Kinostart: nicht bekannt

Kritik zu Okja

Bong Joon-hos im Vorfeld des Festivals de Cannes heiß diskutierter Netflix-Film bietet über weite Strecken technisch perfektes, konventionell erzähltes Family-Entertainment, ohne jedoch wirklich für Kinder gedacht zu sein. Speziell in der zweiten Hälfte wandelt sich der Ton zur Dystopie mit klarer antikapitalistischer Botschaft: Man ist, was man isst. Was nicht heißt, dass man nicht auch Spaß haben kann mit dem Film über das zwölfjährige Mädchen Ahn, dessen beste Freundin in den einsamen Bergen Südkoreas ein überdimensioniertes Riesenschwein namens Okja ist, eines von 26 Exemplaren auf der ganzen Welt, gezüchtet von dem multinationalen Konzern Mirando Corporation: Sie sind auserkoren, in New York um den Preis als tollstes Superschwein der Welt zu konkurrieren. Heißt es. Aber weil es eine multinationale Firma ist und die Auftritte der vonTilda Swinton mit Lust am hemmungslosen Overacting so überschwänglich und zwanghaft optimistisch sind, ahnt man natürlich, dass sich hinter der strahlenden Oberfläche finstere Abgründe verbergen müssen.

Die frühen Szenen mit Ahn und Okja erinnern an die Passage von Jon Favreaus "The Jungle Book" mit Mogli und Balu, als sei sie nicht bei Disney, sondern Studio Ghibli entstanden, und man kann sich eigentlich gar nicht sattsehen an der Titelfigur, die man wirklich lebensecht im Computer hat entstehen lassen, inklusive ausdrucksvoller Augen, die eine ganze Welt von Emotionen spiegeln. Auch als Okja via Seoul nach New York gebracht werden soll und eine Gruppe von Tieraktivisten eingreift, um die Titelfigur zu retten, hat der Film noch eine ansteckende Energie, bevor er schließlich in New York seine Geheimnisse lüftet und in Düsternis und Gewalt versinkt: Bongs Vision eines Schweine-KZ vor den Toren der Stadt ist genuin beunruhigend und erschütternd und wäre vielleicht auch effektiv, wenn die Botschaft des Films nicht ebenso aufdringlich wäre wie die Schauspieler, allen voran Jake Gyllenhaal als hyperventilierender Master of Ceremony, der sich um jegliche Reputation chargiert. Bei Bong Joon-hos Vorgänger "Snowpiercer" war es bekanntermaßen zum Clash mit Harvey Weinstein über die endgültige Schnittfassung gekommen. Hier sieht man, dass es auch nicht nur gut sein muss, wenn ein Filmemacher offenbar völlig freie Hand bei der Umsetzung seiner Vorstellungen hat. ts.

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Info

Plakat des Films: Okja
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: nicht bekannt

Südkorea/USA 2017

Länge: 2 h 0 min

Genre: Action

Originaltitel: Okja

Regie: Bong Joon-ho

Drehbuch: Bong Joon-ho

Produktion: Bong Joon-ho

Website: https://www.netflix.com/de/title/80091936