme sind nicht nur sehr empfehlenswert, sondern zeichnen sich sowohl durch ihren künstlerischen als auch ihren teilweise politischen und gesellschaftskritischen Wert aus. Haben wir mit unseren Klassikern eher das populäre Kino abgedeckt, werden hier vor allem Independent- und Arthouse-Filmfans auf ihre Kosten kommen.
 

Der Brotverdiener



Das 11-jährige Mädchen Parvana lebt mit ihrer Familie im afghanischen Kabul, das von den Taliban kontrolliert wird. Nachdem ihr Vater zu Unrecht verhaftet wurde, sieht die Familie keine Möglichkeit mehr sich mit dem Nötigsten zu versorgen, da das Verlassen des Hauses nur zusammen mit einem männlichen Familienmitglied erlaubt ist. So verkleidet sich die kleine Parvana als Junge, um das Überleben ihrer Familie zu sichern, womit sie sich jedoch in große Gefahr begibt.
 
Der Animationsfilm von Regisseurin Nora Twomey aus dem Jahr 2017 gehört wohl zu den großen Geheimtipps aus dem Bereich des Animationsfilms, der im darauffolgenden Jahr sogar für den Oscar nominiert war. „Der Brotverdiener“ besticht nicht nur durch eine gelungene Animation, sondern konnte überdies durchweg positive Kritiken verzeichnen, was vor allem auch dem sehr ernsten Hintergrund des Films zuzuschreiben ist, der eines der wohl größten Probleme der islamischen Gesellschaft unter dem terroristischen Regime der Taliban thematisiert.
 

I Am Not Your Negro



I Am Not Your Negro“ ist eine filmische Collage, die dem Rassismus in der amerikanischen Gesellschaft im 20. Jahrhundert nachgeht. Der Dokumentarfilm von Raoul Peck greift dazu das unvollendet gebliebene Manuskript des afroamerikanischen Schriftstellers James Baldwin „Remember This House“ auf. Der Film stellt jedoch nicht nur eine Biografie James Baldwins dar, die seine eigenen Erfahrungen widerspiegelt, sondern vielmehr greift Baldwin hier die Lebensgeschichten dreier bedeutender Männer heraus, anhand derer nicht nur die Geschichte des Rassismus in den USA, sondern auch der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung nachgezeichnet wird. Bei den drei Männern handelt es sich um keine Geringeren als Medgar Evers, Malcolm X sowie Martin Luther King jr.
 
Die aus Medienberichten und Interviews bestehende Dokumentation wird hier mit dem Manuskript Baldwins vereint, der von Hollywood-Schauspieler Samuel L. Jackson gesprochen wird. „I Am Not Your Negro“ ist ein vielfach gelobter Dokumentarfilm, der nicht nur aufgrund seiner immer noch aktuellen wie bedeutsamen Thematik äußerst sehenswert ist, sondern auch für seine stilistische Umsetzung, die letztendlich auch zu einer Oscar-Nominierung beigetragen haben wird.
 

Marriage Story



Noah Baumbachs Beziehungsdrama „Marriage Story“ aus dem Jahr 2019 besticht nicht nur durch die unglaublich gelungenen schauspielerischen Leistungen seiner beiden Hauptakteure Adam Driver und Scarlett Johansson, sondern vor allem auch eine Emotionalität, die einen in den Bann zieht.
 
Nicole und Charlie waren einmal das Traumpaar der New Yorker Theaterszene, doch mittlerweile haben sie sich kaum noch etwas zu sagen und ihre Ehe steht vor dem Aus. Nicole will daher zurück zu ihrer Familie nach L.A. ziehen und ihren Sohn Henry mitnehmen. Der Streit um das geliebte Kind soll sich jedoch bald schon zu einem ausgewachsenen Rosenkrieg ausweiten, bei dem es eigentlich nur Verlierer geben kann.  
 
„Marriage Story“ überzeugt vor allem auch durch seine eindrucksvollen Dialoge, die den Zuschauer in seinen eigenen Sympathien für die beiden streitenden Parteien ständig schwanken lassen, aber ebenso durch seine unglaublich ästhetische Cinematographie. Nicht verwunderlich also, dass es ganze sechs Oscar-Nominierungen für Baumbachs neuestes Werk hagelte, wovon zumindest Laura Dern den Oscar als beste Nebendarstellerin erhielt und das vollkommen zurecht.

 

Nightcrawler



Egal ob „Prisoners“, „Enemy“, „Demolition – Lieben und Leben“ oder „Nocturnal Animals“, wenn der Schauspieler Jake Gyllenhaal zum Cast gehört, darf der Zuschauer oftmals eine wahrlich großartige Indie-Produktion erwarten. Genau dies trifft auch auf den Krimi-Thriller „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ zu, der 2014 erschienen und nun bei Netflix frei verfügbar ist.

Hierin spielt Jake Gyllenhaal den Kriminellen Louis Bloom, der sich bislang mit kleineren Diebstählen über Wasser gehalten hat. Als er bei einem Autounfall jedoch auf einen Kameramann trifft, der sich als ein sogenannter Nightcrawler entpuppt, wittert er neue Verdienstmöglichkeiten. Ein Nightcrawler ist möglichst als Erster am Unfall- oder Tatort, um Fotos zu schießen und diese gewinnbringend an die nächste Nachrichtenstation zu verkaufen. Anfangs mit einer billigen Kamera ausgestattet, entwickelt sich Bloom sehr schnell zu einem skrupellosen Reporter, der für das perfekte Material auch über Leichen geht.

Inszeniert wurde das gute Stück vom Drehbuchautor und Regisseur Dan Gilroy, der mit „Nightcrawler – Jede Nacht hat ihren Preis“ nicht nur sein Regiedebüt gegeben hat, sondern für den Thriller auch gleich das Drehbuch beisteuerte.

 

Systemsprenger



Systemsprenger“ ist nicht nur das Regiedebüt der deutschen Regisseurin Nora Fingscheidt, sondern brachte es 2020 sogar zur deutschen Auswahl für die Oscar-Verleihung. Das Drama erzählt die Geschichte der neunjährigen Benni, die durch ihr aggressives Verhalten durch sämtliche Raster der deutschen Jugendbetreuung fällt. So wird sie von einer Einrichtung zur nächsten geschickt und auch Anti-Aggressions-Trainings bewirken nur wenig bei dem kleinen Mädchen. Dabei will Benni doch nur zurück zu ihrer Mutter, die jedoch mit ihrer Tochter überfordert ist und sogar Angst vor ihr hat.
 
Ihrem Filmdebüt sind jahrelange Recherchen in verschiedenen Einrichtungen sowie unzählige Gespräche mit Betreuern und Psychologen vorausgegangen, die den Film zu einem sehr authentischen Porträt der deutschen Jugendbetreuungs-Systeme macht und Aufmerksamkeit für die meist unverstandenen Kinder wecken soll. Darüber hinaus weiß der Film durch die eindrucksvollen schauspielerischen Leistungen der jungen Schauspielerin Helena Zengel in der Rolle der Benni und Albrecht Schuchs in der Rolle des Betreuers Micha zu überzeugen.

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