Todd Solondz erzählt erneut von der Welt amerikanischer Vorstadt-Teenager und einem behinderten Mädchen, das unbedingt schwanger werden will.

Kinostart: 14.04.2005

Ellen Barkin

Ellen Barkin
als Joyce Victor

Richard Masur
als Steve Victor

Stephen Adly-Guirgis
als Joe/Earl/Bob

Debra Monk
als Mama Sunshine

Jennifer Jason Leigh
als Mark Aviva

Sharon Wilkins
als Mama Sunshine Aviva

Stephen Singer
als Dr. Fleisher

Richard Riehle
als Dr. Dan

Emani Sledge
als Dawn Aviva

Valerie Shusterov
als Judah Aviva

Hannah Freiman
als Henry Aviva

Rachel Corr
als Henrietty Aviva

Will Denton
als Huckleberry Aviva

Shayna Levine
als Bob Aviva

Matthew Faber
als Mark Wiener

John Gemberling
als Judah

Alexander Brickel
als Peter Paul

Walter Bobbie
als Bo Sunshine

Die Handlung von Palindrome

Die zwölfjährige Aviva Victor möchte dringend Mutter werden. Davon verspricht sich der mit auffällig lieblosen Eltern gesegnete Teenager nämlich eine längerfristige emotionale Beziehung, sozusagen jemanden zum liebhaben, der immer für sie da ist. Als ihre wenig begeisterten Erzeuger das jugendliche Experiment mit einer Abtreibung zu unterbinden gedenken, nimmt Aviva endgültig Reißaus und geht auf eine abenteuerliche Reise.

Storytelling

Die 12-jährige, behinderte Aviva will unbedingt ein Kind bekommen. Als sie tatsächlich von einem älteren Jungen schwanger wird, zwingen ihre Eltern sie dazu, das Baby abzutreiben. Nichtsdestoweniger ist Aviva nach wie vor zum Mutterdasein entschlossen, reißt von Zuhause aus und versucht ihr Glück allein, koste es, was es wolle.

Kritik zu Palindrome

Auch wenn ihm das große Publikum bislang versagt blieb und vermutlich auch mit seinem neuesten und zugleich extremsten Film, der auf den Festivals von Venedig und Toronto für Kontroversen sorgte, weiterhin versagt bleiben wird, ist Todd Solondz einer der schillerndsten, spannendsten und konsequentesten Filmemacher Amerikas. Nachdem sich der Regisseur zuletzt in seinem in Deutschland nur als Videopremiere veröffentlichten "Storytelling" mit gewohnt ätzendem Spott über das Kleinbürgertum und zugleich die mögliche Reaktion der Kritik, die ihn nach "Happiness" der Misanthropie bezichtigt hatte, lustig gemacht hatte, richtet er seinen Fokus nun auf den nicht nur in den USA höchst brisanten Themenkomplex Schwangerschaft und Abtreibung. Und nimmt in seinem heiligen Zorn einmal mehr keine Gefangenen.

Palindrome sind Wörter, die vorwärts und rückwärts geschrieben das Gleiche ergeben. So heißt seine Heldin Aviva, eine Zwölfjährige, die man getrost als schlimm bezeichnen darf: schlampig, grantig, maulfaul, renitent - und hinter der nach außen projizierten Fassade verzweifelt und unglücklich, wie alle Figuren in Solondz' filmischem Universum. In dem Begriff Palindrom findet sich auch der Schlüssel zur thematischen Umsetzung, denn für Solondz sind sowohl liberale als auch konservative Lebensansätze von vornherein zum Scheitern verurteilt - egal, von welcher Seite man es anpackt, am Ende kommt man zum gleichen Ergebnis.

Sofort erkennt man "Palindrome" als Todd-Solondz-Film: Die Kompositionen sind minimal; die Kamera bewegt sich nur, wenn es unbedingt nötig ist, die Einstellungen werden lange gehalten. Die Figuren sind ebenso bewegungslos. Oder besser: paralysiert von den Zwängen ihrer Existenz. Nachdem der Regisseur in der ersten Szene Dawn Wiener, seine tragische Hauptfigur aus "Willkommen im Tollhaus", das Zeitliche segnen lässt, entpuppt sich Aviva als quintessenzielle Solondz-Heroine. So allgemeingültig ist sie, dass die Macher die Chuzpe besaßen, Aviva von sieben Darstellerinnen spielen zu lassen, die einander nicht im Ansatz ähneln: vom kleinen weißen Mädchen über eine übergewichtige schwarze Teenagerin bis Jennifer Jason Leigh reicht die Palette, ein Everygirl im ureigentlichen Wortsinne. Weil sie gegen den Widerstand der liebenden liberalen Eltern als einzigen Lebenstraum verfolgt, geschwängert zu werden und ein Kind groß zu ziehen, büchst sie von Zuhause aus, um eine Wanderschaft anzutreten, die an klassische Märchen angelehnt ist und Aviva die Bekanntschaft mit White-Trash-Truckern, einer erzreligiösen Sektengemeinde und schließlich radikalen Abtreibungsgegnern machen lässt.

"Palindrome" ist eine bitterböser schwarze Komödie, die verzweifelteste und wütendste des Filmemachers bisher, angefüllt mit höhnischem Humor und niederträchtiger Verachtung, die sich sowohl gegen die sozialen Umstände als auch die Figuren selbst richten, die unfähig sind, sich aus ihren Umklammerungen zu befreien. Gleichzeitig ist es ein Film, der sein Thema soweit auf die Spitze treibt, dass der Zuschauer sich nicht mit einfachen Lösungen aus der Verantwortung stehlen kann. Wobei Solondz mit seiner atemlosen Radikalität ein großes Publikum von vornherein ausschließt. Schade eigentlich. ts.

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Info

Plakat des Films: Palindrome
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 14.04.2005

USA 2004

Länge: 1 h 40 min

Genre: Drama

Originaltitel: Palindromes

Regie: Todd Solondz

Drehbuch: Todd Solondz

Musik: Nathan Larson

Produktion: Derrick Tseng, Mike S. Ryan

Kostüme: Victoria Farrell

Kamera: Tom Richmond

Schnitt: Mollie Goldstein, Kevin Messman

Ausstattung: David Doernberg

Website: http://www.alamodefilm.de