Aufsehenerregender Animationsfilm mit dokumentarischen Elementen, der den Erlebnissen eines jungen israelischen Soldaten im Libanonkrieg 1982 nachspürt.

Kinostart: 06.11.2008

Handlung

Der Regisseur Ari Folman kann sich nur noch dunkel an seinen Einsatz als junger Soldat im Libanonkrieg 1982 erinnern. Daraufhin besucht er alte Freunde und Kameraden, um die Lücken zu füllen - mit grausigem Ergebnis: Denn er hat ein berüchtigtes Massaker verdrängt, bei dem sie alle Zeugen wurden. Christliche Milizionäre töteten palästinensische Flüchtlinge in Sabra und Schatila, während die israelische Armee und zuständige Politiker zusahen.

Die Suche nach der historischen Wahrheit verpackt Ari Folmann als ungewöhnlichen Animationsfilm, der ähnlich wie "Persepolis" die politische Vergangenheit aufgreift. Poetische Bilder und Musik verwandeln Zeugeninterviews und Dokumentarmaterial in ein erschütterndes Erlebnis.

Als junger Mann war Ari Folman als Wehrpflichtiger der israelischen Armee im Libanonkrieg stationiert und wurde 1982 Zeuge des berüchtigten Massakers von Sabra und Schatila, bei dem christliche Milizionäre palästinensische Flüchtlinge töteten und die israelische Armee nicht eingriff. Jahre später hat er die Ereignisse verdrängt. Mit Hilfe von Zeitzeugen versucht er sich zu erinnern.

Als junger Mann war Ari Folman als Wehrpflichtiger der israelischen Armee im Libanonkrieg stationiert und wurde 1982 Zeuge des berüchtigten Massakers von Sabra und Schatila, bei dem christliche Milizionäre palästinensische Flüchtlinge töteten und die israelische Armee nicht eingriff. Jahre später hat er die Ereignisse verdrängt. Weil es dennoch in ihm brodelt, geht er gegen das eigene Vergessen vor. Mit Hilfe von Zeitzeugen versucht er sich zu erinnern und fördert dabei Erschütterndes zu Tage.

Kritik

Der Israeli Ari Folman begibt sich im ersten animierten Dokumentarfilm der Welt auf autobiografische Spurensuche und erzählt in sensationell innovativer Form von der Absurdität des Krieges und persönlichen Traumata.

Der Libanonkrieg 1982 und das Massaker in den Flüchtlingslagern Sabra und Shatila gelten immer noch als schwärende Wunde in Israel. So ist "Waltz with Bashir" nicht nur ein Aufsehen erregender Anti-Kriegsfilm, sondern stellt der damaligen Politikerkaste auch ein moralisches Armutszeugnis aus und zieht den Bogen bis in die Gegenwart. Die Zahl der unbewaffneten Männer, Frauen und Kinder, die von christlichen Falangisten aus Rache am Mord ihres Führers Bashir Gemayel und unter Duldung der israelischen Armee umgebracht wurden, geht in die Tausende. Als ein Freund und ehemaliger Kriegskamerad Folmans von seinen Albträumen berichtet, in denen immer wieder 26 Hunde hinter ihm herhecheln (Geister von Hunden, die er im Libanon erschießen musste), stellt der Autor, Produzent und Regisseur bei sich selbst einen totalen Erinnerungsausfall bezüglich seines eigenen Militäreinsatzes fest. Um die gelöschte Vergangenheit mit ihren grauenvollen Ereignissen in sein Gedächtnis zurückzurufen, interviewt er alte Freunde, Veteranen aus dem Libanonkrieg und Psychotherapeuten. Und ganz langsam tauchen sie auch bei ihm auf, die Erinnerungsfetzen und schemenhafte Bilder, die nach und nach ein schillerndes Mosaik aus Schuld und schlechtem Gewissen, Angst und verzerrter Wahrnehmung, Verdrängung und surrealen Situationen bilden. Titel gebend ist der "Tanz" eines Soldaten mit dem Gewehr und seine wilde Ballerei bei einer Straßenschlacht unter Plakaten von Gemayel. Stilistisch ähnelt Formans durch seine Intensität atemberaubendes Werk auf den ersten Blick Richard Linklaters "Waking Life" und "A Scanner Darkly". Aber er geht in der Technik weiter, lässt die realen Szenen und Interviews von Einzelbild zu Einzelbild nachzeichnen. So gewinnt die Illustrierung durch die kunstvolle Interpretation des Zeichners neue, mal poetische und märchenhafte Anmutungen, vor allem aber neue Schreckensdimensionen. Untermalt sind sie von einem eindringlichen Soundtrack, ein Mix aus 80er Jahre Musik, neueren Songs und Klassikern von Bach über Chopin bis Schubert. Die visuelle Verfremdung lässt die Wirklichkeit aber nicht der Vergessenheit anheim fallen. Denn die bricht am Ende mit Urgewalt herein: mit schockierende Archivaufnahmen von Leichenbergen in den Flüchtlingslagern, Trauer und Verzweiflung der Überlebenden. Der Zuschauer ist hautnah mit den tödlichen Tatsachen konfrontiert. mk.

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Info

Plakat des Films: Waltz with Bashir
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 06.11.2008

Australien/Belgien/Deutschland/Finnland/Frankreich/Israel/Schweiz/USA 2008

Länge: 1 h 30 min

Genre: Animation

Originaltitel: Vals Im Bashir

Regie: Ari Folman

Drehbuch: Ari Folman

Musik: Max Richter

Produktion: Serge Lalou, Roman Paul, Gerhard Meixner, Ari Folman, Yael Nahlieli

Effekte: Roiy Nitzan

Schnitt: Nili Feller

Website: http://waltz-with-bashir.pandorafilm.de

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