Kinostart: nicht bekannt

Die Handlung von Rosewood

Kleinstadtidylle im "schwarzen" Rosewood: Alle gehen freundlich miteinander um und selbst ein Fremder wird herzlich in ihrer Mitte aufgenommen. Doch die Idylle wird Opfer der Flammen, von den aufgebrachten Bewohnern des "weißen" Nachbarortes Sumner entfacht, die nach einer angeblichen Vergewaltigung durch einen Farbigen den Schuldigen suchen und ihn in der gesamten Anwohnerschaft, einschließlich Frauen und Kinder, finden. Der einsame Fremde und ein weißer Kolonialwarenhändler tun sich zusammen, um zumindest die Kinder vor dem Massaker zu retten.

Die beiden kleinen Städte das "schwarze" Rosewood und das "weiße" Sumner existieren problemlos nebeneinander. Diese Idylle wird schlagartig gestört, nachdem die weiße Bevölkerung in Rosewood nach einem angeblichen Vergewaltiger sucht. Die Situation eskaliert. Actionreiches Drama nach einem authentischen Fall.

Kritik zu Rosewood

Von der Idylle mit unterschwelligem Brodeln zu einer Dauerexplosion von Gewalt führt die vierte Regiearbeit des New Black Cinema-Meisters John Singleton, der in seiner an authentischen Ereignissen orientierten epischen Ballade vom rauhen Rassismus und sozialpsychologischen Sprengstoff anno 1923 schwarzes Bewußtsein in Hollywoods Mainstream kerbt. "In the Heat of the Night" meets "Glory" mit dem Monumentalanspruch von Kollege Spike Lees "Malcolm X".

Das Ereignis selbst ist diesen Anspruch wert. Rosewood ist im Florida der prosperierenden Nachkriegsjahre eine Bilderbuchstadt für Schwarze, die so gesittet, anständig und gepflegt erscheint, daß man von den Sandstraßen essen zu können meint. Singleton nutzt seine lange Exposition, um anhand einer Vielzahl schwarzer und weißer Charaktere und der drei handlungsentscheidenden Ortschaften die spätere Dynamik der Action-Szenen konsequent durchzuspielen. Denn was mit der falschen Aussage einer hysterisierten Weißen, sie sei von einem Schwarzen angegriffen und geschlagen worden, in Sekundenschnelle zu einer Vergewaltigung wird, artet in Mob-Sequenzen des white trash des Südens aus, wie sie in dieser Härte, Detailspezifik und ausgespielten naturalistischen Grausamkeit in der Filmgeschichte einmalig sind.

Die jagdbesessenen Einwohner des weniger blühenden Städtchens Sumner bringen kaltblütig und systematisch die Schwarzen von Rosewood um und jagen Frauen und Kinder in die Sümpfe, wo sie von zwei Männern, einer schwarz, einer weiß, in einer atemberaubenden Verfolgungsjagd in letzter Minute mit einem Zug gerettet werden können. Bis 1993, als es für die Hinterbliebenen der Opfer (zu) späte Entschädigungen gab, war Rosewood eines der dunklen Geheimnisse der US-Geschichte.

Über die Rekonstruktion und hyperdramatischen Inszenierung der authentischen Story hinaus gewinnt John Singleton durch die grandiose Zeichnung der Ambivalenz der Hauptfiguren, deren einmaliger Akt von Mut aus anfänglicher Feigheit erwächst. Sowohl Ving Rhames, "Pulp Fiction"-Charakterkopf und "Mission: Impossible"-Megahacker, als auch der sympathische Jon Voight, unvergessener "Asphalt Cowboy" und "Coming Home"-Veteran, werden erst durch die Umstände zu unfreiwilligen Helden. Voight als Krämerseele mit Todestrauma und lässig rassistischem Sexismus (eine sehr moderne Figur) und Rhames als Kriegsveteran mit kapitalistischem Gebaren sind das attraktive Gegenspielerduo, bei dem bis zum Schluß mit Überraschungen zu rechnen ist.

Singletons Regiestil, zwischen Sam Peckinpah und John Ford, nutzt den Horror von Rosewood für eine errregend furiose schwarze amerikanische Tragödie, die dank ausgezeichneter Nebenrollen, ausgefeilter Breitwandkamera und eines enorm stimmigen Produktionsdesigns trotz des heißen Themas pures Kino schafft, das dank seines Spannungswertes ein größeres Publikum erreichen sollte. ger.

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Info

Plakat des Films: Rosewood

Kinostart: nicht bekannt

USA 1996

Genre: Drama

Originaltitel: Rosewood

Regie: John Singleton

Drehbuch: Gregory Poirier

Musik: John Williams

Produktion: Jon Peters

Kamera: Johnny E. Jensen

Schnitt: Bruce Cannon

Ausstattung: Chris Gorak, Paul Sylbert