The Bikeriders
20.06.2024, von Frank Keilacker

Visuell beeindruckend: Wie Kritiker auf „The Bikeriders“ blicken

Jeff Nichols hat heute „The Bikeriders“ in den deutschen Kinos vorfahren lassen. Doch kann sein neuer Film mehr als nur Nostalgie verströmen?

Basierend auf Danny Lyons Fotobuch über eine Motorradgang in den 1960er Jahren, bietet der heute in den Kinos angelaufene „The Bikeriders“ eine nostalgische Reise in eine vergangene Ära, geprägt von Lederjacken, Motorrädern und rebellischer Romantik. Der von Jeff Nichols inszenierte und geschriebene Geschichtstrip erhält in Kritiken recht viel positive Resonanz, auch wenn es durchaus ein paar Schwächen gibt.

Viele professionelle Rezensenten preisen dabei vor allem die visuelle Umsetzung und die stilistische Hommage an vergangene Filmklassiker. Danny Leigh („Financial Times“) betont den nostalgischen Charme des Films, der an die Glanzzeiten Hollywoods erinnere und mit Stars wie Austin Butler, Tom Hardy und Jodie Comer glänze. Leigh hebt hervor, dass Werke von Marlon Brando und Martin Scorsese geschickt referenziert werden, was den Film zu einer Reise in die amerikanische Mythologie mache.

Die Besetzung kommt ebenfalls durchweg sehr gut an, wobei besonders die Darstellungen von Tom Hardy und Austin Butler herausragen würden. Beth Webb („Empire“) beschreibt Butler als eine aufstrebende Filmikone, die mit einer magnetischen Präsenz überzeuge. Hardy, so Emily Zemler („Observer“), bringe eine beeindruckende Menschlichkeit in seine Rolle als Anführer der Gang, obwohl seine Darstellung teils übertrieben wirke. Der Brite Peter Bradshaw („The Guardian“) lobt Jodie Comer für ihre lebhafte Darstellung der Kathy und ihren gelungenen Chicagoer Akzent, während einige US-Kritiker wie Kristen Lopez („Kristomania“) genau diese Aussprache als problematisch empfinden. In der deutschen Synchronfassung muss man sich mit dieser Debatte natürlich nicht befassen.

Die narrative Struktur des Films wird ganz unterschiedlich bewertet. Roger Graham („Little White Lies“) hebt die tiefe Verbundenheit und Kameradschaft innerhalb der Gang hervor, kritisiert jedoch die mangelnde Tiefe in der Darstellung der Motorräder, die den Charakteren so viel bedeuten. Barry Hertz („The Globe and Mail“) beschreibt den Film als „anthropologisches Drama“, das allerdings eine gewisse Distanz zu seinen Figuren wahre und daher nicht vollständig packend wirke. Emily Zemler („Observer“) bemängelt, dass die nicht-lineare Erzählweise manchmal verwirrend sei und die Figuren über die Zeit kaum altern oder sich verändern. Trotz dieser Kritikpunkte findet sie „The Bikeriders“ insgesamt unterhaltsam und ästhetisch ansprechend.

Peter Debruge („Variety“) betont, dass Nichols ein Talent für die Darstellung des Lebens im Mittleren Westen der USA habe und in „The Bikeriders“ einen authentischen Einblick in einen sozialen Mikrokosmos biete. Er preist die visuelle Ästhetik und die menschliche Dimension, die der Film vermittelt. Maureen Lee Lenker („Entertainment Weekly“) hebt die Performances und die romantische Bildsprache hervor, kritisiert jedoch die fehlende narrative Kohärenz.

Mit seinen tollen Bildern und den starken schauspielerischen Leistungen ist „The Bikeriders“ wohl dennoch ein absoluter Tipp für alle, die mit der Thematik etwas anfangen können.


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