Der expert Schlager-SOMMER!
26.05.2020 Bielefeld
von Oliver Humke

Martin Scorsese: Kaum ein anderer Regisseur steht so sehr für US-amerikanisches Kino seit Jahrzehnten, das an Qualität nicht abzunehmen scheint.


Wer Martin Scorsese sagt, muss auch Robert De Niro sagen. Das gilt seit dem Jahr 1976, in welchem „Taxi Driver“ die Leinwände dieser Welt eroberte. In der Charakterstudie um den Kriegsveteranen und in der Handlung des Films als Taxifahrer in New York tätigen Travis Bickle, spielt De Niro die Rolle seines Lebens. Er war nie besser und wird nie mehr besser sein. Bickle betrachtet das New York, in welchem er sich tagein, tagaus auf seinen vier Reifen bewegt, als moralisch bankrott. Zunehmend frustriert ihn die Menge an Ausschweifungen und das Übel, das er während seiner Arbeit immer und immer wieder sehen muss. Also beschließt er, selbst aktiv zu werden und etwas dagegen zu tun. Er plant, einen Senator und Präsidentschaftskandidaten zu töten, weil er von dessen Politik enttäuscht ist.

Außerdem versetzt ihn auch noch die Wahlkampfhelferin Betsy, was die Lage nicht weniger angespannt macht. Gleichzeitig wird Travis besessen von der Vorstellung, einem Zuhälter das Handwerk zu legen, um die Prostituierte Iris (gespielt von Jodie Foster) aus den in seinen Augen zu gefährlichen und negativen Kreisen zu befreien. Im Grunde schreien aus jeder Einstellung des Films die existenzielle Verzweiflung und ungezügelte Wut des Protagonisten. Nach und nach werden die übergreifende Stimmung des Wahnsinns und der Melancholie, die Bickle zu katastrophalen Gedanken und Taten treiben, unerträglicher. Unvergessen und in die Kinogeschichte eingegangen ist sogar ein einziger Satz aus dem Film. Natürlich ist hier die Rede von der legendären „Spiegelszene“.

Bickle steht vor dem Spiegel in seiner Wohnung und spricht mit imaginären Gegnern. Er hantiert dabei mit seiner illegal erworbenen Waffe und wiederholt den Satz „You talkin' to me?“. Er steigert sich zunehmend in den Wahn hinein, die Straßen New Yorks selbst säubern zu müssen und spätestens hier wird klar, dass das Ganze nur ein dramatisches Ende nehmen kann.


2. Silence


Martin Scorsese ist ein katholischer Regisseur. Das lässt sich, zumindest bei genauem Blick, in vielen seiner Filme auch erkennen. Fast immer geht es auch um Schuld, Sühne, Vergebung und innere Haltung. Im Jahr 2018 würdigte sogar Papst Franziskus den Regisseur und lobte ihn als Beispiel dafür, seinen eigenen Weg zu gehen.

Mit „Silence“ aus dem Jahr 2016, also einem der jüngeren Werke des Regisseurs, verfilmte Scorsese schließlich ein (religiöses) Herzensprojekt. Die Vorlage für den Streifen bildete der Roman „Das Schweigen“ des japanischen Schriftstellers Endō Shūsaku aus dem Jahr 1966. Seit Scorsese das Buch 1988 gelesen hatte, brannte nach eigener Aussage das Verlangen in ihm, sich filmisch an dem Stoff zu versuchen. In Buch und Film geht es schließlich ganz um das Thema Religion und den Umgang mit dem Glauben.

Die Jesuiten missionierten zu Beginn des 17. Jahrhunderts auch in Japan, bis das Christentum in Japan verboten wurde. Japan wollte sich nicht nur vom Christentum, sondern auch von der ersten Form der Globalisierung abschotten, die man in der Christianisierung der Welt durchaus sah. Der Film greift diese Thematik auf und nimmt sie als Grundlage für die Handlung. Diese spielt im Jahr 1638, in dem die beiden jungen Jesuiten Sebastião Rodrigues (gespielt von Andrew Garfield) und Francisco Garupe (gespielt von Adam Driver) gemeinsam nach Japan reisen, um Sebastiãos ehemaligen Mentor, den berühmten Jesuiten Cristóvão Ferreira (gespielt von Liam Neeson), ausfindig zu machen.

Während ihrer Reise werden sie mit dem Umgang der Regierung mit christianisierten Japanern konfrontiert. Diese werden gezwungen, dem Glauben abzuschwören, indem sie etwa auf ein Jesusbild treten oder ein Kreuz bespucken müssen. Wer sich verweigert, wird tagelang gequält und gefoltert.
Rodrigues und Garupe zweifeln an dem Gerücht, dass auch Ferreira dem Glauben auf diese Weise abgeschworen haben soll. Der Film dreht sich schließlich um eine Reihe von Fragen rund um den institutionellen und persönlichen Glauben. Im Vordergrund steht jedoch immer die Frage: Kann das Leid (der anderen) ertragen werden oder muss der Glaube verraten werden, um das Wohl aller zu erhalten? Und: Warum schweigt Gott eigentlich zu alledem?


3. Casino

© Universal Pictures

Bei Zusammenarbeiten zwischen Martin Scorsese und Robert De Niro denken die meisten neben „Taxi Driver“ vermutlich an den großen Mafia-Klassiker „GoodFellas“. Keine Sorge, auch der hat es natürlich in unsere Liste geschafft. Wir wollen aber dem fünf Jahre jüngeren „Casino“ aus dem Jahre 1995 den Vortritt lassen. Denn dieser steht „GoodFellas“ in keiner Weise nach.

Es handelt sich mit „Casino“ um ein dreistündiges Epos über die Glücksspielbranche in Las Vegas. Vorprogrammiert sind also die Themen Gier, Macht und Verrat. Scorsese erzählt die Geschichte aus Sicht des Bigwig-Casino-Betreibers Sam „Ace“ Rothstein, den besagter Robert De Niro verkörpert. Befeuert wird die Handlung von dessen phänomenaler Leistung sowie der seines Rivalen Nicky Santoro, gespielt von Joe Pesci. Die beiden ehemaligen Freunde konkurrieren um ein Glücksspielimperium und offenbaren dabei die Schattenseiten der weltberühmten Stadt inmitten der Wüste von Nevada. Robert De Niro übernimmt dabei die gerissene, kriminelle Figur und Joe Pesci den unberechenbaren Gangster, der zu gewalttätigen, unkontrollierten Wutanfällen neigt.

Durch die beiden wird der Mob auf dem Zenit seiner Macht in der Stadt der Sünde aufgezeigt, bevor die Regierung eingriff und die ganze Szene sich auflöste. „Casino“ zählt zu den wenigen guten Filmen, die es zu diesem Thema gibt. Einzig wirklich Konkurrenz machen ihm unserer Meinung nach höchstens „The Cooler“ oder „Fear and Loathing in Las Vegas“, wobei es in Letzterem ja auch nur zweitranging um Glücksspiel geht.

Ach, und um es noch einmal zu betonen: „Casino“ ist kein Abklatsch von „GoodFellas“ oder gar ein Sequel zu diesem. Es handelt sich hier um einen eigenständigen, fantastischen Film, den Krimi-, Thriller- und Mafiafans auf keinen Fall verpassen sollten.


4. GoodFellas - Drei Jahrzehnte in der Mafia


Um uns nicht lange davor zu drücken, kommen wir nun also auch zu „GoodFellas“. Über keinen anderen Scorsese-Film wurde vermutlich so viel gesagt und geschrieben, weshalb wir uns tatsächlich versuchen, kurz zu halten. Ähnlich wie mit „Taxi Driver“ handelt es sich bei „GoodFellas“ um ein Werk, das die Filmlandschaft für immer prägte und neue Maßstäbe setzte. Sei es die berühmte dreiminütige Steadycam-Einstellung in einen Nachtclub hinein oder die detaillierte und intelligenteste Beobachtung des Mafia- und Mobsterlebens seit Francis Ford Coppolas „Der Pate“ - „GoodFellas“ ist ein rundum gelungener Streifen, an dem es kaum etwas auszusetzen gibt.

Nicht zu vergessen sind natürlich die hervorragenden schauspielerischen Leistungen. Robert De Niro überzeugt wieder einmal auf voller Linie, dieses Mal als legendärer Gangster James „Jimmy The Gent“ Conway. Er wird zum Mentor des Protagonisten Henry Hill (gespielt von Ray Liotta). Auch Joe Pesci ist in der Rolle des Tommy DeVito wieder mit von der Partie, dieses Mal als Verbündeter der beiden. Henry klettert die Leiter des Mobsterlebens im Eiltempo hinauf und verliert nach und nach die Kontrolle über ebendieses schnelle, bunte und glamouröse Leben. Ihm dabei zuzuschauen und zu sehen, wie sein Umfeld mit ihm, mit sich selbst und mit dem kriminellen Leben umgeht, macht immer wieder Spaß. Egal, ob man den Film nun schon zehn Mal gesehen hat oder nun zum hundertsten Mal ein Loblied auf ihn lesen musste.


5. Raging Bull (Wie ein wilder Stier)


Rocky“ - der beste Boxfilm aller Zeiten? Nicht unbedingt. Wir zumindest lieben „Raging Bull“ mindestens genauso und behaupten, dass es kaum einen Film über Sport gibt, der sich als Zuschauer intensiver mitfühlen lässt. Umso überraschender ist es, dass dieser ausgerechnet aus dem Kopf Scorseses stammt, der eigentlich nicht gerade dafür bekannt ist, zu den größten Sportfans unter den Regisseuren zu gehören. Gerüchte besagen sogar, dass er irgendwann einmal nicht nur alle Ballsportarten für schlecht erklärte, sondern immer auch Boxen für langweilig hielt.

Kein anderer als, wie könnte es auch anders sein, Robert De Niro allerdings überzeugte Scorsese schließlich davon, dass es da doch einen ganz interessanten Stoff gibt. Schließlich nahm sich Scorsese der Biografie der amerikanischen Boxlegende Jake LaMotta an, der bis 2017 lebte und 95 Jahre alt wurde.

Scorsese sah, dass LaMottas Leben geprägt war von Gewalt und Schmerz und ständigen Problemen mit Frauen und dass es sich hierbei um dramatischen Stoff handelte, bei dem der Boxsport fast schon nur eine Nebensache sei. 1980 drehte er mit „Raging Bull“ schließlich einen der einflussreichsten amerikanischen Filme überhaupt und der Sport kam, anders als vielleicht erwartet, nicht zu kurz.
Boxfans sollten allerdings keine vollkommen realistischen Boxszenen erwarten, wie man sie von herkömmlichen Kämpfen im Fernsehen oder live kennt. Doch gerade das macht die Inszenierung aus: Scorsese macht die Kämpfe nachfühlbar. Sie sehen vielleicht nicht immer wie Boxen aus, fühlen sich aber umso mehr nach Boxen an.

Der Schmerz, die Anstrengung und die Orientierungslosigkeit, die Boxer im Ring spüren und die Strafe der Niederlage - Scorsese lässt selbst sportfremde Zuschauer an diesen Dingen teilhaben. Vielleicht kann er das gerade, weil er selbst mit dem Sport nicht viel anfangen kann oder konnte. Mit Sicherheit trägt aber natürlich zum wiederholten Male Robert De Niros schauspielerischer Glanzleistung als Jake LaMotta hierzu bei, für die er verdienter Weise auch seinen ersten und bislang einzigen Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt.


6. Mean Streets (Hexenkessel)

Auch, wenn sich Scorsese bereits vor „Mean Streets“ aus dem Jahre 1973 bei einigen wahren Cineasten einen gewissen Ruf erarbeitet hatte, kann dieser Film als sein eigentliches Debut gelten. Mit „Mean Streets“ kam Scorseses Karriere so richtig ins Rollen. Es war der Durchbruch, der es erlauben würde, Werke, wie „GoodFellas“ oder „Casino“ zu drehen - und im Grunde war er auch deren Fundament. Nicht nur, was den Stil, sondern eben auch die inhaltliche Ausrichtung betrifft.

Denn schon in „Mean Streets“ geht es um Kleinkriminelle in den 60er Jahren von Little Italy, New York. Zum ersten Mal hinterfragt Scorsese hier die Loyalität innerhalb einer von Männlichkeit, Härte und Gewalt geprägten Domäne. Zerbricht Freundschaft an Geld und Schuld oder siegen die „wahren“ Werte?
Wer Scorseses Art Filme zu drehen kennt, wird in „Mean Streets“ bereits vieles erkennen, was später verfeinert und perfektioniert wurde. Das liegt auch daran, dass „Mean Streets“ der erste Film war, bei dem Scorsese die kreative Kontrolle über alle Bereiche hatte. Außerdem diente er ebenfalls als Startrampe für Robert De Niro, der, wie wir alle wissen, noch zum treuen Begleiter des Regisseurs werden sollte.


7. The Departed


Viele Scorsese-Fans wundern sich noch heute, warum Scorsese für „GoodFellas“ nicht mit dem Oscar für „Beste Regie“ ausgezeichnet wurde. Zwar ist Kevin Costners „Der mit dem Wolf tanzt“ ebenfalls ein grandioser Film, „GoodFellas“ allerdings überzeugt einige Cineasten in vielen Aspekten einfach mehr. Dann kommt auch noch dazu, dass Scorsese schon für „Mean Streets“, „Taxi Driver“ und „Raging Bull“ keinen Oscar bekam. Mit „The Departed“ gelang ihm der für die Jury ausreichend große Wurf dann aber endlich - er wurde in den Kategorien „Bester Film“, „Beste Regie“, „Bestes adaptiertes Drehbuch“ und „Bester Schnitt“ ausgezeichnet. Mark Wahlberg war außerdem als „Bester Nebendarsteller“ nominiert.

In „The Departed“ dreht sich alles um ein großes Katz- und Mausspiel. Der Mob schickt einen Maulwurf in die Reihen der Polizei, die Polizei wiederum schleust einen Maulwurf beim Mob ein. Das Ganze endet in reichlich vergossenem Blut und für den Zuschauer nicht mehr vollkommen übersichtlichen Seitenwechseln und Charakterentwicklungen.

Gespielt werden diese Charaktere von dem bereits erwähnten und grandiosen Mark Wahlberg, Leonardo DiCaprio, Matt Damon, Martin Sheen und Jack Nicholson. Alleine für die letzte Szene des Films, in der kein menschlicher Schauspieler mehr vorkommt, lohnt es sich übrigens auch schon „The Departed“ anzuschauen.


8. Shutter Island


Für „Shutter Island“ holte sich Scorsese wieder einmal Leonardo DiCaprio (wortwörtlich) ins Boot. Dieser untersucht in seiner Rolle als US-Marshal Edward „Teddy“ Daniels auf der fiktiven Insel Shutter Island vor der Küste von Massachusetts das Verschwinden der Patientin Rachel Solando aus dem Ashecliffe Hospital für psychisch gestörte Schwerverbrecher.

Shutter Island“ fällt aus der Reihe an Mafiafilmen Scorseses stark heraus, sorgt aber umso mehr für frischen Wind. Der Regisseur erzeugt in diesem Thriller eine beklemmend klaustrophobische und nervenaufreibende Atmosphäre, die die Zuschauer zum Schaudern und Rätseln bringt. Gemeinsam mit dem Protagonisten begibt man sich auf eine paranoide Reise an die Grenzen des Wahnsinns und der Psyche.

Diesen Effekt kann Scorsese erzeugen, indem er bewusst mit Seherfahrungen und konditionierten Erwartungshaltungen spielt und geschickt große Geheimnisse aufbaut. Am Ende steht jedoch die Frage im Raum: Gibt es hier überhaupt irgendein Geheimnis oder ist alles nur Einbildung? Mit „Shutter Island“ zeigt Scorsese, welche Macht das Kino auch über die Zuschauer hat und zu welch beeindruckende Wirkung Filme erzeugen können.


9. The Wolf of Wall Street


Auch in „The Wolf of Wall Street“ übernimmt Leonardo DiCaprio die Hauptrolle. Es handelt sich hierbei um die fünfte Zusammenarbeit zwischen Scorsese und DiCaprio. Dieser spielt hier wieder einen geistig zumindest nicht ganz gesunden, aber umso clevereren und skrupelloseren Charakter. Den aufsteigenden Börsenmakler Jordan Belfort nämlich, der das amerikanische Finanzsystem in den frühen 90er Jahren ausnutzte, um sich in kürzester Zeit zum Multimillionär hochzuarbeiten.

The Wolf of Wall Street“, so las man in den Kritiken zum Film immer wieder, sei eine Art White-Collar-Variante von Scorseses Gangsterfilmen - das können wir so nur unterstreichen, müssen aber betonen, dass das keineswegs abwertend gemeint ist. Auch „The Wolf of Wall Street“ zeigt den Aufstieg seines Protagonisten in höchste Höhen seiner Branche und zu immensem Reichtum. Diese Erfolge allerdings kann auch Belfort nur auf kriminellem Wege erzielen. Durch schamlosen Betrug nämlich und rücksichtsloses und gnadenlos egoistisches Verhalten.

Wie auch in Scorseses Mafiafilmen wird zuerst der berauschende Aufstieg mit all den glanzvollen Momenten gezeigt, der letztlich aber nur zum umso tieferen Absturz führen kann. Bald schon nämlich konsumiert Belfort nicht nur mehr Drogen als er vertragen kann, er lässt sich aus nicht zu stillender Geldgier auch auf illegale Geschäfte ein. Das weckt die Neugier des FBIs und insbesondere des FBI-Agenten Patrick Denham (gespielt von Kyle Chandler). Dieser schaut Belfort genau auf die Finger und blickt bald schon aufmerksam hinter die Fassade des Belfortschen Börsenimperiums.

Als die Gesetzeshüter Belfort langsam auf die Schliche kommen, droht das ganze Kartenhaus einzustürzen. DiCaprios selbstgefällige Arroganz ist genauso lustig, wie sie als erschreckendes Beispiel für einen Menschenschlag steht, der früher oder später glücklicherweise bekommt, was er verdient (der echte Belfort wurde verurteilt und musste 110 Millionen US-Dollar an 1513 Geschädigte zurückzuzahlen). Schöner verpacken als Scorsese kann einfach kaum ein anderer Regisseur unterhaltsame Kritik an Kapitalismus und Geldgier.


10. The Irishman

© Netflix

Wer ein Abo bei Netflix besitzt, ist zumindest um die Vorschau zu „The Irishman“ sicherlich nicht herumgekommen. Denn beim neusten Film Scorseses handelt es sich um eine von Netflix finanzierte Produktion, die seit dem 27. November 2019 weltweit über den Streaming-Dienst angeschaut werden kann. Scorsese plante schon seit Jahren, die Geschichte um den Mob-Auftragskiller Frank „The Irishman“ Sheeran (gespielt von Robert De Niro), den Gewerkschaftsführer James Riddle „Jimmy“ Hoffa (gespielt von Al Pacino) und die Bufalino-Familie zu verfilmen. Schon im Jahr 2008 wurde das Projekt immer wieder genannt und bald wurde klar, dass Robert De Niro - das erste Mal seit „Casino“ - wieder in einem Scorsese-Film mitspielen würde. Doch erst als Netflix schließlich 159 Millionen US-Dollar für den Film ausgab, konnte dieser richtig produziert werden.

Eine klar umrissene Handlung von „The Irishman“ auszumachen, ist nicht leicht. Auch hier aber geht es wieder um mächtige Männer in kriminellen Kreisen, die mit Problemen zu kämpfen haben. Anders als andere Gangsterfilme, schafft „The Irishman“ es aber, ein viel unromantischeres Bild des Lebens in der italienischen Unterwelt zu zeichnen. Scorsese konzentriert sich bei alldem dennoch mehr auf die Gefühle, statt auf die bloße Darstellung möglichst vieler Fakten. Genau das macht auch „The Irishman“ zu einer menschlichen Tragödie, die kein Filmfan verpassen sollte.

Vor allem auch deshalb nicht, weil mit „The Irishman“ eine ganz neue digitale Verjüngungstechnik Premiere feierte, die zukünftig häufiger in Filmen eingesetzt werden dürfte. Wer sich genauer zum digitalen „De-Aging / Anti-Aging“ informieren möchte, schaut sich am besten einmal das von Netflix selbst veröffentlichte Video dazu an. Aber bitte erst im Anschluss an „The Irishman“ - damit dieser auch voll und ganz wirken kann!