Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

Kinostart: 18.02.2010

Ewan McGregor

Ewan McGregor
als Ghostwriter

Pierce Brosnan

Pierce Brosnan
als Adam Lang

Kim Cattrall

Kim Cattrall
als Amelia Bly

Olivia Williams
als Ruth Lang

Tom Wilkinson
als Paul Emmett

Timothy Hutton
als Sidney Kroll

Jon Bernthal
als Rick

David Rintoul
als Fremder

Robert Pugh
als Richard Rycart

Eli Wallach
als Alter Mann

James "Jim" Belushi
als James Maddox

Die Handlung von Der Ghostwriter

Nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren wird ein renommierter Ghostwriter engagiert, das Verfassen der Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang zu übernehmen. Dazu erhält er das ursprüngliche, in seinen Augen unbrauchbare Manuskript und exklusive Sessions mit Lang, der sich mit seiner Entourage, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, in der Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard befindet. In die ohnehin angespannte Atmosphäre platzt die Nachricht, dass Lang gemeinsame Sache mit der CIA gemacht haben soll. Der Ghostwriter sticht in ein Wespennest und ist sich schnell seines Lebens nicht mehr sicher.

Nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren wird ein renommierter Ghostwriter engagiert, das Verfassen der Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu übernehmen. Dazu erhält er das ursprüngliche Manuskript und Sessions mit Lang, der sich mit seiner Entourage, darunter Ehefrau Ruth und Assistentin Amelia, in der Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard befindet. In die angespannte Atmosphäre platzt die Nachricht, dass Lang gemeinsame Sache mit der CIA gemacht haben soll. Der Ghostwriter sticht in ein Wespennest.

Kritik zu Der Ghostwriter

Bissiger Politthriller nach Bestsellervorlage von Robert Harris, mit dem Roman Polanski beweist, dass er weiterhin ein Meister unterschwelliger Spannung und beklemmender Atmosphäre ist.

Man stecke Menschen in einen Raum, riegele ihn hermetisch ab, packe den Deckel drauf und erhöhe konstant den Druck. Und dann sieht man zu, was passiert. Roman Polanski liebt diese Szenarien. Es fällt nicht schwer zu sehen, was den Regisseur, als die Finanzierung für die ursprünglich geplante Verfilmung von Robert Harris' "Pompeji" aufgrund eines möglichen Schauspielerstreiks (der nicht kam) den Weg alles Irdischen ging, ganz spontan an Harris' "Der Ghostwriter" begeisterte: Diese in einen Politthriller verpackte Abrechnung mit der Ära Blair ist ein Kessel, der unter ganz besonders hohem Druck steht, zumal eine persönliche Komponente gewiss auch eine Rolle gespielt haben dürfte: So sehr der ehemalige britische Premier dieser Geschichte, Adam Lang, auch Tony Blair ähneln mag, die Tatsache, dass er im Verlauf der Geschichte vor der Situation steht, nur noch drei Länder betreten zu dürfen, in denen er nicht fürchten muss, verhaftet zu werden, dürfte der Regisseur sicherlich als Parallele zu seiner eigenen Situation verstanden haben.

Fast sklavisch genau hält sich Polanski in seiner zwar in den USA spielenden, aber fast komplett in Deutschland gedrehten Verfilmung an die Vorlage: Der Roman ist in diesem Fall das Drehbuch, ein bisschen gestrafft an Stellen, der Showdown ist nicht ganz so spektakulär, aber deutlich ambivalenter als in der Vorlage, und am Ende hat Polanski ein bisschen gedoktert, aber sonst findet man fast ein buchstäbliche Übersetzung der Seiten auf der Leinwand. Und doch ist man überrascht, wie unverkennbar Polanski der Film ist, wie er sich diesen Stoff bei aller Ruhe und Umsicht, mit der er die Geschichte erzählt, zu eigen gemacht, wie er mit scheinbar einfachen Kompositionen eine ungute Stimmung beschwört, wie man sie aus "Rosemaries Baby" oder "Der Mieter" aber auch "Der Pianist" kennt. Natürlich ist die Hauptfigur ein idealer Polanski-Held. In den Sechzigerjahren hätte Polanski ihn sicherlich selbst gespielt, diesen namen- und auch weitgehend gesichtslos bleibenden Ghostwriter erfolgreicher Celebrity-Biographien, der nach dem mysteriösen Ableben des ursprünglichen Autoren engagiert wird, binnen kürzester Zeit die Memoiren des ehemaligen britischen Premiers Adam Lang zu verfassen. Justament in diesem Moment gerät der ins Kreuzfeuer der Weltpresse, weil er auf verhängnisvolle Weise in CIA-Machenschaften während des Irakkrieges verstrickt gewesen sein soll. So wird dessen Aufenthaltsort in einer Villa eines Mäzens auf Martha's Vineyard zum Gefängnis für alle Anwesenden, die ihr grausames Spiel miteinander spielen: Lang selbst, dessen blitzgescheite Frau Ruth und seine attraktive Assistentin Amelia. Am Ende der Nahrungskette sieht der Schattenmann hilflos zu. Er ist selbst nur ein Geist im Geschehen und darf nicht eingreifen. Gleichzeitig wird er aber auch vom Geist des ursprünglichen Autoren verfolgt, dessen in seinen Augen unbrauchbares Manuskript er bearbeiten soll in dieser kalten, durchgestylten Villa, die wie ein Bunker in die Dünen gebaut ist. Dann offenbaren sich dem passiven Helden Indizien, die ihn zwingen, zur Tat zu schreiten, weil er mit einem Mal einer ungeheuerlichen Wahrheit auf der Spur ist. Die ist so flüchtig wie der Sand draußen auf der Veranda, den der vietnamesische Hausmeister Tag für Tag kehrt, ohne jemals Fortschritte zu machen: Alles Bemühen ist hier umsonst.

Ein bisschen bequem wird geplottet im zweiten Akt, manch ach so großes Geheimnis ist doch nur ein paar Klicks auf dem Computer entfernt. Und doch lässt "Der Ghostwriter" seine unheilvolle Atmosphäre wirken wie ein langsames Nervengift: Der Film mit seinem von anderen Kräften gesteuerten Helden, dem immer nur gesagt wird, was er zu tun hat, ob nun von seinen Auftraggebern oder einem Navi-System, ist unwiderstehlich, eine eindringliche Meditation über die Geister, die man ruft - Geister, wie sie allgegenwärtig sind in den Filmen des 76-jährigen Regisseurs. In "Ekel" kommen sie buchstäblich aus den Wänden, die Lady Macbeth wird von ihnen in den Wahnsinn getrieben und "Der Mieter" in den Selbstmord. Geister überall, die dafür sorgen, dass Polanskis Protagonisten zunehmend den Boden unter den Füßen und die Kontrolle über die Situation verlieren. Wie in "Der Ghostwriter": Ewan McGregor, dem Farblosigkeit vorgeworfen wurde, ist eben genau richtig als ewig passiver Spielball von Mächten, die er nicht durchschaut und schon gleich gar nicht lenken kann. Immer ist da einer, der für die anderen die Strippen zieht. So gelingt Roman Polanski en passant auch ein allgemeingültiger Film über Macht, auch wenn er sich nie aufdrängt: Er erzählt einfach nur seine Geschichte. Der Rest ergibt sich wie von Geisterhand. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 18.02.2010

Deutschland/Frankreich/Großbritannien 2010

Länge: 2 h 8 min

Genre: Thriller

Originaltitel: The Ghost Writer

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Roman Polanski

Musik: Alexandre Desplat

Produktion: Roman Polanski, Robert Benmussa, Alain Sarde

Kostüme: Dinah Collin

Kamera: Pawel Edelmann

Schnitt: Hervé de Luze

Ausstattung: Albrecht Konrad

Website: http://www.ghostwriter.kinowelt.de/

Auszeichnungen

1 x Berlinale: