Mel Gibson martialische filmische Aufarbeitung des Untergangs einer Maya-Kultur.

Kinostart: 14.12.2006

Rudy Youngblood
als Pranke des Jaguar

Dalia Hernández
als Sieben

Jonathan Brewer
als Von kleinem Geist

Morris Bird
als Blitzender Himmel

Raoul Trujillo
als Leitwolf

Gerardo Taracena
als Stirnauge

Rodolfo Palacios
als Giftige Schlange

Ariel Galvan
als H

Bernardo Ruiz Juarez
als Gro

Ricardo Diaz Mendoza
als Gehauener Fels

Fernando Hernandez Perez
als Hohepriester

Maria Isidra Hoil
als Orakel M

Handlung

Im 15. Jahrhundert lebt ein Maya-Stamm auf der mittelamerikanischen Halbinsel Yucatán in paradiesischem Naturfrieden. Die Außenbezirke des Volkes wurden noch nicht von den Europäern entdeckt. Bei einem Jagdausflug begegnen Jaguar Paw (Rudy Youngblood) und seine Stammesbrüder einer Übermacht verrückt gewordener Wilder, die ihr Dorf überfallen. Jaguar kann Frau und Kinder vor dem brutalen Übergriff verstecken, gerät dabei aber in die Fänge des sadistischen Anführers Middle Eye (Gerardo Taracena). Was er und die anderen Dorfbewohner erleiden, übersteigt all ihre apokalyptischen Ängste.

Ein Untergang, so gewaltig wie die Titanic: In epochaler Größe und brachialer Gewalt schildert Regie-Monomane Mel Gibson ("Die Passion Christi", "Braveheart") die letzten Tage einer Maya-Kultur kurz vor dem Völkermord durch die Konquistadoren.

15. Jahrhundert, vor dem Einfall der Spanier in Mittelamerika. Ein Maya-Stamm lebt in idyllischer Harmonie, als der Friede von Eindringlingen gewalttätig unterbrochen wird: Die besten Frauen und Männer werden brutal verschleppt und sollen in der Maya-Hauptstadt entweder verkauft oder geopfert werden. Nur der junge Jaguarpfote kann entkommen, angetrieben von der Hoffnung, seine hochschwangere Frau und seinen kleinen Sohn wiederzusehen. Doch seine Häscher sind ihm auf den Fersen.

Eines Tages wird ein friedlich jagender Maya-Stamm von feindlichen Eindringlingen überfallen. Ohne Vorwarnung beginnen sie zu morden und zu brandschatzen und verschleppen die kräftigsten Männer und Frauen in die Hauptstadt, wo sie verkauft oder geopfert werden sollen. Unter ihnen: Pranke des Jaguar, der nur ein Ziel hat. Er will zurück nach Hause zu Frau und Kind, die er kurz vor seiner Entführung verstecken konnte. Tatsächlich gelingt dem jungen Maya die Flucht. Doch seine Häscher sind ihm dicht auf den Fersen.

Kritik

An Wildheit, Tempo und purer Körperlichkeit kennt Mel Gibsons erster Film seit seinem Sensationserfolg mit "Die Passion Christi", eine in absolut brutale und in ihrer Ursprünglichkeit wunderschöne Bilder gegossene Meditation über eine zum Untergang verdammte Gesellschaft, keine Konkurrenz in diesem Filmjahr.

Einerseits an Konventionalität und gefälligen dramaturgischen Kniffen kaum zu überbieten, andererseits aber auch erfüllt mit einer halluzinatorischen Energie und in dieser Form tatsächlich noch nie gesehenen Bildern, ist "Apocalypto" ein Film voller krasser Gegensätze, den man nicht lieben muss, der aber fasziniert mit seiner Fiebrigkeit und Entschlossenheit, mit seiner klaren Vision und seiner unbequemen Widersprüchlichkeit: Langweilig ist dieser Einblick in das Leben der Mayas kurz vor Ankunft der spanischen Eroberer in Mittelamerika jedenfalls keine Sekunde. Dafür ist das Tempo zu hoch, die gezeigte Gewalt zu extrem, die Story zu packend erzählt. Subtilität darf man von diesem radikalen Gegenentwurf zu "The New World" allerdings nicht einfordern.

Von der ersten Einstellung, wenn sich Dean Semlers furiose Kamera (der komplette Film entstand digital) den Weg vorsichtig in den undurchdringlichen Dschungel bahnt, nur um überraschend von einem Tapir attackiert zu werden, das von einer Gruppe mayanischer Krieger verfolgt wird, stehen die Zeichen auf Sturm, malt Gibson mit muskulösen Pinselzügen großzügig auf einer denkbar großen Leinwand. In groben Strichen hat er das harmonische Leben dieser Mayas in ihrem Wald skizziert, ihren Zusammenhalt, ihre soziale Ordnung - nur um eine Gruppe martialisch aussehender, besser ausgestatteter und rücksichtsloser Krieger in ihre heile Welt einbrechen, brandschatzen und die besten Männer und Frauen verschleppen zu lassen. Der junge Jaguarpfote kann noch seine hoch schwangere Frau und ihren kleinen Sohn in einem Höhlenloch verstecken und muss mitansehen, wie sein Vater, der Häuptling des Stammes, von einem besonders sadistischen Krieger massakriert wird, bevor er in einem brutalen Marsch zur Hauptstadt der Maya, aus Stein gebaut und von Abertausenden von Menschen bevölkert, gebracht wird. Er und seine Freunde sollen dort auf der Spitze einer Pyramide in einem archaischen Ritus geopfert werden. Im letzten Drittel thematisiert Gibson schließlich die Flucht von Jaguarpfote in heimische Wälder und seinen Kampf gegen die, die ihn verfolgen.

Wie schon in "Die Passion Christi" sprechen die Darsteller - Laien, die von Gibson perfekt inszeniert wurden, allen voran der junge Cherokee Rudy Youngblood in der Hauptrolle - die ureigene Sprache der Figuren, in diesem Fall einen Dialekt der mesoamerikanischen Indianer. Das tut der filmischen Erfahrung keinen Abbruch, denn "Apocalypto" teilt sich vor allem durch seine atavistischen Bilder mit, und das ist seine ureigene Stärke, speziell wenn man willens ist, den Film als Survivalfilm anzusehen, als Variation altbekannter Motive von Gibson-Filmen wie "Mad Max 2" oder "Braveheart", mit einer gehörigen Portion "Graf Zaroff - Genie des Bösen" und zum Schluss sogar melodramatischem Kitsch. Problematischer ist die von Gibson implizierte Lesart, bei "Apocalypto" handele es sich auch um eine Parabel über die Zustände in der heutigen Gesellschaft. Gerade vermischt mit dem sich wie ein roter Faden durch seine Karriere ziehenden Motiv von der Schändung und Zerstörung des männlichen Körpers, das hier wieder eine zentrale Rolle einnimmt, offenbart sich eine widersprüchliche, antizivilisatorische und paranoide Weltsicht, die weitaus verstörender ist als so manche der unablässigen brutalen Szenen des Films. Dass man sich ihm dennoch nicht entziehen kann, trotz etwaiger Abscheu und Ablehnung, ist das größte Kompliment für diese delirierend kompromisslose und deshalb beachtliche Filmleistung. ts.

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Info

Plakat des Films: Apocalypto

Kinostart: 14.12.2006

USA 2006

Länge: 2 h 18 min

Genre: Action

Originaltitel: Apocalypto

Regie: Mel Gibson

Drehbuch: Mel Gibson, Farhad Safinia

Musik: James Horner

Produktion: Bruce Davey, Farhad Safinia, Mel Gibson

Kostüme: Mayes C. Rubeo

Kamera: Dean Semler

Schnitt: John Wright

Ausstattung: Thomas E. Sanders

Website: http://www.apocalypto.film.de/

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