Finsterer Kleinstadt-Highschool-Horror, in der Schüler zu Vorzeige-Menschen umprogrammiert werden.

Kinostart: nicht bekannt

James Marsden

James Marsden
als Steve Clark

Katie Holmes

Katie Holmes
als Rachel Wagner

Nick Stahl

Nick Stahl
als Gavin Strick

Steve Railsback
als Offizier Cox

Bruce Greenwood
als Dr. Caldicott

William Sadler
als Dorian Newberry

Chad E. Donella
als U.V.

Ethan Embry
als Allen Clark

Handlung

Kleinkriminelle Schüler zu Vorzeige-Jugendliche umprogrammiert, kosten einer Kleinstadt einen hohen Blutzoll. Als Anhänger eines geheimen Kults töten sie z.B. Mädels mit Tattoos, weil sie Selbstverstümmelung ablehnen. Nur der Grasrauchende Gavin weiß, was läuft und versucht mit Schulneuling Steve und Rachel dem Treiben auf den Grund zu gehen.

In der High School des verschlafenen Städtchens Cradle Bay lassen sich fehlgeleitete Kids von den "Besserungsseminaren" ihres sichtlich selbst nicht Neurose-resistenten Schulpsychologen Dr. Caldicott zu mörderischen Feldzügen jenseits des Lehrplans inspirieren. Nur Rachel und und Gavin wollen sich von der Caldicott-hörigen Clique der "Blue Ribbons" nicht vereinnahmen lassen. Sie gehen vielmehr zum Angriff über und finden in dem neuen Mitschüler Steve einen tapferen Verbündeten. Doch ihre Gegner sind ebenso mächtig wie gefährlich...

Kleinkriminelle Schüler werden zu Vorzeige-Jugendlichen umprogrammiert, die es als Moralapostel etwas übertreiben und Mitschüler wegen Lappalien töten. Kleinstadt-Highschool-Horror in der "Scream"-Nachfolge. Mit ironischen Seitenhiebe auf die erwachsene Lehrerwelt.

Kritik

Nach den Tommy-Hilfiger-chic gekleideten Pseudorebellen der "Scream"-Filme und ihrer Epigonen wirken die Jugendlichen in dem beklemmenden Psychoterror von "Dich kriegen wir auch noch!" erfrischend authentisch. Der Film selbst, das Kinodebüt des "Akte X"-Regisseurs David Nutter, ist mit entschlossener Düsternis und konsequenter Umsetzung als pures Gegengift auf die postmodern augenzwinkernden Schreckfeste aus dem Hause Kevin Williamson zu verstehen, auch wenn der Teensploitation-Quotient angesichts der attraktiven Jungstars Katie Holmes (aus der Williamson-Serie "Dawson's Creek"), James Marsden (aus der Serie "Die Nanny") und Nick Stahl nicht minder hoch ist als bei anderen düsteren Legenden der letzten Jahre.

Auf einen Vergleich mit den geschwätzigen Nabelschau-Schockern der "Ich weiß was Du letzten Sommer getan hast"-Ära haben es David Nutter und sein Autor Scott Rosenberg ("Con Air") nicht abgesehen. Vielmehr nutzt der Regisseur deren Philosophie der beliebig austauschbaren, direkt aus John Hughes' heilem Jugendlichen-Kosmos geklonten Pretty Faces (Neve? Jennifer? Sarah? - Wen kümmert's?) als Ausgangspunkt für seine beängstigend effektive Paranoia-Mär, die er ohne einen Hauch von abschwächender Satire oder befreiendem Humor serviert. In der Tradition von "Die Frauen von Stepford", gewürzt mit einem Hauch von "Die Körperfresser kommen" und "Denn sie wissen nicht was sie tun", folgt er dem mißverstandenen Jugendlichen Steve durch einen allzu realen Alptraum, in dem Konformität als höchstes Gut, von elterlicher Seite sanktioniert, durch wissenschaftlichen Eingriff herbeigeführt wird. Von dem notorischen Außenseiter Gavin in die Hackordnung seiner neuen Kleinstadtschule eingeführt, stellt Steve sehr schnell fast, daß die Welt in Cradle Bay nur auf dem ersten Blick heil ist: Denn die führende Streberkaste - allesamt mit bravem Bubi-Haarschnitt, feschem Segelpullover und entsprechend konservativer Lebenseinstellung gesegnet - rekrutiert sich gänzlich aus ehemaligen Grunge-Kiffern, die über Nacht ins krasse Gegenteil mutierten und nun auch vor Gewaltanwendung nicht zurückschrecken, wenn jemand gegen ihre faschistoiden Wertvorstellungen verstößt. Als auch Steves Freund Gavin offensichtlich gehirngewaschen in deren Clubtracht aufkreuzt, macht sich Steve daran, dem Geheimnis von Cradle Bay auf die Spur zu kommen - und stellt fest, daß seine Familie gerade deshalb in die Gemeinde übersiedelte, um Steve die schmerzliche Erinnerung an den Selbstmord des Bruders mit Hilfe eines ins Gehirn implantierten Computerchips auszutreiben.

Regisseur Nutter mag die Bestandsaufnahme erschreckender Gesellschafts-Realitäten in amerikanischen Suburbs und Kleinstädten lose in den Fantasy/Mystery-Mantel seiner "Akte X"-Arbeiten gehüllt und das stets probate Genremotiv des "mad scientists" bemüht haben - und doch ist sein Thriller in der Aussage ebenso direkt (wenn auch nicht so virtuos und komplex) wie "Uhrwerk Orange": Eine saubere Gesellschaft ohne freien Willen und Meinungsvielfalt ist der größte Horror, dem sich die freie Welt zu stellen hat. Verpackt in ein kompetent umgesetztes Schreckensszenario und einen Showdown, der an "Dorf der Verdammten" denken läßt, erfüllt "Dich kriegen wir auch noch!" aber auch alle Voraussetzungen, beim angepeilten Jugendpublikum als ordentlicher Schocker zu funktionieren. ts.

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Info

Plakat des Films: Dich kriegen wir auch noch!
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: nicht bekannt

USA 1998

Länge: 1 h 22 min

Genre: Horror

Originaltitel: Disturbing Behavior

Regie: David Nutter

Drehbuch: Scott Rosenberg

Musik: Mark Snow

Produktion: Armyan Bernstein, Scott Rosenberg, Jonathan Shestack

Kostüme: Trish Keating

Kamera: John Bartley

Schnitt: Randy Jon Morgan

Ausstattung: Nelson Coates, Eric Fraser