Es ist mal wieder der Tango, der das in Routine erstickte Leben eines Langweilers durchwirbelt und der Seele eine erotische Frischzellenkur verpasst.

Kinostart: 20.07.2006

Patrick Chesnais
als Jean-Claude

Anne Consigny

Anne Consigny
als Fran

Georges Wilson
als Jean-Claudes Vater

Lionel Abelanski
als Thierry

Cyril Coupon
als Jean-Yves

Geneviève Mnich
als Mme Rubion

Hélène Alexandridis
als Schwester von Fran

Anne Benoît
als H

Olivier Claverie
als der flirtende Tangot

Marie-Sohna Condé
als Rose Diakit

Isabelle Brochard
als Pflegerin

Stephan Wojtowicz
als der Arzt

Pedro Lombardi
als Tangolehrer

Die Handlung von Man muss mich nicht lieben

Der verknöcherte Gerichtsvollzieher schaute oft sehnsuchtsvoll in die gegenüberliegende Tanzschule bis er sich einen Ruck gibt und Tangostunden nimmt. Den diskreten Flirtversuchen der jungen Françoise steht er erst stocksteif gegenüber. Doch ihr Charme erweicht ihn - bis er erfährt, dass das Objekt der Begierde kurz vor der Hochzeit steht.

Der Gerichtsvollzieher Jean-Claude hat sich aus dem gesellschaftlichen Leben schon weitgehend verabschiedet, als ihm sein Arzt zu mehr Bewegung rät. Er entscheidet sich für die Teilnahme an einem Tangokurs in der Tanzschule gegenüber seiner Wohnung. Die Musik und vor allem die Bekanntschaft mit der charmanten Francoise geben ihm neuen Schwung, Jean-Claude beginnt regelrecht aufzublühen. Bis er erfährt, dass Francoise kurz vor der Hochzeit mit einem schnöseligen Schriftsteller steht.

Kritik zu Man muss mich nicht lieben

Es ist mal wieder der Tango, der das in Routine erstickte Leben eines Langweilers durchwirbelt und der Seele eine erotische Frischzellenkur verpasst.

Erst kürzlich erlag Richard Gere den Lockungen des Tangos im Remake des japanischen "Shall We Dance?". Auch der Mittfünfziger Jean-Claude gerät in den Bann der melancholischen Musik, aber erst nachdem ihm der Arzt zu mehr Bewegung rät. Der verknöcherte Gerichtsvollzieher, der von seinem Fenster aus schon oft sehnsuchtsvoll in die gegenüberliegende Tanzschule schaute, gibt sich einen Ruck und rauscht schon bald über das Parkett. Den diskreten Flirtversuchen der jungen Françoise, bei der seine Mutter Babysitterin war, steht er stocksteif gegenüber. Mit ihrem Charme bringt sie eine längst vergessene Seite in ihm zum Klingen. Der schüchterne Eisklotz spürt plötzlich lang verschüttete Gefühle und schmilzt dahin, funktioniert nicht mehr akkurat wie eine Maschine, sondern entdeckt eigene Bedürfnisse, lässt sich nicht mehr von seinem launischen Vater bei Besuchen im Altersheim herumkommandieren und schnauzt sogar unsensible Polizisten bei einer Zwangsräumung zusammen. In einem Moment offener Zuneigung ermuntert er seinen mit ihm arbeitenden und unter seiner Autorität leidenden Sohn, sein Leben zu genießen und nicht wie er zu verschwenden. Das Unmögliche scheint möglich, bis er erfährt, dass das Objekt der Begierde kurz vor der Hochzeit mit einem Möchtegern-Schriftsteller steht. Die Leichtigkeit des Seins fällt abrupt von ihm ab, seine Züge werden noch etwas härter, seine Augen noch etwas trauriger, der Schnauzbart hängt noch etwas schiefer. Eine Enttäuschung mehr für den an Einsamkeit Gewöhnten.

Anrührend spielt Patrick Chesnais, vom "Le Figaro" zum französischen Bill Murray stilisiert, den ambivalenten und zutiefst verunsicherten Charakter der heimlich zu Hause Tangoschritte übt, sich mit einem zarten Kuss aus der lebenslänglichen Deckung wagt, und vor der eigenen Courage Angst bekommt, der sich durch den vermeintlichen Vertrauensbruch verletzt in seine vier Wände verkriecht. Stephane Brizé gelingt mit seinem Spielfilmdebüt ein kleines Wunder und große Kinokunst. Er zelebriert den Reiz des Schweigens, die Symbolik von Gesten, die Bedeutung von Blicken und serviert kein plattes Hollywood-Ending, sondern ein fantasievolles und offenes Ende. Man muss diesen sperrigen Menschen nicht lieben. Aber man tut es. Aus ganzem Herzen. mk.

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Info

Plakat des Films: Man muss mich nicht lieben

Kinostart: 20.07.2006

Frankreich 2005

Länge: 1 h 34 min

Genre: Drama

Originaltitel: Je ne suis pas là pour être aimé

Regie: Stéphane Brizé

Drehbuch: Stéphane Brizé, Juliette Sales

Musik: Eduardo Makaroff

Produktion: Milena Poylo, Gilles Sacuto

Kostüme: Ann Dunsford-Varenne

Kamera: Claude Garnier

Schnitt: Anne Klotz

Ausstattung: Valérie Saradjian