Sommer-Roadmovie von Fatih Akin um zwei Außenseiter. Nach dem Kultroman von Wolfgang Herrndorf.

Kinostart: 15.09.2016

Tristan Göbel
als Maik Klingenberg

Anand Batbileg
als Andrej "Tschick" Tschichatschow

Nicole Mercedes Müller
als Isa

Udo Samel
als Herr Wagenbach

Anja Schneider
als Mutter Klingenberg

Uwe Bohm
als Vater Klingenberg

Claudia Geisler-Bading
als Mutter Risi-Pisi-Familie

Alexander Scheer
als Jugendrichter

Marc Hosemann
als Polizist

Friederike Kempter
als Anwältin

Handlung

Zwei Außenseiter erleben in Fatih Akins Road-Movie den Sommer ihres Lebens – nach dem Erfolgsroman von Wolfgang Herrndorf.

Maik Klingenberg ist in der Schule nicht sonderlich beliebt, deshalb verbringt er die Sommerferien allein am Pool der elterlichen Villa. Seine Erziehungsberechtigten sind, wie so oft, nicht da: Die Mutter auf Entzug, der Vater auf Geschäftsreise mit seiner Geliebten.

Plötzlich platzt der neue Mitschüler aus Maiks Klasse herein: Andrej „Tschick“ Tschichatschow. Im Gepäck hat er einen geklauten – in Tschicks Worten „geliehenen“ – klapprigen Lada. Er lädt Maik ein, ihn auf seinem abenteuerlichen Trip in die Walachei zu begleiten.

Da muss Außenseiter Maik nicht lange überlegen. Mit Tiefkühlpizza und Konserven als Proviant geht es los: Quer durch die ostdeutsche Provinz, einem unvergesslichen Sommer entgegen!

Nach „Gegen die Wand“ und „Soul Kitchen“ nimmt sich Regisseur Fatih Akin einer Coming-of-age-Story an, die bereits in Buchform über zwei Millionen Leser allein in Deutschland begeisterte. Der von Erfolgsautor Wolfgang Herrndorf 2010 veröffentlichte Roman „Tschick“ erschien bis heute in knapp 30 Ländern, gewann unzählige Buchpreise und ist seit 2012 eines der meistgespielten Theaterstücke auf deutschen Bühnen.

Die Leinwandadaption punktet mit dem Drang nach Freiheit und Abenteuer, Witz, Nostalgie und unendlich viel Sommerferiengefühl. Und mit zwei fantastischen Jungstars.

Kritik

Kongeniale Verfilmung des Jugendroman-Bestsellers von Wolfgang Herrndorf über einen 14-jährigen Außenseiter, der mit einem gleichaltrigen Russen den Roadtrip seines Lebens erlebt.

Wohl dem Produzenten, der von sich behaupten kann, Fatih Akin einen Notnagel zu nennen. Wie weithin kolportiert, sprang der Goldene-Bär-Gewinner nur wenige Wochen vor dem geplanten Drehstart für die Verfilmung des Bestsellers von Wolfgang Herrndorf ein, weil der ursprünglich vorgesehene Regisseur, David Wnendt, aufgrund von Terminschwierigkeiten absagen musste. Wnendt mag mehr Pop sein, aber Akin bringt genau das richtige Gespür mit für die beiden 14-jährigen Hauptfiguren, die Herrndorf als moderne Versionen von Tom Sawyer und Huckleberry Finn konzipiert hatte: Im gestohlenen Lada brechen sie auf von Berlin in Richtung Walachei. Die beiden ungleichen Freunde, Maik aus gutbürgerlichem Hause und der russische Spätaussiedler Tschick, eint, dass sie sich als Pariahs fühlen und unbedingt weg wollen.

Akins Film ist immer dann am besten, wenn er bei dem charmanten, witzigen und schließlich auch bewegenden Roadtrip ganz nah dran bleibt am Roman. Also meistens. Denn obwohl er die Vorlage entschlackt und damit den Fokus auch ein wenig verengt hat (was angesichts der knappen Laufzeit von nicht einmal 100 Minuten vielleicht gar nicht nötig gewesen wäre), finden sich die besten Dialoge und Momente auch im Film haargenau wieder, wie man sie kennt (und liebt). Anand Batbileg und Tristan Göbel - der ein Wiedergänger von Patrick Fugit in "Almost Famous" sein könnte - sind echte Entdeckungen, wie sie als ungelenke Jungs in ein Abenteuer starten, das als deutsche Antwort auf "Stand By Me"oder "Breakfast Club" jederzeit funktioniert, in dem sich surreale und anrührende Momente zu einem Gefühlszustand verdichten, der all die Konfusion und Existenzangst der Adoleszenz einerseits mit universeller Gültigkeit einfängt und doch auch klar im Hier und Jetzt verortet.

Tschick, wie von Fatih Akin mit Unterstützung von Hark Bohm ersonnen, ist ein "Im Lauf der Zeit" mit jugendlichen Helden, verweist aber auch auf Bohms Jugendfilme aus den Siebzigern, auf "Nordsee ist Mordsee" und vor allem auf "Moritz lieber Moritz". Und entspricht damit ganz sicher der Maßgabe von Wolfgang Herrndorf, dem es so wichtig war, dass aus seinem Buch keine typische deutsche Komödie wird. Wenn Akin hier auch ein bisschen der ungestüme Rock'n'Roll seines "Gegen die Wand" fehlen mag: Sein Film ist ein Jugendfilm, der Bestand haben wird. Weil Schmerzen und Wünsche und Träume und Ängste seiner Protagonisten immer ganz echt wirken. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 15.09.2016

Deutschland 2016

Länge: 1 h 33 min

Genre: Drama

Originaltitel: Tschick

Regie: Fatih Akin

Drehbuch: Hark Bohm, Fatih Akin, Lars Hubrich

Musik: Vince Pope

Produktion: Susa Kusche, Susa Kusche, Marco Mehlitz

Kostüme: Anna Wübber

Kamera: Rainer Klausmann

Schnitt: Andrew Bird

Ausstattung: Jenny Roesler

Website: http://www.tschick-film.de