Historisches Drama, in dem sich ein 16-jähriger Schüler zunächst vom Nazi-Regime verführen lässt und dann an einem Eliteinternat Zweifel am System entwickelt.

Kinostart: 06.07.2017

Max Riemelt

Max Riemelt
als Friedrich Weimer

Tom Schilling

Tom Schilling
als Albrecht Stein

Devid Striesow

Devid Striesow
als Heinrich Vogler

Joachim Bißmeier
als Dr. Karl Klein

Justus von Dohnányi
als Gauleiter Heinrich Stein

Michael Schenk
als Josef Peiner

Florian Stetter
als Justus von Jaucher

Alexander Held
als Friedrichs Vater

Sissy Höfferer
als Friedrichs Mutter

Jonas Jägermeyr
als Christoph Schneider

Leon Alexander Kersten
als Tjaden

Thomas Drechsel
als Hefe

Martin Goeres
als Siegfried Gladen

Claudia Michelsen
als Frau Stein/ Albrechts Mutter

Julie Engelbrecht
als Kathar

Johannes Zirner
als Torben Send

Jakob Semotan
als Jungmann 1

Michael Gerber
als Biologielehrer

Wolfgang Pregler
als Weltanschauungslehrer

Michael Lerchenberg
als Lateinlehrer

Max Dombrowka
als Fritz Weimer

Die Handlung von Napola - Elite für den Führer

Im Kriegswendejahr 1942 beschließt der 16-jährige Friedrich (Max Riemelt), sehr zum Entsetzen seiner kritisch denkenden Eltern, zum Zwecke der persönlichen Reife eine nationalsozialistische Elitebildungsanstalt zu besuchen. Zunächst ist Friedrich begeistert von der Aufbruchstimmung und den dort gebotenen Möglichkeiten. Als er allerdings den sensiblen Albrecht (Tom Schilling) und dessen ebenso analytische wie pazifistische Denkweise kennen lernt, keimen Zweifel an des Führers Herrlichkeit.

Die Welle der deutschen Geschichtsfilme rollt weiter, wenn nach Oliver Hirschbiegels "Untergang" nun "Mädchen, Mädchen"-Kreativleiter Dennis Gansel den mehr oder minder angepassten Teenagern unterm Hakenkreuz nachspürt.

Deutschland im Jahr 1942: Gegen den Willen seiner Eltern beschließt der 16-jährige Friedrich, sich an einem Nazi-Elite-Internat anzumelden. Zunächst begeistert von den sich bietenden Lernmöglichkeiten, freundet er sich mit seinem sensiblen Mitschüler Albrecht an. Unter dessen Einfluss keimen langsam auch in Friedrich immer mehr Zweifel am System auf.

1942 nimmt man den 17-jährigen Arbeitersohn Friedrich wegen seines Boxtalents in die nationalpolitischen Erziehungsanstalt Allenstein auf. Anfangs lässt sich das Internatsleben auch gut an. Friedrich findet im feinfühligen Gauleitersohn Albrecht einen Freund und erhält von seinen "echten deutschen" Kameraden Anerkennung für seine Box-Leistungen. Doch ein blutiger Einsatz gegen flüchtige Kriegsgefangene, sadistische Lehrmethoden sowie ein schrecklicher Selbstmord lassen Friedrich schon bald am Sinn der Ausbildung zweifeln.

Kritik zu Napola - Elite für den Führer

Das Warten hat sich gelohnt: Nach der Fingerübung in leichter Komödie "Mädchen, Mädchen" (2000) gelingt Dennis Gansel mit seinem zweiten Kinofilm ein Schwergewicht von Drama. Den rauen Alltag in einer Eliteschule der Nazis um 1942 schildert er in bewegenden, schockierenden auch amüsanten Momenten, die sich ins Gedächtnis graben.

Ihm gelingt dabei die Gratwanderung, das Publikum zu unterhalten, aber auch dem Ernst des Themas und der Psychologie der Figuren gerecht zu werden. Anders als die auf historischen Persönlichkeiten beruhenden, aktuellen Filme über den Nationalsozialismus "Der Untergang", "Der neunte Tag" und "Sophie Scholl - Die letzten Tage" erzählt Gansel die fiktive Geschichte zweier scheinbar gegensätzlicher, befreundeter Schüler. Allerdings ließ er sich dazu von den Erfahrungen seines Großvaters inspirieren, der Ausbilder an einer Reichskriegsschule war. Zwei Jahre tüftelte er mit Koautorin Maggie Peren am Drehbuch, das 2003 mit dem Deutschen Filmpreis ausgezeichnet wurde, und drehte einen Film, der gleich in mehreren Kategorien preiswürdig ist.

Der eine Schüler, der blonde, hochaufgeschossene Friedrich (Max Riemelt wurde für seine Performance in Karlovy Vary ausgezeichnet), stammt aus einer Berliner Arbeiterfamilie und wird vom Sport- und Deutschlehrer (Devid Striesow) der Eliteschule bei einem Boxkampf entdeckt. Friedrich geht gegen den Willen des Vaters nach Burg Allenstein, um der Armut zu entkommen, zur Elite zu gehören. Der andere, der schmächtige, schüchterne Albrecht (Tom Schilling, ebenfalls mit einer hervorragenden Leistung), literarisch begabter Spross eines SS-Hardliners ist nur an der Schule, um den Wünschen des Vaters zu entsprechen. Während Friedrich sich von der Nazi-Ideologie vereinnahmen lässt und beim Boxen sein Mitleid wie befohlen ablegt, regt sich in Albrecht der Widerstand gegen den Vater, das unmenschliche System, das er schließlich in einem Aufsatz anprangert.

Zwei packend inszenierte Schlüsselszenen treiben die Wandlung der Helden voran bis beide auf ihre Art dem unmenschlichen System die Stirn bieten. In der einen Szene wirft sich ein vom Schleifer der Schule (Michael Schenk, macht eindrucksvoll seinem Spitznamen im Film "Peiniger" alle Ehre) gequälter Bettnässer bei einer Übung auf eine Granate, um die Kameraden zu retten; in der anderen werden bei einer nächtlichen Jagd, Flüchtlinge erschossen. Gansel findet passend pathetische Bilder (Kamera: Torsten Breuer) und die entsprechende Musikuntermalung, David Lynchs Leibkomponist Angelo Badalamenti steuerte Motive zum Score bei, um den Zuschauer bei der klassisch erzählten Geschichte emotional mit zu nehmen. Dass dies gelingt, liegt natürlich auch am glaubwürdigen Spiel des Ensembles. Neben den beiden Hauptdarstellern glänzt etwa Justus von Dohnanyi als rheinisches SS-Ekelpaket.

Die Story beginnt ruhig als Internatsgeschichte, in der Naziideologie nur ab und an durchbricht, etwa wenn Friedrich bei der Aufnahme als arischer Typ vermessen wird. Ansonsten gibt es wie in jeder Internatsgeschichte machthungrige, ältere Schüler, die die jüngeren drangsalieren, oder einen Stuben-Clown. Doch Gansel und Peren bauen in ihrem durchstrukturierten Buch mehr und mehr (Tragödien-)Spannung auf. Gansel beweist sein Geschick in der Choreographie von Massen-Szenen beim Frühsport oder beim Essen in der großen Halle, wie in der Inszenierung intimer Szenen zwischen den Freunden oder dynamischer Box-Szenen. Ausstattung und Kostüm tun das ihrige, um die damalige Zeit realistisch wieder zu geben. So ist dem Drama, nachdem es u.a. bei den Filmtagen in Hof gefeiert wurde, ein zahlreiches, auch jüngeres Publikum zu wünschen, das sich für ein nicht so bekanntes Kapitel der Nazigeschichte interessiert, wenn es im gebührenden Abstand zu "Der Untergang" Ende Januar bundesweit in die Kinos kommt. hai.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 06.07.2017

Deutschland 2004

Länge: 1 h 55 min

Genre: Drama

Originaltitel: Napola - Elite für den Führer

Regie: Dennis Gansel

Drehbuch: Dennis Gansel, Maggie Peren

Musik: Normand Corbeil

Produktion: Viola Jäger, Harry Kügler, Molly Fürstenberg

Kostüme: Natascha Curtius-Noss

Kamera: Torsten Breuer

Schnitt: Jochen Retter

Ausstattung: Matthias Müsse