Charmanter und humorvoller Beziehungsreigen um Lügen und unbequeme Wahrheiten von einem prominenten Ensemble gekonnt improvisiert.

Kinostart: 11.09.2014

Die Handlung von Lügen und andere Wahrheiten

Eine taffe Zahnärztin und ein finanziell klammer Immobilienmakler stehen kurz vor der Hochzeit. Die Freundin der Braut hat eine Affäre mit einem bei den Damen beliebten Yogalehrer, der seine dunklen Seiten geschickt verbirgt, die die russische Zahnarzthelferin für ihre Zwecke zu nutzen weiß. Jeder laviert sich mit Notlügen, Halbwahrheiten und Täuschungen durchs Leben, bis das Lügengebäude Risse bekommt und alle Farbe bekennen und sich neu aufstellen müssen.

Kritik zu Lügen und andere Wahrheiten

Semi-improvisierter Ensemblefilm über die Lust an der Lüge und die Last der alltäglichen Wahrheit

Wie schon bei ihrem Sehnsuchtsreigen "Komm näher" über das Suchen und Finden von Großstadtsingles hält Vanessa Jopp wenig von bis ins Detail ausformulierten Dialogen, im Gegenteil, es existierte zwar ein Drehbuch als Gerüst, allerdings ohne Dialoge. Die Schauspieler erwartete jeden Tag eine neue Überraschung, erfuhren sie doch erst am Set vom jeweiligen Ende ihrer Szenen. In denen kommen sich die handelnden Personen meistens nicht wirklich näher.

Der finanziell klamme Immobilienmakler Carlos und seine Verlobte Coco, eine dominante Zahnärztin, deren beste Freundin, die ihr die Affäre mit dem allseits beliebten Yoga-Lehrer verschweigt, der sich sanft gibt, aber seine Aggressionen kaum beherrschen kann und die aus Russland stammende Zahnarzthelferin, deren eigene Familie an ihr Geld will - sie alle lügen sich und andere in die Tasche aus ganz unterschiedlichen Gründen. So kann sich auch der Zuschauer mehr oder minder in jedem Protagonisten und seinen (Selbst)Täuschungen ein bisschen wiederfinden. Bis die nie wirklich unsympathischen Alltagshelden beginnen, über ihr Leben neu nachzudenken und versuchen, es in neue Bahnen zu lenken, gibt es beim Hindernisschaulaufen einige Umwege. Meret Becker, die schon bei "Komm näher" dabei war, spielt die taffe Medizinerin, die kurz vor der Hochzeit merkt, dass ihre Vorstellung von Glück auf tönernen Füßen ruht, während der zukünftige Gatte (Thomas Heinze)sich vor lauter Angst in ein Lügengebäude verkriecht. Überzeugend ist Florian David Fitz, der auf der Yogamatte seine dunklen Seiten hinter meditativer Fassade verbirgt.

Die mit den Schauspielern erarbeiteten Figurenkonstellationen und Improvisationen sowie die von Drehbuchautor Stefan Schneider entwickelten Plots von Menschen, die sich in ihrer grundlegenden Verunsicherung ins Abseits manövrieren, sind weitgehend in sich schlüssig, auch wenn, wie beim Bäumchen-wechsel-dich-Spiel sich der Fokus schnell ändert und die Figuren gerade in dem Moment auseinanderdriften, in dem man neugierig geworden gerne mehr von ihnen erfahren hätte. Dem Ad-hoc-Weiterspinnen von Handlungsfäden mag es an durchgehender Klarheit und Stringenz fehlen, aber keines falls an Charme und Humor. mk.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 11.09.2014

Deutschland 2014

Länge: 1 h 46 min

Genre: Komödie

Originaltitel: Lügen und andere Wahrheiten

Regie: Vanessa Jopp

Drehbuch: Stefan Schneider, Vanessa Jopp

Musik: Loy Wesselburg

Produktion: Janine Jackowski, Jonas Dornbach

Kostüme: Astrid Karras

Kamera: Henner Besuch

Schnitt: Brigitta Tauchner

Ausstattung: Thomas Stark, Felicity Good

Website: http://luegenundanderewahrheiten.de