Jean-Pierre Jeunets neuer Superhit: Die "fabelhafte Amélie" heißt jetzt "Mathilde" und sucht nach ihrem im ersten Weltkrieg verschollenen Verlobten.

Kinostart: 27.01.2005

Audrey Tautou

Audrey Tautou
als Mathilde

Gaspard Ulliel

Gaspard Ulliel
als Manech

Jean-Pierre Becker
als Lieutenant Esperanza

Dominique Bettenfeld
als Ange Bassignano

Clovis Cornillac
als Beno

Marion Cotillard
als Tina Lombardi

Jean-Pierre Darroussin
als Benjamin Gordes

Julie Dépardieu
als V

Jean-Claude Dreyfus
als Commandant Lavrouye

André Dussollier
als Rouvi

Ticky Holgado
als Germain Pire

Tchéky Karyo
als Captain Favourier

Jerôme Kircher
als Bastoche

Denis Lavant
als Six-Sous

Chantal Neuwirth
als B

Dominique Pinon
als Sylvain

Jean-Paul Rouve
als Postbeamter

Michel Vuillermoz
als Louis

Thierry Gibault
als Lieutenant Estrangin

Jodie Foster
als Elodie Gordes

Handlung

Ende des Ersten Weltkriegs an der Somme-Front. Weil sie sich aus Hoffnung auf eine verfrühte Heimreise selbst verstümmelten, entsendet die französische Heeresleitung fünf arme Rekruten-Schweine in den scheinbar sicheren Tod im Niemandsland zwischen den Fronten. Mathilde (Audrey Tautou), junge Verlobte des nunmehr offiziell gefallenen Manech (Gaspard Ulliel), will nicht an dessen Tod glauben. Sie geht auf eigene Faust auf die Suche nach der Wahrheit hinter den militärischen Verlautbarungen.

Das komplexe Grauen des Krieges in all seiner schnörkellosen Drastik trifft den verspielten, fantasievollen Stil jenes Mannes, der uns "Die fabelhafte Welt der Amélie" brachte. Es gab viel Trouble um den Film, da er durch amerikanische Gelder finanziert wurde, doch die hohen Erwartungen werden voll und ganz erfüllt.

Im Januar 1917 werden fünf französische Soldaten auf dem Schlachtfeld in den sicheren Tod geschickt, weil sie sich selbst verstümmelt haben, um dem Wahnsinn des Krieges zu entfliehen. Einer der Fünf ist Manech, Verlobter von Mathilde, die nicht wahr haben will, dass ihr Geliebter tot sein soll. Sie schickt einen Detektiv aus, der die Wahrheit entschlüsseln soll, und macht sich gleichzeitig selbst auf den Weg, Manech zu finden.

Januar 1917. Fünf französische Soldaten werden in den sicheren Tod geschickt, weil sie sich absichtlich selbst verstümmelt haben, um so dem Grauen des Krieges entrinnen zu können. Einer von ihnen ist Maneche, der Verlobte von Mathilde. Weil diese einfach nicht glauben will, dass ihr Geliebter auf dem Schlachtfeld sein Leben ließ, heuert sie einen Privatdetektiv an, der die Suche nach ihm aufnehmen soll. Gleichzeitig beginnt Mathilde eigene Recherchen anzustellen und stößt dabei auf abenteuerlichste Hinweise und erfährt skurrilste Anekdoten.

Kritik

Die fabelhafte Welt des Jean-Pierre Jeunet: Nachdem er bereits in seinem Sensationshit "Die fabelhafte Welt der Amélie" vor drei Jahren die Liebe gegen alle Widrigkeiten triumphieren ließ, setzt er auch im Nachfolger auf große Gefühle und die Unwiderstehlichkeit seines "Amélie"-Stars Audrey Tautou. Ambitionierter und aufwändiger als der Vorgänger und mit einem Budget von 47 Mio. Euro ist "Mathilde - Eine große Liebe" eine der teuersten europäischen Produktionen aller Zeiten - und in allen Belangen französisch, auch wenn sie laut gerichtlicher Entscheidung nicht als heimische Produktion anerkannt wird. Jeunet erzählt darin in dem für ihn typischem, vor Fabulierlust und skurrilen Humor überbordenden Stil von einer jungen Frau aus der Provinz, die auch zwei Jahre nach Beendigung des Ersten Weltkriegs nicht glauben will, dass ihr Verlobter auf dem Schlachtfeld in den Tod geschickt wurde.

Die Leinwand, auf der er malt, ist größer, die Geschichte ist ernster und epischer, die Jeunet zur Verfügung stehenden Mittel vielfältiger. Doch trotz der erkennbar gewachsenen Ambition und des insgesamt düstereren Tons ist "Mathilde" unverkennbar ein Film von Jeunet, der wie in "Amélie" auf einen allwissenden und omnipräsenten Erzähler und zahllose erzählerische Umwege setzt, mit denen schlaglichtartig Hintergründe über Figuren, Orte und Begebenheiten angerissen werden. Anders als in seinem weltweit gefeierten Durchbruch, eine Ode an Paris, zusammengesetzt aus einem drolligen Sammelsurium von Einfällen, Erinnerungen und Klischees zu einer Art finalem Puzzle, rankt sich die Liebe hier um eindeutig Handfesteres, den Ersten Weltkrieg.

Ihm bringt der Filmemacher auch jederzeit den gebührenden grimmigen Ernst entgegen: Seit "Wege des Ruhms" hat kein Film mehr Agonie, Schmerz und Leid der Soldaten im ersten großen Krieg des 20. Jahrhunderts so präzise und unerbittlich dargestellt wie "Mathilde". Anfangs mögen die verrückten Ausflüge der Fantasie, mit denen Jeunet seinen Film immer wieder dem dreckverklumpten Jammertal der Schützengräben entreißt, zuviel oder gar unangemessen erscheinen. Tatsächlich aber lindern die rasend montierten Anekdoten nie den Horror: Indem er Glück und Leid, Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Tod aufeinanderprallen lässt, forciert Jeunet den Schrecken sogar noch.

Wie gleich in der ersten Szene des Films, in dem fünf junge Männer im Januar 1917 in den sicheren Tod in einem zwischen Franzosen und Deutschen heftig umkämpften Schlachtfeld geschickt werden, weil sie sich selbst verstümmelt haben, um dem Wahnsinn des Krieges zu entfliehen. Einer der Fünf ist Manech, Sohn eines Leuchtturmwärters, der Verlobte von Mathilde, die nicht wahr haben will, dass ihr Geliebter tot sein soll. Sie schickt einen Detektiv, die Wahrheit über die nur unklar übermittelten Ereignisse von Bingo Crepuscule - wie das französische Frontlager genannt wird, zu entschlüsseln und macht sich gleichzeitig selbst auf den Weg, Manech zu finden. In einem mutigen, ambitionierten und gewagten filmischen Drahtseilakt führt Jeunet die Elemente des Kriegsdramas und das Liebesmärchens in einer brillant konzipierten Detektivgeschichte zusammen, die das Massaker im Januar 1917 bis zu ihrer verblüffenden Auflösung immer wieder in einem anderen Licht dastehen lassen.

Überhaupt ist Jeunets perfekte Handhabung filmischer Mittel Ehrfurcht gebietend. In der unvergesslichsten Szene lässt er in einem zum Lazarett umfunktionierten Warenlager einen dort verstauten Zeppelin wie in Zeitlupe nach oben schweben, um den Mechanismus einer im Dach steckenden Fliegerbombe auszulösen und eine unfassbare Flammenhölle zu entfesseln. Dass die handelnden Figuren, die eigentlich bezaubernde Mathilde eingeschlossen, in diesem Szenario bisweilen zu Marionetten degradiert werden und der Film so sein emotionales Potenzial nicht komplett entfalten kann, ist verzeihlich in einem Epos, das allein mit seiner visuellen Wucht begeistert. Weil die Figuren, neben der rehäugigen Tautou u. a. von Jodie Foster, André Dussollier, Tcheky Karyo und Jeunet-Regular Dominique Pinon (als Mathildes Vater), allerdings etwas in der Luft hängen und vor allem der vermisste Manech in seinen wenigen Rückblenden wenig charismatisch skizziert wird, fällt es womöglich schwer, "Mathilde" in gebührendem Maß zu lieben - was dem Abschneiden am Boxoffice keinen Abbruch tun sollte, wie die Ergebnisse aus Frankreich nachhaltig unterstreichen. ts.

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Info

Plakat des Films: Mathilde - Eine große Liebe
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 27.01.2005

Frankreich/USA 2004

Länge: 2 h 13 min

Genre: Drama

Originaltitel: Un long dimanche de fiançailles

Regie: Jean-Pierre Jeunet

Drehbuch: Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant

Musik: Angelo Badalamenti

Produktion: Francis Boespflug

Kostüme: Madeline Fontaine, Catherine Boisgontier

Kamera: Bruno Delbonnel

Schnitt: Hervé Schneid

Ausstattung: Aline Bonetto

Website: http://www.mathilde-derfilm.de