Politthriller um einen US-Anwalt, der die Freilassung eines in der Sowjetunion verhafteten US-Piloten während des Kalten Kriegs organisieren soll.

Kinostart: 26.11.2015

Tom Hanks

Tom Hanks
als James Donovan

Amy Ryan

Amy Ryan
als Mary Donovan

Mark Rylance
als Rudolf Abel

Scott Shepherd
als Hoffman

Sebastian Koch
als Wolfgang Vogel

Alan Alda
als Thomas Watters

Austin Stowell
als Francis Gary Powers

Billy Magnussen
als Doug Forrester

Mikhail Gorevoy
als Ivan Schischkin

Eve Hewson
als Jan Donovan

Will Rogers
als Frederic Pryor

Peter McRobbie
als Allen Dulles

Domenick Lombardozzi
als Agent Blasco

Handlung

Das Leben von US-Anwalt James Donovan ändert sich schlagartig, als er einen ungewöhlichen Fall übernimmt. Er, der sich bescheiden als Spezialist für Versicherungen bezeichnet, soll nicht nur den der Spionage für den KGB angeklagten Rudolf Abel verteidigen, sondern auch die Freilassung eines in Sowjetgefangenschaft befindlichen US-Army-Piloten erwirken. Eine enorme Herausforderung, auch weil er im eigenen Land als Verräter betrachtet wird.

Kritik

Politthriller von Steven Spielberg um einen US-Anwalt, der die Freilassung eines in der Sowjetunion verhafteten US-Piloten während des Kalten Kriegs organisieren soll.

Nach der für seine Verhältnisse ungewöhnlich langen Ruhepause von drei Jahren (nach einer höchst produktiven Phase mit drei fertig gestellten Filmen binnen zwölf Monaten) kehrt Steven Spielberg zurück, um seinem "Lincoln" einen weiteren Stoff aus der Geschichte der USA folgen zu lassen: eine Episode aus dem Kalten Krieg, die Spielberg stilistisch ganz klassisch erzählt mit Verweisen auf das Kino von Frank Capra und die schwarze Serie Hollywoods, allerdings mit einer inhaltlichen Ausrichtung und Personenkonstellationen, die sich ein Filmemacher in den Fünfzigerjahren niemals hätte wagen dürfen, wenn er es nicht darauf hätte anlegen wollen, vor das HUAC zitiert zu werden. Dabei geht es Spielberg bei seiner clever in zwei auch tonal sehr unterschiedliche Teile aufgesplitteten Geschichte des rechtschaffenen Anwalts James B. Donovan genau darum: Was sind amerikanische Grundwerte wirklich wert, wofür lohnt es sich zu kämpfen?

Tom Hanks ist als Gewissen einer ganzen Nation natürlich die Idealbesetzung für Donovan, eine Rolle, die dereinst auch einem Jimmy Stewart, Gary Cooper oder Henry Ford perfekt zu Gesicht gestanden hätte. Wie die Jungfrau zum Kind kommt Donovan, ein Spezialist für Versicherungsfälle, zu dem Fall, als ihm 1957 von seiner Kanzlei angetragen wird, die Verteidigung des russischen Spions Abel zu übernehmen - als Zeichen dafür, dass die demokratische Nation auch ihren Feinden gerecht den Prozess macht. Dass Donovan wie selbstverständlich seine Arbeit so gut zu machen versucht, wie er kann, bringt aber zunächst die CIA und seine Vorgesetzten, dann die ganze Nation gegen ihn auf. Die Paranoia im Land fasst Spielberg mit Hilfe seines Kameramanns Janusz Kaminski in ein paar der finstersten und verzweifeltsten Bilder seiner Laufbahn - unverkennbar ein Verweis auf die aktuelle Stimmung in den USA, die ihren moralischen Kompass zu verlieren drohen.

Dass es oberste Bürgerpflicht ist, auch gegen erbitterten Widerstand den Anfängen zu wehren, ist Inhalt der ersten Hälfte des Films. Dass sich Besonnenheit und ein kühler Kopf auch auszahlen, davon erzählt die zweite Hälfte des Films, als Donovan zu Zeiten des Mauerbaus nach Berlin geschickt wird. Als unparteiischer Unterhändler soll er mit Geheimdiensten mit nicht immer ganz klaren Allianzen über den Austausch zweier separat als Spione im Osten festgesetzter US-Bürger verhandeln - ausgerechnet mit jenem russischen Agenten, den Donovan trotz Anfeindungen vor dem elektrischen Stuhl bewahrt hat. Diese Passage mit im Grunde offensichtlichem Ausgang ist ein Meisterstück der Desorientierung, ein Jonglieren mit Informationsfetzen, wie das Hitchcock nicht besser hinbekommen hätte, aber auch angereichert mit der Menschlichkeit eines Jean Renoir, dessen "Die große Illusion" durchaus ein Vorbild gewesen sein könnte: Ehrenmänner gibt es eben auf beiden Seiten. In ein oder zwei Momenten gibt Spielberg seine distanzierte Erzählhaltung auf, da manipuliert er etwas zu offensichtlich: Dass Donovan in der S-Bahn auf dem Weg aus Ost- nach West-Berlin Zeuge wird, wie ein Fluchtversuch von DDR-Bürgern an der Mauer tödlich endet, ist dann doch ein bisschen dick aufgetragen. Aber vielleicht ist es für ein großes Publikum auch wichtig, klar vor Augen zu führen, wie hoch der Einsatz tatsächlich ist, dass hier nicht gemütlich Schach gespielt wird, sondern es um Leben und Tod geht, wenn man nur einen Schritt falsch setzt.

So oder so ist "Bridge of Spies" atemberaubend spannend und faszinierend, brillant gespielt nicht nur von Hanks, sondern auch der exzellenten Theaterikone Mark Rylance in einem seiner seltenen Filmauftritte als Abel, der nicht von ungefähr wirkt wie eine absurde Figur aus einem Coen-Brüder-Film: Ethan und Joel Coen haben das Drehbuch von Matt Charman bearbeitet und wohl den entscheidenden Dreh verpasst, das Authentische mit den surrealen Aspekten der Geschichte vermählt. Zu einem Meisterwerk, das die alte Schule vertritt und zugleich auf den Kopf stellt. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 26.11.2015

USA/Deutschland 2015

Länge: 2 h 22 min

Genre: Thriller

Originaltitel: Bridge of Spies

Regie: Steven Spielberg

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen, Matt Charman

Musik: Thomas Newman

Produktion: Steven Spielberg, Kristie Macosko-Krieger, Marc E. Platt

Kostüme: Kasia Walicka-Maimone

Kamera: Janusz Kaminski

Schnitt: Michael Kahn

Ausstattung: Adam Stockhausen

Website: http://www.fox.de/bridge-of-spies

Auszeichnungen

1 Oscar:

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