Bewegender Schnappschuss mit Marie Bäumer aus dem Leben der tragischen Romy Schneider.

Kinostart: 12.04.2018

Handlung

Schon immer hat man Marie Bäumer mit der berühmten Schauspielerin verglichen, die hierzulande mit den "Sissi"-Filmen assoziiert, in Frankreich als Charakterstar gefeiert wurde. Es ist kein Mimikry, Bäumer spielt sich frei. Ihre Romy ist eine zwischen Selbstzweifeln und Lebenslust schwankende Frau, die in dem Sanatorium zur Ruhe kommen will.

Emily Atef stellt das legendäre Interview, das sie einem "Stern"-Reporter (Robert Gwisdek) gab, in den Mittelpunkt. Mit dabei: Birgit Minichmayr und Charly Hübner als Fotograf Robert Lebeck.

Kritik

Emily Atef gelingt ein wunderbarer Schnappschuss mit ihrer Beschreibung von drei Tagen im Leben von Romy Schneider.

Gleich im allerersten Bild sieht man einen Drachen, den Kinder im Strandbad von Quiberon steigen lassen, der in der steifen Brise flattert, sich gegen den Wind stemmt. Jeder, der selbst schon einmal einen Drachen hat steigen lassen, weiß, dass man viel Kunstfertigkeit benötigt, um ihn hoch fliegen zu lassen. Der Absturz ist immer schon vorprogrammiert. Von hinten sehen wir erstmals Marie Bäumer als Romy Schneider, wie sie in einem Plastikstuhl sitzt und den Drachen beobachtet. Und sich wohl selbst darin erkennt. Hoch fliegend, gegen den Wind kämpfend, den Absturz immer vor Augen. Schneider, der große österreichische Filmstar, der in Deutschland immer noch mit den "Sissi"-Filmen assoziiert wird, aber in Frankreich als ernstzunehmende Schauspielerin gefeiert wird, ist in Quiberon, um von Alkohol und Tabletten wegzukommen und ihre Depressionen zu bekämpfen. In dem Interview, um das es in den kommenden 100 Minuten gehen wird, wird sie zu Stern-Reporter Michael Jürgs, hier gespielt von dem überragenden Robert Gwisdek, sagen: "Ich bin eine unglückliche Frau von 42, und mein Name ist Romy Schneider."

Sie hat nicht nur dem Interview zugestimmt, ihrem ersten für eine deutsche Publikation seit Jahren, und dafür Jürgs und den Fotografen Robert Lebeck - Charly Hübner perfekt eingesetzt - eingeladen, mit dem sie befreundet ist und dessentwegen sie dem Gespräch zugestimmt hat, sondern auch ihre Freundin aus Kindheitstagen, Hilde Fritsch, gespielt von Birgit Minichmayr, die sich um ihre Romy sorgt, sie beschützt wie eine Mutter und entsetzt mitansieht, wie die Gesprächssituation gleich nach dem ersten Kennenlernen zu entgleiten droht. Jürgs sagt selbst, dass Journalisten Haie seien - und er der beste Hai, den der Stern zu bieten habe. Er hat Recht: Mit wenigen simplen, direkt gestellten Fragen holt er Romy Schneider aus der Reserve. Was dann folgt, in den nächsten drei Tagen, in der Interviewsituation, aber auch bei einem gemeinsamen Abend in einer Hafenkneipe, einem Essen im Hotelrestaurant und kurzen prägnanten Begegnungen, ist eine Beichte, ein Psychogramm, eine Zustandsbeschreibung nicht nur eines von seinen Zweifeln und Unsicherheiten und Hunger am Leben zutiefst geplagten Menschen, sondern auch der drei anderen handelnden Personen. Jeder muss seine Positionen abklopfen, ist auf den Prüfstand gestellt, muss sich fragen, ob man hinter der eigenen Motivation stellen kann.

Und doch bleibt der Film leicht, beschwingt sogar, schwelgt in seinen wunderbaren Schwarzweißbildern, die auch etwas Distanz schaffen, weil Emily Atef diese drei Tage vor allem als Momentaufnahme sieht, die zwar auf Fakten basiert, aber die Ereignisse doch auch fiktionalisiert, verdichtet, dramatisiert. Ein bisschen unecht wirkt das Ambiente mit dem ewigen Loungejazz und französischen Chansons im Hintergrund, ohne dem souveränen Film je seine Wahrhaftigkeit zu berauben. Und über allem strahlt Marie Bäumer, auf deren äußerliche Ähnlichkeit mit Romy Schneider seit Beginn ihrer Karriere verwiesen wurde. Jetzt, im Alter von 48 Jahren, sechs Jahre älter, als Schneider wurde, die im Mai 1982 starb, etwas mehr als ein Jahr nach dem Interview in Quiberon, schwimmt sie sich frei von den Vergleichen, indem sie diesen großen Filmstar endlich spielt und sich im Lauf des Films, Szene für Szene, ihre Unabhängigkeit zurückerobert: Fortan muss man sie nicht mehr vergleichen. Sie ist eine umwerfende Frau von 47, und ihr Name ist Marie Bäumer. ts.

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Info

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FSK: ab 0

Kinostart: 12.04.2018

Österreich/Frankreich/Deutschland 2018

Länge: 1 h 56 min

Genre: Drama

Originaltitel: 3 Tage in Quiberon

Regie: Emily Atef

Drehbuch: Emily Atef

Musik: Christoph M. Kaiser, Julian Maas

Produktion: Karsten Stöter

Kamera: Thomas W. Kiennast

Schnitt: Hansjörg Weißbrich

Ausstattung: Silke Fischer

Website: http://www.3-tage-in-quiberon.de

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