Drama um eine arbeitstätige Mutter und ihr schwangeres Kindermädchen, das zum Thriller mutiert.

Kinostart: 28.01.2016

Handlung

Die in Frankfurt/Main lebende Tessa will wieder arbeiten und braucht ein Kindermädchen. Sie findet es in der jungen Griechin Elena, die Athen verlassen hat, um ein besseres Leben anderswo zu suchen. Da verschwindet Tessas Kind aus dem Buggy, während Elena aufpassen sollte. Und auch Elena ist verschwunden. Tessa macht sich auf die Suche.

Kritik

Um Geschlechterrollen, Wirtschaftskrise, Schuld und Vergebung kreist Christian Züberts Mix aus Drama und Thriller, der auch mit seiner Struktur besticht.

Zwei Frauen, zwei Schicksale. Die eine wohl situiert, die andere ohne Job und Perspektive. Die eine lebt in Frankfurt, die andere in Athen. Elena beschließt, in Deutschland ihr Glück zu versuchen, eine Freundin hat ihr einen Job in einem gut besuchten Nachtclub besorgt. Kaum in der Main-Metropole angekommen, stellt sie fest, dass sie schwanger ist. Sie muss sich nach einer anderen Arbeit umsehen und kommt bei einem jungen Paar als Kindermädchen unter. Die Frau, Tessa, will wieder im Arbeitsleben Fuß fassen, Elena soll tagsüber auf ihr Baby aufpassen.

Eine vermeintlich einfache Geschichte, basierend auf einem Drehbuch, das Christian Zübert zusammen mit seiner Frau Ipek verfasst hat. Klar und funktional hält der ausgezeichnete Kameramann Ngo The Chau ("Banklady") die Bilder, dynamisch ist die Inszenierung, präzise werden die Charaktere gezeichnet und in ihrem Milieu verankert. Als Drama über die Wirtschaftskrise beginnt "Ein Atem", erzählt aus Elenas Blickwinkel. Entschlossen setzt sich zunächst die junge Frau im Kapitel "Elenas Reise" in den Bus. Genervt von ihrem antriebsschwachen Freund, der in Athen als Fremdenführer "Crisis Tours" anbietet, macht sie sich auf die Suche nach einem besseren Leben.

Nur um bei der (zunächst) wenig sympathischen Tessa zu landen, die meint, Kinderbetreuung mittels Excel-Tabelle organisieren zu können. Wenig Mitgefühl bringt sie für die junge Griechin auf, zur Katastrophe kommt es, als das Kleinkind aus seinem Buggy verschwindet - und mit ihr die Nanny. Perspektivwechsel. "Tessas Reise" steht nun an - der Film mutiert zum Thriller. Dabei bleibt der Regisseur hautnah bei seinen vielschichtigen Figuren und deren Emotionen. Es geht nicht um das, was passiert, sondern das, was die Geschehnisse mit den Personen machen. So sind Zuschauer wie Protagonisten einem ständigen Wechselbad der Gefühle ausgesetzt.

Zübert, gewohnt stark in punkto alltagsrealistischer Sprache und natürlich wirkenden Dialogen, bezieht nie Stellung. Er wertet nicht, beobachtet nur und man beginnt die Frauen gleichermaßen zu schätzen und verstehen - in ihrer Wut, ihrer Trauer und ihrem (Un-)Glück. Ob nun die stets überzeugende Jördis Triebel als gestresste Wohlstandsmama oder die ausdrucksstarke Newcomerin Chara Mata Giannatou als überforderte Migrantin, die beide ihren schwachen Männern überlegen sind. Sie sind nur zwei Seiten einer Medaille, siehe Titel - zwei Frauen, ein Schicksal. geh.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 28.01.2016

Deutschland/Griechenland 2015

Länge: 1 h 40 min

Genre: Drama

Originaltitel: Ein Atem

Regie: Christian Zübert

Drehbuch: Christian Zübert

Produktion: Sonja Ewers, Ulf Israel, Costas Lambropoulos

Kostüme: Susann Bollig, Sarah Raible

Kamera: Ngo The Chau

Schnitt: Mona Bräuer

Ausstattung: Manfred Döring