Psychodrama um ein schwedisches Paar im Skiurlaub, dessen Beziehung durch eine vermeintliche Lawinengefahr auf die Probe gestellt wird.

Kinostart: 20.11.2014

Handlung

Eine schwedische Familie mit zwei Kindern macht Urlaub in den französischen Alpen, um in der herrlichen Bergwelt ein paar Tage gemeinsam zu verbringen. Sonniges Wetter und traumhafte Pisten locken, es herrscht beste Stimmung. Als am zweiten Tag eine Lawine auf die Skihütte zurast, rettet der Pater Familias die eigene Haut und lässt die Seinen zurück. Die Katastrophe bleibt aus, aber die Vertrauenskrise stellt die Beziehung in den restlichen Ferientagen auf eine harte Probe.

Kritik

Der Schwede Ruben Östlund erzählt eine dramatische Geschichte über das drohende Auseinanderbrechen einer Familie.

Wie verhält sich ein Mensch in Extremsituationen? Wie geht er mit Scham um? Um diese existenziellen Fragen kreist Ruben Östlunds neues meisterlich inszeniertes und von Schweden für den Auslandsoscar eingereichtes Werk.

Eine sympathische schwedische Familie macht in den französischen AlpenWinterurlaub. Thomas, Ebba und die zwei Kinder freuen sich auf die gemeinsame Zeit. Am zweiten Tag passiert es. Beim gemütlichen Mittagessen in der Sonne rast eine weiße Wand auf das Bergrestaurant zu. Der Pater familias beruhigt die Seinen, das sei eine kontrollierte Lawine. Nachdem die sich aber mit Karacho nähert, reagiert er in großer Panik, packt sein Smartphone und rettet nur die eigene Haut. Zwar bleibt die Katastrophe in letzter Sekunde aus, und jeder äußerlich unverletzt, man geht mit einem unsicheren Lachen zur Tagesordnung über, aber die Frau kann nicht vergessen, dass ihr Mann sie in einer Notsituation im Stich ließ. Immer wieder - auch vor Fremden - erwähnt sie dessen Feigheit, die Ehe droht auseinanderzubrechen. Sein Schuldgefühl und ihr Vertrauensverlust legt sich wie Mehltau über die Beziehung.

Östlund teilt den Film formal in fünf Kapitel ein, von der Ankunft am ersten bis zur Abreise am fünften Tag. Am Anfang zeigt er die helle Weite der majestätischen Alpenkulisse, Skifahren im Glitzerschnee, gute Laune, dann nach dem Vorfall oft das Laufen durch Tunnel, Gänge und Flure oder Warten vor verschlossenen Türen als Metapher für innere Verzweiflung, seelisches Gefangensein, diffuse Angst vor möglichen Konsequenzen. Die Kamera konzentriert sich auf zwei Welten, die wunderschöne Bergwelt und das moderne, in sich abgeschlossene Hotel, ein begrenzter Kosmos und Austragungsplatz von Diskussionen über persönliche Sichtweise und ultimative Wahrheit, über den nicht kontrollierbaren Überlebensinstinkt, der Moral oder Verantwortungsgefühl wegfegt.

"Höhere Gewalt" rüttelt auch am traditionellen Bild des die Familie schützenden Mannes, an der gesellschaftlichen Erwartungshaltung. Das nordisch düstere und mit psychologisch fein gesetzten Nadelstichen ausgestattete Drama gibt durchkleine Humoreinlagen zwischendrin Luft zum Atmen, macht aber auch Angst, weil es menschliche Schwächen unter der zivilisatorischen Oberfläche freilegt und den Zuschauer zwingt, seine eigene Position zu überprüfen. mk.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.11.2014

Schweden/Dänemark/Frankreich 2014

Länge: 2 h 0 min

Genre: Drama

Originaltitel: Turist

Regie: Ruben Östlund

Drehbuch: Ruben Östlund

Musik: Ola Fløttum

Produktion: Erik Hemmendorff, Philippe Bober, Marie Kjellson

Kostüme: Pia Aleborg

Kamera: Fredrik Wenzel

Schnitt: Ruben Östlund, Jacob Secher Schulsinger

Website: http://www.alamodefilm.de/kino/detail/hoehere-gewalt.html

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