Beeindruckend gespieltes Drama um die verspätete Trauerarbeit in einer Familie.

Kinostart: 13.11.2008

Karoline Herfurth

Karoline Herfurth
als Lilli Richter

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler
als Max Hollander

Corinna Harfouch

Corinna Harfouch
als Eliane Richter

Hanns Zischler
als Thomas Richter

Cyril Sjöström
als Alexander Richter

Jacob Matschenz
als Tobias Hollander

Misel Maticevic
als Aldo

Daniel Berini
als Tom

Matthias Kupfer
als Georg

Franz Dinda
als Johannes

Karin Boyd
als Renee Waters

Inka Friedrich
als Andrea

Hansa Czypionka
als Stephan

Handlung

Heikler Auftrag für den Künstler Max Hollander (Josef Bierbichler): Eliane Richter (Corinna Harfouch) bittet ihn, ein Porträt ihrer beiden erwachsenen Kinder anzufertigen. Zum einen die 22-jährige talentierte Tanz-Studentin Lilli (Karoline Herfurth), zum anderen ihr vor Jahresfrist tödlich verunglückter jüngerer Bruder Alexander (Cyril Sjöström). Bei den Sitzungen in seinem Atelier entdeckt der Maler rasch Lillis große emotionale Schwierigkeiten.

Oscarpreisträgerin Caroline Link ("Nirgendwo in Afrika", "Jenseits der Stille") sorgt abermals für ein fesselndes und psychologisch ungemein genaues Drama über Verlust und Neuanfang. Nach eigenem Drehbuch entstand das aufregende Psychogramm einer komplexen Familie.

Architektin Eliane gibt beim zurückgezogen lebenden Maler Hollander ein Porträt ihrer erwachsenen Kinder in Auftrag. Das Bild soll Tochter und Sohn, der sich vor einem Jahr umgebracht hat, vereinen. Tochter Lilli steht erst nur widerstrebend Modell, versteht sich aber immer besser mit dem über 60-Jährigen, der auch einen geliebten Menschen verloren hat.

Die wohlhabende Architektin Eliane gibt bei dem zurückgezogen lebenden Maler Hollander ein Porträt ihrer beiden erwachsenen Kinder in Auftrag. Das Bild soll Tochter und Sohn, der sich vor einem Jahr umgebracht hat, vereinen. Tochter Lilli durchlebt eine schwierige Zeit und geht stets auf Konfrontationskurs mit ihren Eltern. Sie steht erst nur widerstrebend Modell, versteht sich aber wieder Erwarten immer besser mit Hollander, der ihr zu erkennen gibt, auch einen geliebten Menschen verloren zu haben.

Kritik

Caroline Link hat nichts verlernt in sieben Jahren Regie-Pause. Sie versteht es, aus Schauspielern das Beste herauszuholen und wie bereits bei "Jenseits der Stille" oder "Nirgendwo in Afrika" ein ernstes Thema mit Gefühl aufzuladen, ohne dabei in Gefühlsduselei zu verfallen. Bei ihrem erwachsenen Melodram, der freien Adaption von Scott Campbells "Aftermath", geht es um Trauerarbeit - für die optische Umsetzung besonders reizvoll - über die Kunst.

Das bayerische Urgestein Josef Bierbichler spielt einen zurückgezogen auf dem Land lebenden Maler, umgeben von seinen realistisch-prägnanten Porträts in seinem Atelier (die tatsächlich von Florian Süssmayr stammen). Er erhält Besuch von Corinna Harfouch als Architektin, um ein Doppelporträt ihrer beiden erwachsenen Kinder anfertigen zu lassen. Doch nur ihre Tochter Lilli (Karoline Herfurth in ihrer wohl besten Performance) kann Modell stehen, weil der Sohn vor einigen Monaten gestorben ist. Er hat sich umgebracht, wie der Maler erst durch die widerspenstige Lilli erfährt. Mit diesem Todesfall, der sich im Winter, wenn das Porträt fertig sein soll, jährt, und den daraus resultierenden Schuldgefühlen hat sich die Familie nicht ernsthaft und nicht offen untereinander auseinandergesetzt. Vater (gewohnt gut: Hanns Zischler) und Mutter haben sich stattdessem in ihre berufliche Karrieren , Lilli in Partys und Affären gestürzt, etwa mit Misel Maticevic als Gegenkünstlertyp zu Bierbichlers Maler. Wie ihre Es-geht-mir-gut-Fassade zusammenbricht und echte Trauerarbeit einsetzt, beschreibt eindrücklich der nie larmoyante Film. Den Fokus legt Link dabei auf die Schilderung der Beziehung zwischen Lilli und dem Maler, ihre gegenseitige Faszination und langsame Annäherung. Im Zuge derer wird auch der Maler gezwungen, sich seinen persönlichen Problemen zu stellen. Die Schauspielerauswahl mag zuerst ungewöhnlich anmuten, funktioniert aber beeindruckend gut. Die Szenen nur mit den beiden sind der Höhepunkt des Films, Bierbichler nimmt sich zurück, Herfurth wächst über sich hinaus. Ihr verbaler Schlagabtausch ist perfekt getimt, witzig und ätzend, es gibt natürlich auch zärtliche Momente, etwa wenn sie Tangomusik hören und er von ihr Tanzen lernen will. Sie studiert Tanz, den sie schließlich auch als Ausdrucksmittel ihrer Gefühle für sich entdeckt. Nicht alle Nebenhandlungen können auf diesem hohen Niveau mithalten. Manche Gefühlsausbrüche, Entwicklungen mögen nicht frei von Klischees sein. Aber man nimmt dem Film und seiner Regisseurin stets die Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit ab, mit dem das Thema behandelt wird. Mit Kamera-

frau Bella Halben findet Link anmutige, passende Bilder. Halben benutzt eher dunkle, warme Töne im Atelier, zeigt vereinzelt sogar verspielte Leichtigkeit - etwa, wenn sie beim Schwim-

men durch ein Gummitier filmt. Eine besonders schöne und hoffnungsvolle Anfangs- und Schlussbildsequenz ist der unbeschwerte Tanz bei Schneefall, am Anfang des Bruders, am Ende der Schwester. Niki Reisers Musik trägt das ihre dazu bei, den Zuschauer emotional zu packen, ohne ihn zu manipulieren. Durch das Thema Kunst und die ausgefeilten Dialoge entsteht genau das Quäntchen Künstlichkeit und eine gewisse Distanziertheit, um der Kitschfalle zu entgehen. hai.

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Info

Plakat des Films: Im Winter ein Jahr
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 13.11.2008

Deutschland 2008

Länge: 2 h 8 min

Genre: Drama

Originaltitel: Im Winter ein Jahr

Regie: Caroline Link

Drehbuch: Caroline Link

Musik: Niki Reiser

Produktion: Martin Moszkowicz, Uschi Reich

Kostüme: Barbara Grupp

Kamera: Bella Halben

Schnitt: Patricia Rommel

Ausstattung: Susann Bieling

Website: http://www.imwintereinjahr.film.de