Sensibles Porträt des umstrittenen, aber wegweisenden Sexualforschers Alfred C. Kinsey.

Kinostart: 24.03.2005

Liam Neeson

Liam Neeson
als Alfred Kinsey

Laura Linney

Laura Linney
als Clara McMillen

Chris O'Donnell

Chris O'Donnell
als Wardell Pomeroy

Peter Sarsgaard
als Clyde Martin

Timothy Hutton
als Timothy Hutton

John Lithgow
als Alfred Seguine Kinsey

Tim Curry
als Thurman Rice

Oliver Platt
als Herman Wells

Dylan Baker
als Alan Greg

Julianne Nicholson
als Alice Martin

William Sadler
als Kenneth Brown

Heather Goldenhersh
als Martha Pomeroy

John McMartin
als Huntington Hartford

Veronica Cartwright
als Sara Kinsey

Lynn Redgrave

Kathleen Chalfant
als Barbara Merkle

Dagmara Dominczyk
als Agnes Gebhard

Die Handlung von Kinsey

Aufgewachsen in der beklemmenden Obhut eines bigotten Predigervaters (John Lithgow), macht Zoologe Alfred Kinsey (Liam Neeson) von der biologischen Fakultät in Indiana in den späten 40ern spätestens während der Hochzeitsnacht die Entdeckung, dass es mit der amerikanischen Sexualaufklärung nicht zum besten steht. Gemeinsam mit ein paar interessierten Kollegen, ermutigt von seiner freizügigen Frau (Laura Linney) und ausgestattet mit dem Segen des Dekans (Oliver Platt) macht er sich auf, in tausenden von Interviews alles Wissenswerte über die moderne Libido zusammenzutragen. Amerikas Konservative sind nicht begeistert.

Und das nicht nur gestern. Bill Condons durchaus zurückgenommenes, von überragenden Darstellerleistungen getragenes Portrait des amerikanischen Sexualrevolutionärs und Propagandisten der freien Liebe erregte die Gemüter in Bush-Country kaum weniger als Nipplegate.

Als Kind leidet Alfred C. Kinsey unter seinem bigotten, freudlosen Vater. Als Erwachsener befreit er sich, entdeckt als akademische Koryphäe in Insektenkunde ein neues Forschungsgebiet und wird mit einer Studie zum sexuellen Verhalten des Mannes weltberühmt. Doch dann erhebt sich das konservative Lager gegen ihn, muss er sein Plädoyer für die freie Liebe mit Beziehungschaos und Ehekrise bezahlen.

Probleme beim ersten Geschlechtsverkehr führen die Kinseys zum Arzt, der ihnen erklärt, dass solche Schwierigkeiten nicht ungewöhnlich seien - nur würde darüber nicht laut geredet. Kinsey kommt ins Grübeln, bietet fortan Eheberatungskurse an und entwickelt einen dicken Interviewkatalog, um Informationen über das Beischlafverhalten der Amerikaner zu sammeln. Finanziert von der Rockefeller-Stiftung, bereist der Wissenschaftler die USA, stellt 18.000 Akten über sexuelle Verhaltensweisen zusammen, die schließlich in Buchform erscheinen.

Kritik zu Kinsey

Obwohl oder vielleicht gerade weil "Das sexuelle Verhalten des Mannes" sich häufig auf eine Minutenaffäre reduziert, war es Alfred C. Kinsey die gleichnamige Marathon-Studie wert. Sie und vor allem der Pionier, der sie im repressiven Klima der Vierzigerjahre veröffentlichte, stehen im Mittelpunkt eines Films, der sensibel und mutig den Weg eines nicht unumstrittenen Wissenschaftlers nachzeichnet. Kinsey öffnete Amerika und dem verklemmten Rest der Welt die Augen, war Wegbereiter der sexuellen Revolution und bietet auch im neuen Jahrtausend Reizthemen genug, um nach dem Kinobesuch zu diskutieren, ob seit Kinseys Studie wirklich über 50 Jahre vergangen sind oder die Zeit in mancher Hinsicht stehen geblieben ist.

Obwohl der neue Film von Bill Condon wie sein Vorgänger "Gods and Monsters" mit einem kleinen Budget unter dem Event-Radar Hollywoods blieb, erregte er bereits Aufmerksamkeit, wurde für drei Golden Globes nominiert, darunter auch als Bestes Drama. Ebenfalls vorgeschlagen wurden Liam Neeson und Laura Linney, die als Alfred und Clara Kinsey die Inkompatibilität von Verstand und Gefühl deutlich machen. Das schlägt sich vor allem im Konzept der freien Liebe nieder, das als Befreiung von Zwängen eine theoretische Sehnsucht ist, in der Praxis aber an emotionalen Empfindlichkeiten scheitert. Das gilt für Kinseys Ehe wie auch für die Beziehungen seiner Mitarbeiter. Diese Unvereinbarkeit ist genauso Teil der menschlichen Natur wie das Lustempfinden selbst, formuliert der Film eine seiner Thesen, ist dabei aber nicht akademisch-spröde, sondern zeigt oft auch Humor.

Kinseys Interviewstrategie, die mit einem ausgefeilten Fragenkatalog sexuelles Verhalten wertfrei durchleuchtete, von den biographischen Hintergründen bis hin zu den Details der Ausübung, integriert Condon in sein Drehbuch. Der Forscher selbst wird Gegenstand der Untersuchung, womit der Zuschauer die prägenden Ereignisse seines Lebens kennen lernt. Die Kindheit unter einem bigotten Vater. Die frühen sexuellen Wünsche, die verdrängt oder bei Auslebung mit Selbstvorwürfen bestraft wurden. Die Abnabelung durch berufliche Neuorientierung. Die akademische Karriere als Zoologe, der spät in der menschlichen Natur ein weitaus bedeutenderes, von der Wissenschaft total vernachlässigtes Forschungsgebiet entdeckte. Die Ehe mit Clara McMillen, eine Affäre mit Mitarbeiter Clyde Martin (Peter Sarsgaard), mit dem später auch seine Frau experimentierte. Das Beziehungschaos im Kinsey-Umfeld, das die freie Liebe anrichtete. Die überraschend positive Reaktion über den ersten Kinsey-Report und der vernichtende konservative Konter, als Kinsey Amerika auch die Frau als sexuelles Wesen mit eigenen Wünschen vorstellt. Das alles ist Gegenstand einer Biographie, die sich nicht frecher gibt, als es die Zeit, in der sie spielt, oder auch die Kontrollinstanz der MPAA erlaubt.

Mit guten Dialogen sorgt Condon für verbale Eleganz, mit dosiertem Humor für Entspannung, mit Einfallsreichtum für Auswege aus einem beschränkten Budget (ein Highlight: die mit Köpfen übersäte "sprechende" Landkarte). Die kontroversen Aspekte von Kinseys Untersuchung, die etwa im Dienst der Wissenschaft auch Extremfälle wie Pädophilie einbezog, werden teilweise angesprochen, aber nicht vertieft. Condon geht es um Versöhnung mit einem oft missverstandenem Pionier, nicht um Diskussion seiner wissenschaftlichen Fragwürdigkeiten. Am Ende lässt er in einem "Vertigo"-Zitat (selbst ein Film über eine sexuelle Normabweichung) Kinseys Frau hinter mächtigen Sequoias verschwinden. Die Natur definiert und dominiert den Menschen, nicht umgekehrt. Ein schöneres Bild lässt sich für ein solches Fazit nicht finden. kob.

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Info

Plakat des Films: Kinsey
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 24.03.2005

USA 2004

Länge: 1 h 59 min

Genre: Drama

Originaltitel: Kinsey

Regie: Bill Condon

Drehbuch: Bill Condon

Musik: Carter Burwell

Produktion: Gail Mutrux

Kostüme: Bruce Finlayson

Kamera: Frederick Elmes

Schnitt: Virginia Katz

Ausstattung: Richard Sherman, Nicholas Lundy

Website: http://www.kinsey-derfilm.de/