Herausragend elegantes Melo nach Patricia-Highsmith-Vorlage über zwei Frauen in den Fünfzigerjahren, die aller Widerstände zum Trotz zueinander finden.

Kinostart: 17.12.2015

Cate Blanchett

Cate Blanchett
als Carol Aird

Rooney Mara

Rooney Mara
als Therese Belivet

Sarah Paulson

Sarah Paulson
als Abby Gerhard

Kyle Chandler
als Harge Aird

Jake Lacy
als Richard

Cory Michael Smith
als Tommy Tucker

Carrie Brownstein
als Genevieve Cantrell

John Magaro
als Dannie

Kevin Crowley
als Fred Haymes

Handlung

Therese arbeitet 1952 in einem New Yorker Kaufhaus. Sie hat einen Freund, ist aber dennoch wie vom Donner gerührt, als sie die Society-Dame Carol Aird zum ersten Mal sieht. Die beiden Frauen kommen sich näher. Carol steht vor den Trümmern ihrer Ehe und kämpft um das Sorgerecht für ihre Tochter. Als sie Abstand von ihrem verständnislosen Ehemann gewinnen will, fährt sie ziellos Richtung Westen und nimmt Therese mit. In einem Motel lieben sich die beiden Frauen zum ersten Mal - und werden von einem Detektiv gefilmt.

Kritik

Herausragend elegantes Melo nach Patricia-Highsmith-Vorlage über zwei Frauen in den Fünfzigerjahren, die allen Widerständen zum Trotz zueinander finden.

Exquisiter und edler als Todd Haynes' Highsmith-Verfilmung "Carol" kann eine Liebesgeschichte kaum erzählt werden. Patricia Highsmith hatte ihren zweiten Roman "Salz und sein Preis" 1953 unter dem Pseudonym Claire Morgan veröffentlicht - zu eindeutig waren die autobiographischen Elemente. Außerdem wollte die damals 32-jährige Schriftstellerin nicht als Autorin lesbischer Stoffe abgestempelt werden. Erst 1984 bekannte sie sich zu der Arbeit. Todd Haynes, der zuletzt schon mit dem HBO-Vierteiler "Mildred Pierce" mit Kate Winslet nach dem Roman von James M. Cain einen erklärten Frauenstoff realisiert hatte, lässt seiner Verfilmung jetzt ebenso viel Ernsthaftigkeit und Grandezza angedeihen wie Anthony Minghella seinerzeit seiner Highsmith-Adaption "Der talentierte Mr. Ripley", nur dass seine Arbeit noch besser ist, atmosphärisch und inhaltlich noch dichter, erzählerisch noch gelungener - ein fantastisches Highlight im Wettbewerb des 68. Festival de Cannes. Aktuell kann Haynes bei der Inszenierung von Frauen wohl keiner das Wasser reichen: Cate Blanchett begeistert als moderne Greta Garbo wie gewohnt, die eigentliche Sensation ist Rooney Mara, der mit der Darstellung einer Figur, die im klassischen Hollywood wohl von Audrey Hepburn gespielt worden wäre, endgültig der Durchbruch gelingen sollte.

In gewisser Weise handelt es sich um einen Begleitfilm zu "Dem Himmel so fern", Haynes' kluge Variation von Douglas Sirks "Was der Himmel erlaubt" aus dem Jahr 2002, in dem ein Ehemann in der rigiden Gesellschaft der Fünfzigerjahre an seiner geheim gehaltenen Homosexualität zerbricht. Sirks außergewöhnliches Gespür für Farbe, Dekors und Stil kommt nun auch in Haynes' neuem Woman's Weepie zum Tragen, ein Melodram ganz im Sinne großer Meister wie William Wyler, Vincente Minnelli und Billy Wilder, ohne dass man im Hollywood der Zeit hätte zeigen dürfen, was jetzt bei Haynes ganz selbstverständlich erscheint: wie sich zwei Frauen ineinander verlieben und einander lieben. Kameramann Ed Lachman findet für diese verbotene Liebe traumhafte Einstellungen, filmt durch Fenster oder Türrahmen und in Spiegelungen. Beginnend mit einer zufälligen Begegnung in einem New Yorker Kaufhaus im Jahr 1952, ist klar, dass die junge, neugierige Verkäuferin Therese und die in ihrer gescheiterten Ehe unglückliche Upper-Class-Dame Carol füreinander geschaffen sind. Stets fürchtet man als Zuschauer eine drohende Katastrophe. Man kennt ja die Geschichten von Patricia Highsmith, man weiß, dass solche Affären niemals gut enden. Eine Pistole wird irgendwann gezeigt, ebenso wie ein Ausschnitt aus "Sunset Boulevard". Zum Scheitern ist sie verdammt, die Liebe der beiden Frauen, glaubt man zu wissen. Und man scheint auch Recht zu behalten mit dieser Befürchtung, nachdem Carol und Therese beim ersten Liebesakt in einem entlegenen Motel von einem Privatdetektiv gefilmt werden, der für Carols Ehemann arbeitet. Aber dann geht der Film doch einen anderen Weg, und er massiert auch ein bisschen, was Highsmith in ihrem Roman erzählt, ist weniger streng mit seinen beiden Heldinnen, bis er bei der letzten Szene im gefüllten Oak Room in New York ankommt, bei einem letzten Blick, der einen regelreichten Wirbelsturm der Gefühle auslöst und seinen Platz in der Filmgeschichte jetzt schon sicher hat. ts.

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Info

  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 17.12.2015

Großbritannien/USA/Frankreich 2015

Länge: 1 h 59 min

Genre: Drama

Originaltitel: Carol

Regie: Todd Haynes

Drehbuch: Phyllis Nagy

Musik: Carter Burwell

Produktion: Christine Vachon, Stephen Woolley, Elizabeth Karlsen

Kostüme: Sandy Powell

Kamera: Ed Lachman

Schnitt: Affonso Goncalves

Ausstattung: Judy Becker

Auszeichnungen

1 x Cannes:

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