Packender Thriller von Ridley Scott über die Entführung des 16-jährigen Paul Getty, dessen steinreicher Großvater sich strikt weigerte, das Lösegeld zu bezahlen.

Kinostart: 15.02.2018

Handlung

Eine laue Sommernacht in Rom. Der 16-jährige Paul (Charlie Plummer) schlendert durch die Ewige Stadt, vorbei an Prostituierten, die auf dem Straßenstrich ihre Dienste anbieten und merken: Der Junge ist hier fehl am Platz. Plötzlich hält ein VW-Bus, Paul wird hineingezerrt, bekommt eine Kapuze über den Kopf gezogen.

So beginnt einer der aufsehenerregendsten Entführungsfälle der Kriminalgeschichte, denn Paul ist ein Enkel des milliardenschweren Öl- Magnaten J. Paul Getty (Christopher Plummer). Die Kidnapper verlangen 17 Millionen Dollar Lösegeld.

Auf seinem englischen Anwesen verfolgt der reichste Mann der Welt die Börsenkurse, macht astronomische Gewinne – aber denkt nicht daran, zu zahlen, obwohl es Peanuts für ihn wären. Er hält das Ganze für ein vom Enkel inszeniertes Spiel und fürchtet Nachahmer – schließlich hat er 13 weitere Enkel.

Pauls Mutter Gail (Michelle Williams), die geschiedene Schwiegertochter, die für das Sorgerecht ihrer drei Kinder auf alle Getty-Millionen verzichtet hatte, ist mittellos und versucht, den Patriarchen umzustimmen. Der setzt den mit allen Wassern gewaschenen Ex-CIA Mann Fletcher Chase (Mark Wahlberg), seinen Sicherheitsberater und Vertrauten, auf den Fall an.

Während die Polizei fieberhaft versucht, eine Spur der Gangster im Süden Italiens auszumachen, entwickelt Entführer Cinquanta (Romain Duris) langsam Sympathie für sein Opfer. Doch dann wird der Milliardenerbe an die Mafia weiterverkauft, und die wird schnell ungeduldig. Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, schneiden sie Paul ein Ohr ab, schicken es per Post an die Presse und drohen damit, ihn stückchenweise freizulassen, wenn das Lösegeld nicht bald fließt.

Die Uhr tickt, das letzte Ultimatum verstreicht, und immer noch ist keine Lösung in Sicht – verzweifelt kämpfen Gail und Fletcher um das Leben des Jungen. Bis der alte Getty wieder für eine Überraschung sorgt ...

Meisterregisseur Ridley Scott („American Gangster“, „Alien”, „Blade Runner”) rekonstruiert einen der spektakulärsten Kriminalfälle des letzten Jahrhunderts als Hochspannungs-Thriller, der bis zum Showdown, bei dem es noch einmal um Leben und Tod geht, in Atem hält.

Gier, Macht und die Flüchtigkeit von allem „Geld der Welt” sind Sujets, denen die Regie-Ikone sich in seinen Filmen immer wieder widmete. Wie hoch ist der Preis für ein Menschenleben, fragt er diesmal und komprimiert das Thema in einer Nebenfigur, die aber doch im Zentrum steht – denn bei John Paul Getty laufen alle Fäden zusammen.

Der Charakter sorgte schon im Vorfeld für reichlich Gesprächsstoff, als die zentrale Nebenrolle kurzfristig mit Christopher Plummer umbesetzt wurde, obwohl der Film eigentlich schon abgedreht war. Der Coup funktioniert: Man kann sich keinen besseren Getty vorstellen, als Plummer ihn liefert. Er fügt sich sensationell in das vorhandene Material ein. Für die in Windeseile nachgedrehten Szenen erhielt Plummer schon eine Golden-Globe-Nominierung als bester Nebendarsteller. Ein weiteres Zeichen für das Genie von Plummer vor und Ridley Scott hinter der Kamera, mit einem Ergebnis, das man sehen muss.

Kritik

Packender Thriller von Ridley Scott über die Entführung von Paul Getty III im Jahr 1973 und die Weigerung seines steinreichen Großvaters, das geforderte Lösegeld zu bezahlen.

Reichtum und Macht und Gier und die Flüchtigkeit von allem, das interessiert den nunmehr 80-jährigen Ridley Scott im fünften Jahrzehnt seines Schaffens als Filmemacher, diese Themen stehen im Zentrum seines beeindruckenden Alterswerks, dem er weiterhin mit unveränderter Geschwindigkeit pro Jahr ein oder zwei neue Titel hinzufügt. So steht John Paul Getty, Anfang der Siebzigerjahre nicht einfach nur der reichste Mann der Welt, sondern der reichste Mann, der jemals gelebt hat, wie uns die Titelkarten informieren, in einer Ahnenreihe mit dem Pharao in "Exodus" und dem Magnaten Weyland in "Alien: Covenant" (oder auch dem von Jared Leto gespielten Niander Wallace in "Blade Runner 2049") - gebieterische Männer, denen ihr Lebenswerk durch die Finger rinnt.

Und obwohl er in der Geschichte, die sich entfaltet, streng genommen nur eine Nebenfigur ist, steht Getty doch im Zentrum des Films: Er ist Dreh- und Angelpunkt, Fixpunkt und Sonne für alle anderen agierenden Charaktere, nachdem sein Enkel Paul 1973 in Rom von Terroristen entführt und über Monate gefangen gehalten wird. Natürlich sieht man ganz besonders hin bei Christopher Plummer, weil man weiß, dass der 87-Jährige nur sechs Wochen vor dem amerikanischen Kinostart am 25. Dezember 2017 den eigentlichen Getty-Darsteller Kevin Spacey ersetzte, der aufgrund seines Skandals um sexuelle Belästigung Minderjähriger aus dem bereits fertig gestellten Film geschnitten wurde. Natürlich will man erst einmal sehen, ob es Sollbruchstellen gibt und wie gut sich Plummer in das bereits vorhandene Material fügt.

Da muss man sich bei einem Profi wie Scott keine Sorgen machen: Tatsächlich ist Plummer das Highlight in diesem insgesamt gelungenen und packenden Thriller, der sich bei den Getty-Szenen die Freiheit nimmt, einen auf "Citizen Kane" zu machen. Ansonsten funktioniert er immer wie ein edles Schweizer Uhrwerk, wenn Michelle Williams als Paul Gettys Mutter und Mark Wahlberg als mit allen Spionagewassern gewaschener Sicherheitschef des Getty-Imperiums um das Leben des jungen Mannes kämpfen, dessen Lösegeld der Patriarch keinesfalls zahlen will. "Ich habe 13 Enkel. Wenn ich zahle, habe ich 13 entführte Enkel", sagt er ebenso pragmatisch wie er in Hotelzimmern seine eigene Unterwäsche wäscht, weil er das Geld für die Reinigung nicht verschwenden will. Mit den Fakten nimmt es "Alles Geld der Welt" nicht so genau: Der echte Paul Getty verbrachte die meiste Zeit seines Martyriums in einer Holzkiste und wurde von seinen Häschern später einfach auf der Autobahn frei gelassen. Im Film knüpft der Junge Bande mit einem der Entführer, gespielt von Romain Duris, der sich - Scott ist sich dieser Ironie wohl bewusst - als einziger Mensch in diesem Haifischbecken erweist, in dem jeder etwas kaufen will oder zu verkaufen hat, und seine Freilassung wird als opernhafter Showdown zelebriert, in dem es noch einmal um Leben und Tod geht.

Das sind Zugeständnisse ans Publikum, das einen Thriller sehen will - wo es doch im Film immer nur darum geht, wie hoch der Preis ist: Auf Märkten werden Lebensmittel vertickt, vor seiner Entführung sieht sich Paul Getty bei Prostituierten auf dem Straßenstrich Roms um, die ihren Körper feilbieten. Und auch der Junge ist schließlich nur ein Produkt, um das gefeilscht wird und das verschachert werden soll. Insofern passt die Entscheidung, Kevin Spacey durch Christopher Plummer zu ersetzen, zum Thema des Films: Es war kein künstlerischer Schritt, sondern eine kommerzielle Entscheidung, um das Produkt besser verkaufen zu können. Jean Paul Getty hätte Verständnis dafür. ts.

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Info

  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 15.02.2018

USA 2017

Länge: 2 h 13 min

Genre: Thriller

Originaltitel: All the Money In the World

Regie: Ridley Scott

Drehbuch: David Scarpa

Musik: Daniel Pemberton

Produktion: Mark Huffam, Ridley Scott, Kevin J. Walsh, Chris Clark, Quentin Curtis, Bradley Thomas

Kostüme: Janty Yates

Kamera: Dariusz Wolski

Schnitt: Claire Simpson

Ausstattung: Arthur Max

Website: https://tobis.de/film/alles-geld-der-welt

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