Bewegendes Drama um zwei Brüder vor dem Hintergrund des UN-Einsatzes in Afghanistan.

Kinostart: 31.03.2005

Connie Nielsen

Connie Nielsen
als Sarah

Ulrich Thomsen

Ulrich Thomsen
als Michael

Nikolaj Lie Kaas

Nikolaj Lie Kaas
als Jannik

Bent Mejding
als Henning

Solbjørg Højfeldt
als Else

Paw Henriksen
als Soldat

Laura Bro
als Ditte

Niels Olsen
als Allentoft

Sarah Juel Werner
als Natalia

Rebecca Løgstrup Soltau
als Camilla

Lars Ranthe
als Preben 1

Lars Hjortshøj
als Preben 2

André Babikian
als Nadeem

Lene Maria Christensen
als Jeanette

Henrik Koefoed
als Barkeeper

Handlung

Zwei Brüder, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Der eine ist der gutbürgerliche Michael (Ulrich Thomsen), Hubschrauberpilot beim Militär und glücklich mit Sarah (Connie Nielsen) verheirateter Vater zweier Töchter. Der andere ist der stadtbekannte Herumtreiber Jannik (Nicolaj Lie Kaas), verantwortungslos und ständig mit dem Gesetz in Konflikt. Als jedoch Michael bei einem Einsatz in Afghanistan abgeschossen wird und seine Familie plötzlich ohne Ernährer dasteht, ist es Jannik, der die Initiative ergreift und sich rührend um Sarah kümmert. Ein wenig zu rührend, wie Michael findet, als er so traumatisiert wie unerwartet wieder auf der Matte steht.

Im Zeitalter internationaler Militäreinsätze sind Kriegsheimkehrerdramen keine Domäne allein von Hollywood mehr, wie diese mit starken Charakteren besetzte Beziehungskiste aus Dänemark beweist.

Als UN-Offizier Michael bei einem Afghanistan-Einsatz vermisst und für tot erklärt wird, hilft sein jüngerer Bruder Jannik seiner trauernden Schwägerin Sarah und übernimmt erstmals in seinem Leben Verantwortung für sich und seine Familie. Doch dann kehrt der von afghanischen Aufständischen in Gefangenschaft gehaltene befreite Michael zurück - als fremder und traumatisierter Mann.

Als Michael, hochdekorierter Major in der dänischen Armee, bei einem Afghanistaneinsatz abstürzt und für tot erklärt wird, kümmert sich der eher unzuverlässige Bruder Jannik um dessen Frau und Kinder. Doch Michael hat überlebt. Nach seiner Befreiung aus der Kriegsgefangenschaft kehrt er nach Hause zurück - seelisch kaputt und traumatisiert. Und während der einst so starke große Bruder seinen Platz im Leben verloren hat, entwickelt sich der Jüngere zum verantwortungsbewussten Mann, der endlich weiß, was er will.

Kritik

Mit "Open Hearts" begeisterte Susanne Bier vor drei Jahren das Publikum, mit "Brothers - Zwischen Brüdern" trifft sie uns wieder mit schmerzlicher Intensität mitten ins Herz. Von rigiden Dogma-Regeln befreit, erzählt sie von den Auswirkungen eines schmutzigen Krieges auf den Einzelnen, von der Zerstörung der Psyche und Verwundungen der Seele. Durch die individuelle Dimension geht dieses erschütternde Drama um zwei gegensätzliche Brüder - der eine Major, der andere ein Drifter - weit über das Politische hinaus.

Ob im Kosovo oder Afghanistan - IFOR-Truppen versuchen, die Konfliktparteien auseinanderzuhalten und einen trügerischen Frieden zu wahren, Vermissten- und Todesmeldungen von Soldaten werden in der Tagesaktualität von der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen. Folgen eines Gewöhnungsprozesses an schlechte Nachrichten. Susanne Bier zeigt erschreckend drastisch, was der Krieg mit Menschen anrichtet, wie er sie für das normale Leben untauglich macht.

So ist Michael ein fürsorglicher Vater, zärtlicher Gatte und geachteter Major in der dänischen Armee. Sein jüngerer Bruder Jannik dagegen gilt als schwarzes Schaf in der Familie, unzuverlässig und unstet, musste eine Strafe wegen Banküberfall absitzen und wird vom Vater verachtet. Als Michael bei einem Afghanistaneinsatz mit dem Hubschrauber abstürzt und für tot erklärt wird, kümmert sich Jannik liebevoll um die Frau seines Bruders und die Kinder, langsam entwickelt sich etwas mehr als Sympathie. Michael ist jedoch nicht tot, sondern von brutalen Aufständischen gefangengenommen und versucht mit allen, wirklich allen Mitteln zu überleben. Die Verrohung des Terrors macht auch vor ihm nicht halt. Nach seiner Befreiung kehrt er als Fremder in die Heimat zurück - seelisch kaputt, traumatisiert. Was sich in Afghanistan abspielt, ist nur schwer zu ertragen, aber zum Verständnis notwendig. Subtil zeichnet Susanne Bier die Umkehrung der Verhältnisse. Während der einst so starke und bewunderte große Bruder seinen Platz im Leben verloren hat, entwickelt sich der Jüngere zum verantwortungsbewussten Mann, der endlich seinen Platz im Leben findet.

"Brothers - Zwischen Brüdern", neben der Silbernen Muschel in San Sebastian und dem Kritikerpreis in Hamburg erst kürzlich mit dem Publikumspreis als "Bester internationaler Film" in Sundance ausgezeichnet, ist ein bemerkenswerter Film über das blindwütige Schicksal und die Sollbruchstellen menschlicher Existenz, dabei aber auch eine berührende Betrachtung über die Kraft der Liebe, wobei jegliches Abrutschen in ein simples Eifersuchtsdrama vermieden wird. Dafür sind die Figuren auch zu genau und zu vielschichtig entworfen, die Details gewissenhaft zusammengesetzt. Schuld, Scham und Sühne verhindern, dass sich der Soldat wieder so als wäre nichts geschehen in die Normalität integrieren kann und zerstören fast die Beziehung zwischen den Eheleuten. Susanne Bier, deren Kameramann Morton Soborg wunderbare Bilder mit der Digitalkamera zaubert, lässt in diesem stilistisch brillanten und emotional packenden Meisterwerk tiefe Trauer spüren, aber auch Hoffnung auf Vergebung. Und auf ein morgen nach dem Krieg. mk.

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Info

Plakat des Films: Brothers - Zwischen Brüdern
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 31.03.2005

Dänemark 2004

Länge: 1 h 57 min

Genre: Drama

Originaltitel: Brødre

Regie: Susanne Bier

Drehbuch: Anders Thomas Jensen

Musik: Johan Söderqvist

Produktion: Peter Aalbæk Jensen, Sisse Graum Jørgensen

Kostüme: Signe Sejlund

Kamera: Morten Søborg

Schnitt: Pernille Bech Christensen

Ausstattung: Viggo Bentzon