Vierter Jason-Bourne-Film, in dem der Geheimagent nach Jahren im Untergrund durch neue Enthüllungen wieder zur Aktion getrieben wird.

Kinostart: 11.08.2016

Handlung

Seit Jahren hält sich Jason Bourne mit Kämpfen in Fightclubs am Leben. Als seine einstige Vertraute Nicky auf Dateien stößt, die nicht nur die Hintergründe des Treadstone-Programms illuminieren, in dessen Rahmen Jason zur Kampfmaschine umfunktioniert wurde, sondern auch auf neue Geheimprogramme der CIA hinweisen, wird nicht nur Bourne wieder aktiv, sondern auch CIA-Chef Dewey und seine junge Cyberspezialistin Heather Lee schreiten zur Tat: Während Jason die Sache beenden will, will die Agency ihn endgültig beseitigen.

Kritik

Erster "Bourne"-Film mit Matt Damon seit neun Jahren, in dem der im Untergrund lebende Ex-Agent auf neue Verschwörungen in der CIA stößt.

Mit den beiden "Bourne"-Filmen, die Matt Damon zusammen mit Paul Greengrass realisierte, "Die Bourne Verschwörung" von 2004 und, als Abschluss der mit "Die Borune Identität" 2001 begonnenen Trilogie von Robert-Ludlum-Adaptionen, "Das Bourne Ultimatum" von 2007, gelangen kleine Meisterwerke, die Tempo und Atemlosigkeit des Actiongenres nutzten, um die globale Verunsicherung in der Welt nach 9/11 einzufangen - und gleichzeitig den Geist einer Zeit, in der sich Gut und Böse vor den Augen der Akteure auflöste, in sich aufsogen, um dem Genre des Spionagethrillers völlig neues Leben einzuhauchen: Wie in Realzeit entfalteten sich die kühn konstruierten und inszenierten Action-Setpieces, die sich als so einflussreich erwiesen, dass sich selbst die alte Garde, allen voran Bond in "Ein Quantum Trost", davon durchschütteln ließ. Der Erfolg der Reihe war aber vor allem dem Umstand geschuldet, dass Matt Damon eine so nachvollziehbare Identifikationsfigur für ein junges Publikum abgab: kein weltgewandter Anzugträger, sondern ein in seinen Grundfesten erschütterter, um seine Identität ringender Suchender, dessen Wut und Verzweiflung sich in den in Aufruhr befindlichen realen Krisenherden einer aus den Fugen geratenden Welt spiegelte.

Nun haben sich Greengrass und Damon entgegen ursprünglicher Beteuerungen doch noch einmal zusammengefunden, um nachzusehen, wie es ihrem Helden von der traurigen Gestalt in den letzten neun Jahren ergangen ist - und ihre Actionformel auf den Prüfstand zu stellen: Der etwa generisch klingende Titel "Jason Bourne" mag sich darauf beziehen, dass man hier nicht auf eine Vorlage von Robert Ludlum zurückgreift, das Originaldrehbuch wurde von Greengrass gemeinsam mit Christopher Rouse geschrieben, der bislang bezeichnenderweise Cutter aller Arbeiten von Greengrass in den letzten zwölf Jahren war. Er verweist aber auch darauf, dass dieser Film das Actionrad nicht wieder neu erfindet, wie es die beiden Vorgänger getan hatten: Was sich damals absolut neu und bahnbrechend anfühlte, ist nunmehr einer coolen Professionalität gewichen. Aufregend ist es allemal, was Greengrass hier anstellt in langen Sequenzen, die so atemberaubend sind, weil sie sich vor den Augen des Zuschauers zu entfalten scheinen und weder geplant noch inszeniert wirken. Eine lange Verfolgungsjagd durch enge Gassen während der Ausschreitungen bei einer Demo in Athen gibt einen Vorgeschmack auf den Showdown ausgerechnet in Las Vegas, wo sich der Zweikampf von Bourne mit seiner von Vincent Cassel gespielten Nemesis von einem Hotelkomplex auf die Hauptstraßen der Glitzerstadt erstreckt. Wäre das Tempo nicht so wahnwitzig hoch, müsste man sich angesichts der offenkundig weitestgehend ohne Hilfe von Computern entstandenen Bilder eigentlich unentwegt fragen: Wie haben sie das nur gemacht? So aber ist man mittendrin. Und ist Zeuge, wie der hauchdünne Plot um einen ruchlosen CIA-Chef - Tommy Lee Jones lässt an "Auf der Flucht" erinnern, dem offenkundigen Vorbild für diesen "Bourne"-Film, der mehr denn je eine einzige Hatz ist - und seine undurchsichtig agierende Cyberanalystin, gespielt von Alicia Vikander mit der Kälte ihrer Roboterfigur in "Ex_Machina", doch nur dazu dient, eine Hauptfigur zu illuminieren, die gezeichnet ist von 15 Jahren auf der Flucht, neun davon im Untergrund, wo sich Bourne mit Kämpfen in Fight Clubs über Wasser hält und gleichzeitig bestraft für eine Existenz, die sich lange der eigenen Kontrolle entzogen hat. Matt Damons Dialog lässt sich vermutlich handschriftlich auf einem Bierdeckel festhalten, und doch versteht man jede Regung, jede Motivation der Figur: Während Greengrass gewitzte visuelle Kommentare einstreut (das Kapitol ist in ein Baugerüst eingehüllt, die Totale der Plastikwelt von Las Vegas zoomt auf das Trump-Hotel), ist Bourne Herz und Seele eines Films, der auf jede erzählerische Überflüssigkeit verzichtet und doch mehr Vermächtnis der Reihe ist, als es Tony Gilroys Spinoff "Das Bourne Vermächtnis" mit Jeremy Renner, auf den in einer Liste, die illegale CIA-Geheimprojekte aufführt, Bezug genommen wird, sein könnte. ts.

Wertung Questions?

FilmRanking: 827 -106

Filmwertung

Redaktion
4.5
User
5
Deine Wertung

Action

Red.
5
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
3
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
3
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
5
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
4
User
3
Deine Wertung

Ticker

Kino&Co Newsletter

Hol' dir jetzt den KINO&CO Newsletter!
Der schnelle Überblick über unsere Blockbuster und Top-Gewinnaktionen der Woche.