Tragikomödie um das exakte Gewicht mit trockenem Humor, skurrilen Figuren und ästhetischer Strenge umgesetzt.

Kinostart: 18.12.2014

Handlung

Im Auftrag des norwegischen Eichamts kontrolliert Wissenschaftlerin Marie die Messgeräte des Landes. Als ihr Vater einen Herzinfarkt erleidet, fährt sie an seiner Stelle nach Paris, um das norwegische Referenzkilogramm anhand des französischen Urkilos überprüfen zu lassen. Dabei lernt sie einen charmanten Franzosen kennen, der seine akademische Karriere an den Nagel gehängt hat. Bei einem neuerlichen Besuch trifft sie ihn wieder und plötzlich kommt ihr das eigene bis ins Detail geregelte Leben ziemlich klein vor.

Kritik

Komödie mit super-trockenem Humor über eine kontrollierte Wissenschaftlerin, die bei einem Parisbesuch Lust am Leben entdeckt.

Schon in "Kitchen Stories" oder "Faktotum" zeigte sich Bent Hamer als Regisseur, der mit wenig Worten viel sagen kann. Auch in seiner neuen Komödie ist die Protagonistin das Gegenteil einer fröhlichen Plaudertasche. Ernst geht sie durchs Leben, das es gerade nicht gut mit ihr meint. Die Ehe ist gescheitert, der Exmann holt nach und nach die Möbel aus der Wohnung, was sie in stoischer Ruhe vom kleinen Elektroauto aus beobachtet. Ihr Vater erleidet einen Herzinfarkt und sie fährt an seiner Stelle nach Paris, um das norwegische Referenzkilogramm anhand des französischen Urkilos überprüfen zu lassen. Dabei trifft sie auf einen spontanen Franzosen und ahnt, dass es mehr geben muss als dröge Wissenschaft. Bei einem weiteren Besuch in der Seinestadt begegnen sie sich wieder und die akribische Überprüferin von Messgeräten für das norwegische Eichamt versteht plötzlich, warum der Mann seine akademische Karriere an den Nagel gehängt hat und lieber gärtnert.

Liebevoll zeichnet Hamer, wie ein sehr kontrollierter Mensch sich vom Alten löst und Neuem öffnet. Ane Dahl Torp spielt diese Frau in berührender Kühle, Verletzbarkeit und freundlicher Distanz, die nichts und niemanden an sich herankommen lässt. Hamers ausgeprägtes Faible für skurrile und originelle Figuren schlägt voll durch. Wenn klugen Köpfe aus aller Herren Länder mit Regenschirmen und ihren Kilobehältern im Gänsemarsch durch den Park marschieren, "die Mutter aller Kilos" ehrfürchtig bestaunen wie das siebte Weltwunder oder engagiert diskutieren, ob man das Referenzkilo vor dem Wiegen reinigen soll oder nicht, ist das nicht nur absurd, sondern äußerst komisch. Komisch ist auch der Blick auf lächerliche Zollrituale am Flughafen. Die Beantwortung der Frage "wie viel wiegt ein Kilo genau?" spielt mit neuen Ungewissheiten und Unsicherheiten und entwirft damit auch das Kaleidoskop einer aus den Fugen geratenen Zeit. Genau kadrierte und in strenger Ästhetik gehaltene Bilder weisen allein durch die Farbgebung auf die gegensätzlichen Universen hin - hier das kühle Blau der Welt der Maßeinheiten und einer von Einsamkeit und Ordnung geprägten Existenz, da die warmen Farben von Paris, die Dynamik, liebenswertes Chaos und Emotion signalisieren. Das unaufgeregte Geschehen ist eine Herausforderung an die Geduld, die Warmherzigkeit, Poesie und Hamers tiefer Humanismus die große Belohnung dafür. mk.

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Info

Kinostart: 18.12.2014

Norwegen/Frankreich/Deutschland 2014

Länge: 1 h 31 min

Genre: Drama

Originaltitel: 1001 Gram

Regie: Bent Hamer

Drehbuch: Bent Hamer

Musik: John Erik Kaada

Produktion: Bent Hamer

Kostüme: Olivier Ligen

Kamera: John Christian Rosenlund

Schnitt: Anders Refn

Ausstattung: Tim Pannen, Astrid Strøm Astrup, Alain Guffroy

Website: http://1001-gramm.pandorafilm.de