Kraftvolles Melodram vom "Am Ende kommen Touristen"-Regisseur. Darin trennen sich im letzten Jahr der DDR die Wege zweier eigentlich unzertrennlicher Schwestern.

Kinostart: 25.08.2011

Friederike Becht

Friederike Becht
als Doreen

Luise Heyer

Luise Heyer
als Isa

Franz Dinda

Franz Dinda
als Arne

Volker Bruch
als Nico

Hans-Uwe Bauer
als Balisch

Hannes Wegener
als Klaus

Albrecht Schuch
als Ronny

Handlung

Ein Jahr vor dem Ende der DDR reisen die beiden unzertrennlichen Zwillingsschwestern Doreen und Isabel ins sozialistische Ferienlager im westungarischen Balaton, ehemals Plattensee, um dort für ihre Karriere als Kaderruderer im Zweier ohne zu trainieren. Als sie ein Quartett versnobter, aber sympathischer Hamburger Jungs kennenlernen, schleichen sie sich nachts aus dem umzäunten Pionierlager, um verbotenerweise mit dem Klassenfeind zu feiern. Dabei verliebt sich Doreen in den sensiblen Arne und gerät in einen tiefen Gewissenskonflikt.

Kritik

Im letzten Jahr der DDR trennt eine deutsch-deutsche Sommerliebe zwei unzertrennliche Schwestern, woraus Robert Thalheim ein kraftvolles Melodram strickt.

"Never let me down again" singen die Synthie-Popper Depeche Mode programmatisch. Auch wenn der nostalgische Disco-Sound damit so voll aufdreht wie die Filmmusik - Robert Thalheim hat einen kleinen, persönlichen Film über die deutsche Teilung gedreht. Einen, der schwankt zwischen gefühlstrunkenem Liebesmelo und leicht sperrigem Sozialismus-Schwesterndrama, und trotzdem funktioniert. Die zunächst anheimelnde (N)Ostalgie weicht einer unverklärten Betrachtung deutsch-deutscher Differenzen, die Talheim behutsam und glaubhaft ausbreitet - wie sein Kritikererfolg "Am Ende kommen Touristen" mit großem Geschichtsbewusstsein.

Die strikt verbotene Annäherung an den westdeutschen Klassenfeind ist es, die zwei unzertrennliche und zunächst noch unbekümmerte Schwestern mit dem paranoiden politischen System ihres Staates kollidieren lässt. Dabei weht auf der Reise der Ruderinnen ins ungarische Ferienlager am Balaton, Europas flächengrößten Binnensee, ein Hauch von Freiheit, die sie, autoritätshörig, erst einmal für sich entdecken müssen. Aus der steifen Begegnung mit einem versnobten Wohlstandswessi-Quartett, die recht schematisch, mit unter holzschnittartig verläuft, entfaltet sich eine ungemein zarte Romanze, die vom Unglück der beiden Liebenden handelt. Der Ostblock ist für sie großes Gefängnis, aber auch Heimat.

Wie es Thalheim gelingt, trotz mancher oberflächlicher Dialoge herzergreifend von Unfreiheit und zugleich der einen großen Liebe zu erzählen, begeistert. Auch wegen den sensiblen Darsteller, besonders Friederike Becht und Franz Dinda, die im Herzen die Mauer einreißen. So wird der Loyalitätskonflikt zwischen Linientreue und Republikflucht auf die emotionale Ebene verlagert, wo Doreen sich zwischen ihrer innig geliebten Schwester und der Liebe ihres Lebens entscheiden muss. Daraus entsteht eine Fluchtgeschichte ohne Mauer-Pathos.

tk.

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Info

  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 25.08.2011

Deutschland/Ungarn 2011

Länge: 1 h 32 min

Genre: Drama

Originaltitel: Westwind

Regie: Robert Thalheim

Drehbuch: Susann Schimk, Ilja Haller

Musik: Christian Conrad

Produktion: Jörg Trentmann, Susann Schimk

Kostüme: Nadine Kremeier

Kamera: Eeva Fleig

Schnitt: Stefan Kobe, Oliver Grothoff, Christoph Sturm

Ausstattung: Susanne Abel

Website: www.zorrofilm.de

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