Mit einem Höchstmaß an Authentizität verfolgt die französische Filmemacherin Maiwenn Le Besco eine Sondereinheit der französischen Polizei, die sich mit Verbrechen an und von Jugendlichen befasst. Minuziös porträtiert sie den knallharten Alltag der Flics,

Kinostart: 27.10.2011

Karin Viard

Karin Viard
als Nadine

Joey Starr
als Fred

Marina Foïs
als Iris

Nicolas Duvauchelle
als Mathieu

Maïwenn Le Besco
als Melissa

Karole Rocher
als Chrys

Emmanuelle Bercot
als Sue Ellen

Frédéric Pierrot
als Balloo

Arnaud Henriet
als Bamako

Naidra Ayadi
als Nora

Jérémie Elkaïm
als Gabriel

Riccardo Scamarcio
als Francesco

Sandrine Kiberlain
als Mme de la Faublaise

Wladimir Yordanoff
als Beauchard

Louis-Do de Lencquesaing
als M. de la Faublaise

Laurent Bateau
als Herv

Riton Liebman
als Franck

Anne Suarez
als Alice

Carole Franck
als Celine

Audrey Lamy
als Mutter

Anthony Delon
als Alex

Sophie Cattani
als drogenabh

Lou Doillon
als Schwester Melissa

Marcial Di Fonzo Bo
als Lehrer

Die Handlung von Poliezei

Die Polizisten der Einheit für Jugendkriminalität haben einen Job, um den sie niemand beneidet: Täglich werden sie mit schrecklichen Verbrechen und extremer Aggression konfrontiert und müssen dennoch cool bleiben. Vom Innenministerium beauftragt, soll die Journalistin Melissa eine Reportage über die hartgesottenen Flics schreiben. Und verliebt sich alsbald in Fred, das schwarze Schaf des Trupps.

Die Polizisten einer französischen Spezialeinheit, die sich nur und ausschließlich mit Kriminalität gegen Kinder beschäftigt, haben einen Job, um den sie kaum ein Kollege beneidet. Täglich werden sie mit schrecklichen Verbrechen an Wehrlosen konfrontiert, müssen cool bleiben, wenn Täter und schwer Verdächtige sich winden und abwiegeln. Vom Innenministerium beauftragt, soll jetzt die Journalistin Melissa eine Reportage über den harten Haufen schreiben. Dabei verliebt sie sich ausgerechnet in Fred, das impulsive schwarze Schaf der Truppe.

Täglich sehen die Flics von der Dienststelle für Kindsmissbrauch dem Grauen auf den Grund. Nicht leicht, da cool zu bleiben. Rapper Joey Starr und Maiwenn Le Besco (auch Regie) sind die Stars eines harten Polizeidramas aus Frankreich.

Kritik zu Poliezei

Eine Polizeieinheit in Paris bekämpft Verbrechen gegen Kinder. In den Händen der Regisseurin Maiwenn wird daraus ein Genrefilm, der den Vergleich mit den besten Polizeifilmen oder -serien nicht zu scheuen braucht.

"Polizei" nennt Maiwenn ihre dritte Regiearbeit - bezeichnender Weise in der orthographisch unkorrekten Form, die ihr Sohn bei einer Rechtschreibübung gewählt hat. Denn genau darum geht es, um Polizei und Kinder. Oder genauer gesagt: um die Brigade de Protection des Mineurs, eine zehnköpfige Sondereinheit der Pariser Polizei, die sich um jedwede Verbrechen an Minderjährige zu kümmern hat. Ohne große Umschweife und Exposition taucht der Film ein in den Alltag der Beamten, zeigt sie bei der Arbeit, bei ihren Gesprächen, bei sich zu Hause. So gut wie nie trennt er sich von seinen Protagonisten und entscheidet sich nie für eine klare Hauptfigur. Wenn man ehrlich ist, erzählt er eigentlich auch keine stringente Geschichte, zumindest keine konventionelle Geschichte in drei Akten und mit sauberem Spannungsaufbau.

Obwohl "Polisse" sich konventionellen dramaturgischen Kniffen verweigert, baut sich eine fast unerträgliche Spannung auf, weil einem die Figuren nach und nach ans Herz wachsen: Hautnah darf der Zuschauer miterleben, was sie erleben, wie sie fühlen, was der tägliche Umgang mit Päderasten und geschundenen Kindern mit ihren Seelen anstellt, was das Gesehene und Erlebte für ihr Privatleben bedeutet. Wenn es eine Rahmenhandlung gibt, dann ist es die Geschichte der Fotografin Melissa, gespielt von der Regisseurin selbst, die vom Innenministerium beauftragt wird, eine Reportage über die BPM zu machen, die für die Broschüre einer Imagekampagne benutzt werden soll. Wenn etwas vorhersehbar ist in "Polisse", dann ist es ihre Affäre mit Fred, absolut glaubwürdig gespielt von Rapstar Joeystarr als impulsiven Heißsporn der Gruppe, den sein großes Herz für Kinder öfter auch in die Bredouille bringt, weil er sich allzu oft von seinen Gefühlen leiten lässt. Und doch ist auch ihre Liebe immer nachvollziehbar, wie auch die anderen Freundschaften und Machtverhältnisse innerhalb der Gruppe.

Den atemlosen authentischen Erzählstil kennt man aus amerikanischen Fernsehserien wie "NYPD Blue ", "The Wire" oder "The Shield", aber wozu diese Serien sich über ganze Staffeln hinweg Zeit nehmen, das packt Maiwenn mit ihrem gemeinsam mit Emmanuelle Bercot geschriebenen Drehbuch in knappe zwei Stunden. Kaum eine Härte des Polizeialltags wird ausgelassen, und bei manchen Vignetten und Fällen - die nach Angaben der Regisseurin allesamt auf Tatsachen beruhen - stockt einem der Atem. Wenn etwa eine mittellose schwarze Frau ihren sechsjährigen Sohn auf dem Revier abliefert, weil er ein besseres Schicksal verdient hat, als so zu leben wie sie, oder wenn ein Päderast genüsslich davon erzählt, wie er sich an seiner Tochter vergangen hat, weil er weiß, dass seine guten Verbindungen in hohe Stellen ihm garantieren, bald auf freiem Fuß zu sein. Aber auch Raum für befreienden Humor gibt es Zuhauf, mit dem die Beamten dem täglichen Schrecken ihrer Arbeit begegnen. Bei dem hohen Tempo könnte einem leicht entgehen, dass dieser wie zufällig zusammengesetzte Film ganz präzise erzählt und inszeniert ist.

Mit hoher Ökonomie werden die Figuren vorgestellt und vertieft. Erst im Finale gönnt sich die Regisseurin den Kniff einer künstlerischen Verfremdung, indem sie eine Verzweiflungstat eines der Beamten und einen Befreiungsakt eines der misshandelten Kinder gegeneinander schneidet, und erzielt damit einen erschütternden Höhepunkt in ihrem großartigen Film. Vor allem verliert Maiwenn nie aus den Augen, um wen und was es geht. Sie mag von der Polizei erzählen, aber im Mittelpunkt stehen die Kinder. Und das erdet diesen großartigen Genrefilm, den man in einem Atemzug mit einem anderen Cannes-Meisterwerk der letzten Jahre, "Ein Prophet", nennen kann, auf eine Weise, die einem bisweilen das Herz zerreißt. Wenn man nicht gerade übergeht vor Begeisterung für diesen außerordentlichen Film. ts.

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Info

Plakat des Films: Poliezei
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 27.10.2011

Frankreich 2011

Länge: 2 h 7 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Polisse

Regie: Maïwenn Le Besco

Drehbuch: Maïwenn Le Besco, Emmanuelle Bercot

Musik: Stephen Warbeck

Produktion: Alain Attal

Kostüme: Marité Coutard

Kamera: Claire Mathon, Jowan Le Besco

Schnitt: Yann Dedet, Laure Gardette

Ausstattung: Nicolas de Boiscuillé

Website: www.wildbunch.biz/films/poliss