Satirisch-kritischer Episodenfilm mit sieben "Doku-Features", die sieben Deutsche zeigen, die versuchen, die Welt zu verbessern.

Kinostart: 11.08.2005

Andreas Nickl

Andreas Nickl
als Rolf Tiede

Peer Martiny
als Bernd Kusminksi

Katja Rosin
als Hanka Novak

Patrick Güldenberg
als Tim Hiller

Dabe Paschke
als Mike Pleschke

Thomas Schmieder
als Marko Krewitz

Astrid Rashed
als Katja Kusminski

Peter Berning
als Experte Johannes Schleede

Bernhard Marsch
als Manfred Klingenberg

Christoph Bach
als G

Friedericke Koch
als Kursteilnehmerin

Jan Schütte
als Martin Bobiak

Wolfgang Kaven
als Seminarleiter

Vera Teltz
als Silke Rensing

Torsten Schlosser
als Peter Novak

Cornelius Schwalm
als Holger Gerster

Heike Ostendorp
als Verk

Luise Bähr
als Proband

Harald Schrott
als Friedrich Kr

Max Mauff
als David Kr

Christoph Jungmann
als Friseur

Claudia Geisler-Bading
als Renate Werlow

Rüdiger Klink
als Ralf P

Jakob Hüfner
als Dr. Markus K

Ulrike Molsen

Handlung

Die Selbsthilfegruppe Ampel e.V. geht neue Wege bei der Stau-Entzerrung und begreift die Autoschlange als "einheitlichen Organismus". Mehr Ästhetik in den Verkehrsalltag dürfte nach Ansicht anderer das farblich abgestimmte Parken bringen. Vier Millionen Einzelkinder in unserem Lande könnten vier Millionen Arbeitslose weniger bedeuten, wenn man letztere als Leihgeschwister an erstere vermietet. Außerdem könnte Geld mit begrenzter Haltbarkeit den Konsum ankurbeln.

Diese und andere kaum minder bestechende Weltverbesserungsmaßnahmen sind im programmatisch betitelten Kinoexperiment zu finden, das aus dem Berliner Filmkünstlerprojekt Datenstrudel in Kooperation mit dem "Jetzt"-Magazin der SZ hervorgegangen ist.

"Leihgeschwisterprogramm": Arbeitslose sollen die fehlenden Geschwister von Einzelkindern ersetzen. - "Ampel e.V." Staus sollen verhindert werden, indem Autors an Ampeln im gleichen Moment anfahren. -"Neue Energie" - durch langsamere Bewegungen. - "Outdoorbüro": Aus Sparmaßnahmen wird nachts auf der Straße gearbeitet. - "Aktion 1,90 m": Kampf der Ungerechtigkeit, indem alle Menschen gleich groß sind. - "Sorbischer Euro": Geld mit Haltbarkeitsdatum soll den Osten retten.

Acht Episoden erzählen vom Willen einzelner Bürger, aus dem Alltagstrott auszubrechen. Etwa der vom Stau entnervte Pizzabote, der im Verein lernt, Autoschlangen als lebendige Organismen zu begreifen. Oder der Arbeitslose Martin, bei dem im "Leihbruderprogramm" neben einem kleinen Einzelkind die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Nicht zu vergessen Friedrich, der das ultimative Opfer bringt und die Blinddarmoperation seines Sohnes vom selbst gegründeten Do-It-Yourself-Ärzteteam durchführen lässt.

Kritik

Eine Rezeptsammlung gegen den hierzulande vorherrschenden Pessimismus präsentieren Jörn Hintzer und Jakob Hüfner in ihrer augenzwinkernden und schrägen Sozialsatire "Weltverbesserungsmaßnahmen". In acht Episoden sehen sich rechtschaffene Bürger für den Aufschwung des Landes selbst verantwortlich, nehmen diesen in Angriff und machen so vor, dass mit etwas Eigeninitiative durchaus ein kleiner Schritt in Richtung Zukunft getan werden kann. Knochenharte, zupackende und aberwitzige Basisarbeit, filmisch wie inhaltlich.

Deutschland einig Jammertal. Dagegen muss was unternommen werden. Nicht dasitzen und auf Besserung warten, sondern selbst aktiv werden. Sich nicht von Andorfer, de Mol und Co. das Unterhaltungsprogramm diktieren lassen, sondern selbst Fernsehen machen. Das dachten sich die Berliner Künstler Jörn Hintzer und Jakob Hüfner und gründeten Ende 2000 das digitale Produktionsprojekt "Datenstrudel", das als Ideenpool für Medienkünstler fungierte und einmal monatlich Live gestreamte Shows mit aktionistischem Charakter sendete. Mittlerweile hat sich das Unterfangen zu einer lebendigen Plattform entwickelt, auf der auch Musikvideos und Fotoarbeiten ihre Heimat finden. Bald nach dessen Gründung kristallisierte sich die Idee zu einem abendfüllenden Film heraus. Dieser erlebte nun unter dem Titel "Weltverbesserungsmaßnahmen" auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere - auf Digi-Material mit Niedrigst-Budget sowie größtenteils professionell ausgebildeten Schauspielern realisiert. Acht verschieden starke Episoden erzählen vom Willen Weniger, aus dem Trott auszubrechen, denn es muss ja "ma uffjeräumt werden", wie der vom Stau entnervte Pizzabote des Segments "Ampel e.V." feststellt. Und deshalb im Verein zu lernen versucht, Autoschlangen als lebendigen, sich im Gleichklang bewegenden Organismus zu begreifen. Oder der schwer vermittelbare Arbeitslose Martin (Jan Schütte), der im "Leihbruderprogramm" an der Seite eines kleinen Einzelkinds die Grenzen zwischen Realität und Fiktion aus den Augen verliert. Nicht zu vergessen Friedrich (Harald Schrott), Initiator der Aktion "Aktive Krankenversicherung", der das ultimative Opfer bringt und die Blinddarmoperation seines Sohnes vom selbstgegründeten Do-It-Yourself-Ärzteteam durchführen lässt.

Mit Wackelkamera und Dogma-Mentalität, mal bitterböse, mal herrlich naiv geben sich die vom Autoren- und Regieteam nach eigenen Ideen gedrehten Anarcho-Vignetten. Die sind beileibe nicht immer neu - Parallelen zu Marcus Mittermeiers "Muxmäuschenstill" können durchaus gezogen werden-, überraschen dennoch durch ihre teils verquere, teils beinahe überzeugende, stets ganz "eigene" Logik. Ein Hauch frischer Wind im deutschen Film? Vielleicht, ein idealistisches, frech und selbstbewusst umgesetztes Werk auf alle Fälle. geh.

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Info

Plakat des Films: Weltverbesserungsmaßnahmen
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 11.08.2005

Deutschland 2005

Länge: 1 h 31 min

Genre: Drama

Originaltitel: Weltverbesserungsmaßnahmen

Regie: Jakob Hüfner, Jörn Hintzer

Kostüme: Sabine Böbbis, Lisa Schotte, Anne Reinsch

Kamera: Volker Mai, Daniela Knapp, Jörg Pfeiffer, Matthias Schellenberg, Aleksandar Kerkovic, Volker Gehrling

Schnitt: Dan Loghin, Carolin Ernstling, Andrea Hübers, Vanessa Rossi

Website: http://www.weltverbesserungsmassnahmen.de/