Ein in schwarz-weiß gedrehtes Märchen über eine unmögliche Liebe in Afrika, das den Bogen bis ins moderne Lissabon zieht. Nostalgie trifft skurrilen Slapstick.

Kinostart: 20.12.2012

Teresa Madruga
als Pilar

Laura Soveral
als Aurora, alt

Ana Moreira
als Aurora, jung

Carloto Cotta
als Ventura, jung

Henrique Espirito Santo
als Ventura, alt

Isabel Cardoso
als Santa

Ivo Müller
als Auroras Ehemann

Manuel Mesquita
als M

Die Handlung von Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld

Aurora, eine leicht verwirrte ältere Dame nervt ihre Umgebung im heutigen Lissabon. Auf dem Sterbebett verlangt sie nach einem Fremden namens Gianluca, den sie noch einmal sehen möchte. Ihre hilfsbereite Nachbarin Pilar sucht und findet ihn. Doch er kommt zu spät und beginnt nach Auroras Beerdigung von einer dramatischen und verbotenen Liebe in Kolonialafrika zu erzählen zwischen einer jungen verheirateten Portugiesin und einem draufgängerischen Musiker, die in einer Tragödie endet.

Kritik zu Tabu - Eine Geschichte von Liebe und Schuld

Ein in schwarz-weiß gedrehtes Märchen über eine unmögliche Liebe in Afrika, das den Bogen bis ins moderne Lissabon zieht.

Miguel Gomes' Liebesdrama war wohl der ungewöhnlichste Film im Berlinale-Wettbewerb, auch wenn die ersten 20 Minuten Geduld erforderten. Wer dachte, da würde einer im Fahrwasser von "The Artist" schwimmen wollen, wurde eines Besseren belehrt. Der frühere portugiesische Filmkritiker stellt die Geschichte auf den Kopf. Nach Präliminarien mit einer Art Prozession durch den Urwald an deren Ende jemand im Rachen eines Krokodils landet, beginnt das Kapitel "A lost Paradise" mit einer scheinbar verwirrten älteren Dame namens Aurora, die um das Neujahrsfest herum ihre Umgebung in Lissabon nervt, vor allem ihre kapverdische Haushälterin, die sie für eine schwarze Hexe hält und beschimpft. Die Nachbarin kümmert sich aufopferungsvoll um sie und sucht den fremden Mann, Gianluca Ventura, den die Sterbende noch einmal sehen möchte. Zu spät.

Mit dem Satz aus dem Off "Aurora wuchs in Afrika auf" beginnt ein neues von Gianluca erzähltes Kapitel genannt "Paradise" und führt direkt nach Afrika in eine Epoche Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre. Die junge Aurora (Ana Moreira) lebt glücklich mit ihrem Ehemann bis eben jener Gianluca (Carloto Cotta) auftaucht, ein schnittiger Don Juan und Musiker, und ihr Herz in Sturm gewinnt. Das heimliche Verhältnis nicht zwischen Schwarz und Weiß, sondern zwischen zwei Menschen gefangen in den Konventionen der weißen Kolonie, strahlt Nostalgie aus, setzt nicht auf Worte, sondern auf eine aufregende Tonspur mit Vogelzwitschern, Wassergeräuschen oder Grillengezirpe, die eine unbekannte Welt sinnlich erfahrbar macht. Die Amour fou im Schatten des Kilimandscharo - der Berg heißt im Film Tabu - zwischen sittsamer Ehefrau und sittenlosem Schlagzeuger mündet in einer Tragödie. Die Erinnerungen an ein Kolonialafrika mit seinen Brüchen vermittelt sich ohne Dialoge und nur mit dem Voiceover des Erzählers. Die zarte Poesie berührt, das souveräne Spiel mit filmischen Mitteln fasziniert. Und die Brieftexte der Liebenden mit blutendem Herzen sind so schön, dass man sich gerne dem ungewohnten Kitschbad hingibt. Dass der leidenschaftlich-melancholische Film sich des Titels von Friedrich Wilhelm Murnaus Geschichte einer verbotenen Liebe in der Südsee bedient, ist wohl kein Zufall. mk.

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Info

Kinostart: 20.12.2012

Brasilien/Deutschland/Frankreich/Portugal 2012

Länge: 1 h 58 min

Genre: Drama

Originaltitel: Tabu

Regie: Miguel Gomes

Drehbuch: Mariana Ricardo, Miguel Gomes

Musik: Joana Sá

Produktion: Luis Urbano, Luis Urbano, Sandro Aguilar

Kostüme: Silvia Grabowski

Kamera: Rui Poças

Schnitt: Miguel Gomes, Telmo Churro

Ausstattung: Bruno Duarte

Website: http://www.realfictionfilme.de/filme/tabu