Exzentrische Dramödie über eine Familie von ehemaligen Wunderkindern und den entfremdeten Vater, der sich mit ihnen versöhnen will.

Kinostart: 14.03.2002

Gene Hackman

Gene Hackman
als Royal Tenenbaum

Anjelica Huston

Anjelica Huston
als Etheline Tenenbaum

Ben Stiller

Ben Stiller
als Chas Tenenbaum

Gwyneth Paltrow
als Margot Tenenbaum

Luke Wilson
als Richie Tenenbaum

Owen Wilson
als Eli Cash

Bill Murray
als Raleigh St. Clair

Danny Glover
als Henry Sherman

Seymour Cassel
als Dusty

Kumar Pallana
als Pagoda

Alec Baldwin
als Erz

Grant Rosenmeyer
als Ari Tenenbaum

Jonah Meyerson Dudley
als Uzi Tenenbaum

Aram Aslanian-Perisco
als junger Chas

Irene Gorovaia
als junge Margot

Amedeo Turturro
als junger Richie

Stephen Lea Sheppard
als Dudley Heinsbergen

James Fitzgerald
als junger Eli Cash

Larry Pine
als Peter Bradley

Handlung

Das ist doch tröstlich: Auch Genies haben dieselben Alltagssorgen wie Du und ich. Bei den Tenenbaums, einem wirklich skurrilen Familienclan, tritt beides gehäuft auf: Alle Kinder haben ungewöhnliche Talente und zutiefst menschliche Probleme. Patriarch Royal Tenenbaum kehrt nach Jahren auf dem Ego-Trip in den Schoß der Familie zurück und findet eben keine Genies vor, sondern ausgesprochen exzentrische Zeitgenossen. Neben Gene Hackman als Royal glänzen in Wes Andersons brillanter Ensemble-Komödie u.a. Anjelica Huston, Ben Stiller, Gwyneth Paltrow und Bill Murray.

Royal Tenenbaum liebte sich mehr als jeden anderen. Als er nach Jahren wieder mit seiner Familie zusammenleben will, weil ihm Krebs nur noch wenig Zeit lässt, offenbart sich ihm das ganze Desaster seiner Verantwortungsflucht. Denn seine Frau will die Scheidung und seine Kinder brechen unter dem Druck, das Versprechen früher Genialität nicht eingehalten zu haben.

Als Lebemann und Egoist Royal Tenenbaum das Geld ausgeht, muss er eine tödliche Krankheit simulieren, um erneut bei seiner Frau Ethel einziehen zu dürfen. Dort sind nach langer Zeit auch alle Kinder wieder einmal vereint. Aus den einstmals hochbegabten Wunderkindern sind gescheiterte Existenzen mit den absurdesten Verhaltensstörungen geworden. Das ehemalige Finanzgenie Chas ist vor Angst fast paralysiert, das Tenniswunder Richie flieht andauernd rund um die Welt, und die begabte Schriftstellerin Margot verbringt ihr Tage rauchend im Bad...

Aus den einstmals hochbegabten Tenenbaum-Wunderkindern sind gescheiterte Existenzen mit den absurdesten Verhaltensstörungen geworden. Gerade als sie alle in das Haus ihrer Mutter Ethel zurückkehren, findet sich auch ihr Vater Royal wieder dort ein: Royal ist pleite und simuliert eine tödliche Krankheit, um von Ethel aufgenommen zu werden. Wes Anderson ("Rushmore") gelingt ein meisterhafter Spagat zwischen ergreifendem Drama und hintersinniger Komödie.

Kritik

Der Glanz des Hauses Tenenbaum ist verblasst, seit die drei genialen Kinder vom Leben in die Normalität zurückgestoßen wurden und nun enttäuscht über nicht eingehaltene große Erwartungen in einem Zustand stiller Isolation und seelischer Erstarrung verharren. Wie man aus dieser frustrierenden Selbstwahrnehmung kollektiven Versagens ein sanftes und charmant verrücktes Familiendrama machen kann, das trotz ernsthafter Beobachtungen zwischenmenschlicher und psychologischer Dynamik mit lakonischem Witz brilliert, zeigt dieser Film, der wie seine Protagonisten jede Umarmung verdient.

Die Tradition dieser exzentrischen Dramödie ist literarisch. Es gibt einen personalen Erzähler, eine Strukturierung in Kapitel, einen thematischen Faden (Versagen und Vergeben) und schillernde Charaktere, die die Aufmerksamkeit trotz der zentralen Position des Patriarchen Royal (Gene Hackman) auf mehrere Personen verteilen. Hackmans Figur, gelebte Verantwortungslosigkeit und Egoist im Ruhestand, ist die treibende Kraft der Handlung. Denn er verließ zwei Söhne, Adoptivtochter und Frau (Anjelica Huston) früh und bemüht sich nun spät um Versöhnung und Eingliederung in eine Familie, zu der er in seinen Augen nie wirklich gehörte. Weil er bei seinem Comebackversuch nicht mit großer Euphorie rechnen kann, simuliert er den Todkranken und zieht in das alte Heim, wo Ehefrau Ethel mittlerweile alle Kinder wieder um sich geschart hat. Was sich dem lebenslustigen Schlitzohr dann präsentiert, sind gequälte Existenzen, die gestern brillierten, aber heute stagnieren. Finanzgenie Chas verachtet seinen Vater und ist gerade dabei, seine jungen Söhne zu verängstigten Früherwachsenen zu machen. Bruder Richie leidet unter seinem Einbruch als Tennischamp (verlor gegen Court-Legende Gandhi!) und seiner unerfüllten Liebe zu Adoptivschwester und Ex-Starliteratin Margot (Gwyneth Paltrow), die nach zahlreichen Affären mit Männern und Frauen schließlich ehelich bei Bill Murray landete, was vielleicht zwingend erklärt, warum sie ihr restliches Leben im Schutz ihres Badezimmers verbringen will. So exzentrisch diese Figuren mit ihren Ticks auch wirken, hat ihr Verhaltensknick doch einen ernsten Kern. Die größte Leistung von Regisseur Wes Anderson, der wie schon bei "Rushmore" mit Akteur Owen Wilson das Drehbuch schrieb, ist das Einhalten einer harmonischen Balance zwischen verspielt und ernsthaft, komisch und tragisch. Immerhin gibt es in "The Royal Tenenbaums" einen Selbstmordversuch, den Tod und die Unmöglichkeit einer Liebe, einen abgehackten Finger, Drogensucht und die frustrierende Erkenntnis, dass ein chronischer Trauerkloß wie Paltrows Margot selbst bei engagierten lesbischen Französinnen kein Glück finden kann. Man versteht das Leid dieser Figuren, aber man leidet nicht - darin besteht wohl das Geheimnis dieses prominent besetzten Films, der seine Versöhnung mit dem Leben in einen märchenhaften Raum platziert, in dem New York mit falschen Straßennamen und anderen Realitätsverzerrungen konsequent eingepasst ist. Sowohl im Sentiment als auch seiner Komik ist Andersons Film ein Triumph in Understatement, der vielleicht nicht massentauglich ist, aber ohne Plakatives viel stärker nachwirkt. Unvergesslich, wie Chas ungerührt Zeitung liest, als Hackman von seinem Krebs erzählt, Paltrow nach ihrer echten Familie sucht und Zivilisationsadel Marke "Deliverance" vorfindet, wie Richie mit seinem Stirnband stets die Vergangenheit im Gesicht trägt oder Hackman mit dem umwerfenden Hausdiener Pagoda Cocktails im Schrank einnimmt. "The Royal Tenenbaums", Wettbewerbsbeitrag auf der Berlinale, ist Kino gepflegter Ausgefallenheit, wirkt versponnen, doch sichtbar von klaren, klugen Köpfen kreiert. kob.

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Info

Plakat des Films: Die Royal Tenenbaums
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 14.03.2002

USA 2001

Länge: 1 h 50 min

Genre: Komödie

Originaltitel: The Royal Tenenbaums

Regie: Wes Anderson

Drehbuch: Owen Wilson, Wes Anderson

Musik: Mark Mothersbaugh

Produktion: Owen Wilson, Scott Rudin, Barry Mendel, Wes Anderson

Kostüme: Karen Patch

Kamera: Robert Yeoman

Schnitt: Dylan Tichenor

Ausstattung: David Wasco, Carl Sprague

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