Kinostart: 13.09.2018

Handlung

Die Geschichte des jungen Landarbeiters Lazzaro, der so gut, hilfsbereit und arglos ist, dass er nicht in diese Welt zu gehören scheint. Als ihm Tancredi, der Sohn der skrupellosen Marchesa Alfonsina de Luna, aus einer Laune heraus die Freundschaft anbietet, verändert das Lazzaros Leben - und trägt ihn wundersam durch die Zeiten, wie ein Fragment der Vergangenheit in der modernen Welt.

Kritik

In eine wundersame, hermetisch abgeschlossene Welt entführt Alice Rohrwacher den Zuschauer in ihrem dritten Film, dem Cannes-Wettbewerbsbeitrag "Glücklich wie Lazzaro", unter anderem besetzt mit ihrer Schwester Alba Rohrwacher in einer der Hauptrollen.

Die Geschichte basiert auf dem wahren Fall einer Gräfin, die ihre Angestellten auf ihrer Tabakplantage noch in den Achtzigerjahren aufgrund der von der Außenwelt komplett abgeschnittenen Lage wie Sklaven hielt, ohne Bezahlung, ohne Rechte, ohne Kontakte über ihre kleine Kommune hinaus. Was für die italienische Filmemacherin aber erst einmal der Ausgangspunkt für eine märchenhafte Zwischenwelt ist, in der Zeit keine Rolle zu spielen scheint, wahrlich ein "Land der Wunder", um mit dem Titel von Rohrwachers Vorgänger zu sprechen, der 2014 in Cannes mit dem Großen Preis der Jury geehrt wurde. Langsam lässt der Film sein Publikum ein Gefühl für das Leben dort bekommen, wo niemand Geld hat und selbst eine Glühbirne ein Luxusobjekt ist.

Lazzaro ist ein junger Mann in dieser sonderlichen Gemeinde wie aus einem Film der Tavianis, der von den Ausgebeuteten ausgebeutet wird, weil er keine eigenen Bedürfnisse kennt und ohne Klage oder erkennbare Müdigkeit das macht, was andere ihm auftragen, eine durch und durch unschuldige Seele. Er ist ein Heiliger wie auch der ultimative Esel Balthasar, dessen Güte nach Belieben ausgenützt wird. Besonders vom albinoblonden Sohn der Gräfin, der seine Langeweile damit stillt, Lazzaro absurde Aufträge zu geben. Bis ein Unfall passiert und kurz darauf das verbrecherische System der Gräfin aufgedeckt, die Arbeiter befreit und in die reale Welt entlassen werden, zu der sie keinerlei Bezug haben. Hat man sich bis dahin an diese Existenz gewöhnt, die so ganz eins ist mit der Natur und ihren kuriosen Gesetzen, wird man nun mit einer erzählerischen Volte, die nicht verraten werden soll, aber sich bibelfesten Zuschauern zumindest ungefähr anhand des Filmtitels erschließen könnte, in die Gegenwart geschleudert, wo sich Lazzaro in der Stadt auf die Suche nach dem Sohn der Gräfin begibt. Rohrwacher nutzt dieses Szenario, um en passant kluge Betrachtungen zur aktuellen politischen Lage in Italien anzudeuten, aber auch um die himmlische Mission ihres Films zu ihrem logischen Ende zu führen. "Glücklich wie Lazzaro" ist ein ebenso faszinierender wie frustrierender Film, weil er zwar voll und ganz in seine Welt eintaucht, aber sein Publikum auch zwingt, sich mit Figuren zu identifizieren, deren Weltfremdheit man ihnen nur schwer abkaufen will. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 13.09.2018

Italien/Deutschland 2018

Länge: 2 h 8 min

Genre: Drama

Originaltitel: Lazzaro Felice

Regie: Alice Rohrwacher

Drehbuch: Alice Rohrwacher

Produktion: Carlo Cresto-Dina, Gregory Gajos, Tiziana Soudani, Michael Weber

Kostüme: Loredana Buscemi

Kamera: Hélène Louvart

Schnitt: Nelly Quettier

Ausstattung: Emita Frigato

Website: http://www.lazzaro-film.de

Auszeichnungen

1 x Cannes:

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