Eindringliche Geschichte einer Amour fou über einen jungen Ingenieur, der einer geheimnisvollen Frau verfällt.

Kinostart: 05.10.2006

Katja Riemann

Katja Riemann
als Carlotta/Carolin Winter

August Diehl

August Diehl
als Robert Fabry

Armin Mueller-Stahl

Armin Mueller-Stahl
als Karl Winter

Karin Dor
als Frau Winter

Barbara Auer
als Fr

Bernadette Heerwagen
als Britta

Dieter Laser
als Bruno

Peter Lerchbaumer
als Dr. Maiser

Handlung

Ingenieur Robert Fabry (August Diehl) staunt nicht schlecht, als dieselbe Dame, die sich gestern noch als käufliches Luder auf seinem Hotelbett räkelte, ihm heute im Anwaltsbüro auf der anderen Seite des Schreibtisches im sittsamen Kostüm gegenüber sitzt. Dabei tut sie in aller Geschäftigkeit so, als sei man sich noch nie zuvor begegnet. Eine heftige Abfuhr später weiß Fabry, dass er diese Frau wieder sehen muss. Um jeden Preis, wenn es sein muss. Und es muss sein.

Multiple Persönlichkeiten, sexuelle Abgründe und kleine Morde unter Freunden in einem verzwickten Noir-Thriller von dem "Rosenstrasse"-Erfolgsteam Margarethe von Trotta und Katja Riemann.

Nach einem amourösen Abenteuer in seinem Hotelzimmer mit einer geheimnisvollen Frau trifft Ingenieur Robert Fabry die Unbekannte am nächsten Tag in einer Kanzlei wieder. Als Anwältin betreut sie seinen Fall und ignoriert alle Anspielungen auf die gemeinsame Nacht. Doch Fabry ist bereits besessen von dieser Carolin Winter und trennt sich von seiner Lebensgefährtin. Je mehr er jedoch in Carolins Welt eintaucht, desto größer werden die Rätsel und Abgründe, die sich auftun.

Der erfolgreiche Ingenieur Robert Fabry gerät nach einer amourösen Affäre in den Bann der ebenso schönen wie geheimnisvollen Carolin Winter. Sofort möchte er die undurchschaubare Anwältin heiraten und trennt sich dafür von seiner bisherigen Lebensgefährtin. Aber wer ist die zugleich unschuldig zarte wie auch provozierend laszive Frau wirklich? Welche Rolle spielt ihre Familie? Was als erotisches Abenteuer seinen Anfang nahm, entwickelt sich zu einem komplizierten Drama um Liebe, Leidenschaft und Abhängigkeit.

Kritik

Margarethe von Trotta entführt auf eine Reise in gefährliche Tiefen menschlichen Unterbewusstseins. Weltpremiere feiert das Drama mit Katja Riemann als eine in dunkle Leidenschaften verstrickte multiple Persönlichkeit in Toronto.

Nach ihrem Erfolg von "Rosenstrasse" überrascht Margarethe von Trotta mit einem völlig anderem Genre, einer Mischung aus Melodram und Psychothriller, Liebes- und Familiengeschichte. Im Mittelpunkt die schillernde multiple Persönlichkeit einer Frau, die in zwei Gegenwelten lebt - als arrivierte Anwältin Dr. Carolin Winter und als "Belle de Nuit" Carlotta, die mit wildfremden Männern ins Bett steigt. Die Ambivalenz dieser Frauengestalt wurde von dem vor zwei Jahren gestorbenen Peter Märthesheimer entwickelt, der seine Nähe zu Fassbinder und dessen Frauenbild nicht verleugnen kann, schuf er doch als Drehbuchautor Figuren wie Veronika Voss, Lola oder Maria Braun. Auch hier ist die Heldin eine Frau mit geheimnisvoller Aura, der ein Mann rettungslos verfällt.

Die erste Begegnung zwischen dem Starnberger Ingenieur Robert Fabry (August Diehl) und der blonden, scheinbar käuflichen Lady in Red ist alles andere als romantisch. Bevor der Page die aufdringliche Person mit billiger Perrücke aus der Lobby werfen kann, hilft er ihr charmant aus der Klemme und begrüßt sie spontan als alte Bekannte. Sie fragt ihn direkt, ob er sie kaufen will und auf dem Bett hingestreckt, heißt es geschäftsmäßig "Nackt kostet extra". Nach einer heißen Liebesnacht verschwindet sie ohne den Liebeslohn. Nur wenige Stunden später der Schock: in der Anwaltskanzlei sitzt ihm genau diese Dame als unnahbare Dr. Carolin Winter im braven Kostümchen gegenüber und bearbeitet souverän seinen Vertrag. Als er sich ihr nach einem Candlelight-Dinner sexuell nähert, ergreift sie weinend die Flucht. Robert Fabry weiss, er muss diese Frau wieder sehen. Aber er ahnt nicht, in welch tödliche Gefahr er gerät. Wie ein Puzzle setzt Margarethe von Trotta die einzelnen Teile des komplexen Charakters zusammen, ohne ins Psychologisieren zu verfallen oder ein medizinisches Fallbeispiel zu entwerfen. Katja Riemann überzeugt als Frau mit Doppelleben bzw. Tripleleben - sie ist "die Andere", als kühle Karrierefrau, vulgäre Hure, unterwürfige Tochter und bei dem Mann, der sie liebt, das ängstliche kleine Mädchen. Angst essen Seele auf. Carolin/Carlotta sind zwei Seiten einer Medaille. Je mehr sich Carolin an die Liebe klammert, um der dunklen Vergangenheit zu entgehen, um so mehr interveniert ihr dominanter, an den Rollstuhl gefesselter Vater (Armin Mueller-Stahl), torpediert die Beziehung und demütigt den "Konkurrenten" um die Gunst der Tochter, deren Zuneigung weit über die "normale" Tochterliebe hinausgeht.. Ihr Befreiungsschlag misslingt, trotz wahnwitzigem Wunsch nach Glück. Kein Lächeln liegt über dieser düsteren Familie. Mit unerwarteter Wucht lässt von Trotta die inneren Dämonen sich als stärker erweisen, ihre Protagonistin im Machtdreieck durch ein Minenfeld der Gefühle taumeln und den Zuschauer in klirrender Seelenkälte zurück. Die "typische" von Trotta sucht man hier vergebens, die neue von Trotta irritiert und fasziniert durch den Zusammenprall von Obsession und Destruktion in einem fassbinderischen Imperium. Auch sie ist diesmal "die Andere". mk.

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Info

Plakat des Films: Ich bin die Andere
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 05.10.2006

Deutschland 2006

Länge: 1 h 44 min

Genre: Drama

Originaltitel: Ich bin die Andere

Regie: Margarethe von Trotta

Drehbuch: Pea Fröhlich, Peter Märthesheimer

Buchvorlage: Peter Märthesheimer

Musik: Christian Heyne

Produktion: Markus Zimmer

Kostüme: Claudia Bobsin

Kamera: Axel Block

Schnitt: Corina Dietz

Ausstattung: Doerthe Komnick