Mel Gibsons kontroverse, kompromisslos harte Geschichte der letzten 12 Stunden im Leben von Jesus Christus.

Kinostart: 18.03.2004

James Caviezel

James Caviezel
als Jesus Christus

Monica Bellucci

Monica Bellucci
als Maria Magdalena

Maia Morgenstern
als Maria

Mattia Sbragia
als Hohepriester Kaiphas

Hristo Shopov
als Pontius Pilatus

Claudia Gerini
als Claudia Procles, Pilatus“ Frau

Luca Lionello
als Judas Ischariot

Sergio Rubini
als Dismas

Toni Bertorelli
als Annas

Roberto Bestazzoni
als Malchus

Francesco Cabras
als Gesmas

Giovanni Capalbo
als Cassius

Rosalinda Celentano
als Satan

Emilio De Marchi
als H

Francesco DeVito
als Petrus

Lello Giulivo
als Brutaler R

Abel Jafry
als Zweiter Tempel-Diener

Christo Jivkov
als Johannes

Jarreth Merz
als Simon

Matt Patresi
als Janus

Fabio Sartor
als Abenader

Roberto Visconti
als H

Giacinto Ferro
als Joseph von Arimathea

Olek Mincer
als Nikodemus

Adel Ben Ayed
als Thomas

Chokri Ben Zagden
als Jakobus

Luca De Dominicis
als Herodes

Pedro Sarubbi
als Barabbas

Handlung

Die letzten zwölf Stunden im Leben des Jesus von Nazareth: Nach dem Abendmahl erscheint Jesus (James Caviezel) beim Gebet im Garten Gethsemane der Satan und gewährt ihm einen Blick in die nähere Zukunft. Trotz der in Aussicht gestellten Qualen bleibt Jesus standhaft und lässt sich widerstandslos festnehmen. Pilatus (Ivano Marescotti) erkennt den politischen Fall und übergibt die Verantwortung Herodes, der seinerseits unversöhnlichen Bibelgelehrten die Urteilsfindung überlässt. Vor die Wahl gestellt, entweder Jesus oder den Mörder Barrabas zu begnadigen, wählt das Volk Barrabas. Jesus wird ans Kreuz geschlagen.

Vor den Kulissen des süditalienischen Basilcata, wo bereits Pasolini das Evangelium Matthäi in Szene setzte, und inspiriert von der Malerei des barocken Licht- und Schattenspielers Caravaggio erweckt Regisseur Mel Gibson das Neue Testament in Bildern von archaischer Wucht zu greifbarem Leben. Komplett mit hysterischer political-correctness-Kontroverse das (un-)umstrittene Kinoereignis des Frühjahrs.

Die letzten qualvollen Stunden im Leben des Jesus von Nazareth: von Judas verraten, von den Pharisäern verdammt, von Pontius Pilatus unter Druck zum Tode verurteilt, vom Volk verspottet, von römischen Soldaten gegeißelt, gequält und gekreuzigt, von Satan versucht, von seiner Mutter geliebt und getröstet und von seinem Vater schließlich erlöst und aufgenommen.

Die letzten zwölf Stunden im Leben des Jesus von Nazareth - qualvolle Stunden, die ihren Ausgang nehmen mit der Verhaftung im Garten Gethsemane. Zunächst ist da der Verrat durch seinen Jünger Judas Ischariot; es folgen die schwierige Urteilsfindung, die Todesstrafe, ausgesprochen vom römischen Stadthalter Pontius Pilatus, sein Leidensweg von Jerusalem auf den Berg Golgatha und die abschließende Kreuzigung. Dazwischen: die Versuchung Satans, der Trost der Mutter. Dann erst, endlich: die Erlösung durch Gottvater.

Kritik

Die größte Geschichte aller Zeiten steht im Kino vor einer schwierigen Aufgabe: sie muss dem Hype, dem Rummel um skandalöse Brutalität und vermeintlich anti-jüdische Perspektive, einen Film entgegenhalten, der die riesigen Erwartungen an Sensation und Kontroverse auch zu erfüllen vermag. Unter diesen Bedingungen kämpft die dritte Regiearbeit Mel Gibsons gegen einen übermächtigen Gegner, verdient sich aber als realistischste und physischste Verfilmung des biblischen Selbstopfers ihren Platz in der Filmgeschichte.

Im Kino-Kanon der Glaubens- und Leidensgeschichte bezieht Gibsons "Passion" eine konservative, traditionelle Position, in der Limitierung des Zeitrahmens und der Akzentuierung des Körperlichen aber auch eine sehr individuelle. Es geht ausschließlich um die letzten zwölf Stunden im Leben Christi und um die hyperrealistische Abbildung einer physischen Tortur, die die geistig-seelischen Qualen, die Selbstzweifel, das Überprüfen der Leidenserfahrung mit den aufgestellten Glaubensregeln, etwas in den Hintergrund drängt. Gibsons Film distanziert sich von den salbungsvollen Bibelpredigten und der Kitschsymbolik des alten Hollywood, nicht aber von Melodram und Pathos, will emotional hochtourig überwältigen. Seine "Passion" ist in Ausstattung, Kostümen, Sprache (Aramäisch für die Juden, Vulgärlatein für die Römer) authentisch, ist in Cinecittá und, wie Pasolinis "Das Erste Evangelium Matthäus", in der Umgebung der süditalienischen Stadt Matera gedreht, ist aber nicht asketisches Kunstkino, sondern leidenschaftliches Unterhaltungskino.

Gezeigt wird keine verschlüsselte, moderne Christus-Geschichte wie Denys Arcands "Jesus von Montreal", keine Humanisierung des Heiligen (Martin Scorseses "Die letzte Versuchung Christi"), keine historische Überprüfung, sondern eine texttreue, an vier Evangelien ausgerichtete Nacherzählung eines monumentalen Glaubensbekenntnisses. Der Film ist nicht anti-jüdischer, als es schon seine primären Quellen sind, die überall unterrichtet werden. Die religiösen Führer des Judentums richten Christus, aber das Übel ist erkennbar nicht eine Religion, eine Volksgruppe, sondern fanatische Glaubensreiniger, die machtpolitisches Eigen- als Gemeininteresse ausgeben und einen konturlosen Mob gegen einen Nonkonformisten manipulieren. Im Film wird angedeutet, dass es auch kritische Stimmen unter den Pharisäern gab, dass der Rat von Hohepriester Kaiphas mit Berechnung übereilt einberufen wurde. Die Schuld am Tode von Jesus verteilt sich auf viele Schultern. Jünger verraten ihn und verleugnen sich, römische Soldaten quälen mit sadistischer Freude, die Masse folgt opportunistisch. Der Teufel, hier als unheimlicher androgyner Formwandler gezeichnet, dem schon mal eine digitale Made in die Nase kriecht, ist keine Bedrohung von außen, sondern von innen, ist die Natur des Menschen selbst.

Natürlich verlangt diese Passionsgeschichte einiges dem Zuschauer ab und auch Hauptdarsteller Jim Caviezel, dessen Charisma, das sich Christus-ähnlich in "Der schmale Grat" entfaltete, sich hier dem Leidensauftrag der Figur unterordnen muss. "Die Passion Christi" hat untertitelte Dialoge in Originalsprache, erklärt weder Figuren noch ihre Vorgeschichte, beschränkt sich auf minimale Rückblenden und zeigt Geißelung und Kreuzigung in schonungslosen Bildern, bis sogar das Zerschlagen von Beinknochen am Kreuz als Gnadenakt toleriert werden muss. Wie schon stellenweise in "Braveheart" ist Gibsons Inszenierung nicht immer subtil, verfehlt aber ihre Wirkung nicht. Man sieht das Leid und spürt es fast körperlich, nicht zuletzt dank der superben Make-up Effekte und der Emotionalität von Maia Morgenstern als Mutter Maria. Durch sie wird die überhöhte Vater-Sohn- auch eine persönliche Mutter-Sohn-Geschichte, die Glaubensgrenzen überschreitet. Und am Ende, wenn Christus ins Licht tritt, eröffnet sich die Gelegenheit, den Bildern eigene Worte im Diskurs folgen zu lassen. Das ist es, was man bei einem Film wie diesem unter Nachbearbeitung verstehen sollte. kob.

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Info

Plakat des Films: Die Passion Christi
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 18.03.2004

USA 2004

Länge: 2 h 7 min

Genre: Drama

Originaltitel: The Passion of the Christ

Regie: Mel Gibson

Drehbuch: Mel Gibson, Benedict Fitzgerald

Musik: John Debney

Produktion: Bruce Davey, Mel Gibson, Stephen McEveety

Kostüme: Maurizio Millenotti

Kamera: Caleb Deschanel

Schnitt: John Wright

Ausstattung: Francesco Frigeri, Daniela Pareschi, Nazzareno Piana, Pierfranco Luscrì

Website: http://www.passion.film.de