Die realistisch erzählte Geschichte eines illegalen tunesischen Einwanderers in Paris, dem eine Unbekannte die Scheinehe anbietet.

Kinostart: 06.06.2002

Élodie Bouchez

Élodie Bouchez
als Lucie

Sami Bouajila

Sami Bouajila
als Jallel

Aure Atika

Aure Atika
als Nassera

Bruno Lochet
als Franck

Olivier Loustau
als Antonio

Sami Zitouni
als Nono

Virginie Darmon
als Leila

Mustapha Adouani
als Mostfa

Carole Frank
als Barbara

Jean-Michel Fete
als Philippe

Manuel Le Lièvre
als Andr

François Genty
als Paul

Meryem Serbah
als Heiratende

Francis Arnaud
als Beamter

Nejib Nekaies
als Hocine

Bilal Ali
als Rosenverk

Martin Amic
als Benoit

Tonio Descanvelle
als Christophe

Michel Gionti
als J-P

Allain Naron
als Alain

Myriam Hove
als S

Philippe Huet
als Gitarrist

Mouloud Boukerche
als Mouloud

Handlung

Jallel hofft in Frankreich das Paradies auf Erden zu finden und dort in Freiheit leben zu können. Als er dort ankommt, wird er schnell ernüchtert: Nicht nur die Bürokratie stellt sich seinen Träumen in den Weg. Doch er gibt nicht so schnell auf. Eine Heirat mit Zufallsbekanntschaft Lucie könnte seinen Problemen ein Ende bereiten.

Kritik

Soziales Kino, nicht larmoyant, sondern unterhaltend und dennoch ernsthaft dargebracht. Das gelingt dem in Tunesien geborenen Abdellatif Kechiche mit traumhafter Sicherheit, wenn er von den Ausgeschlossenen der Gesellschaft erzählt, die ihr Existenzrecht einfordern. Eine warmherzige Geschichte über Freundschaft, Liebe und harte Realität.

Den Goldenen Löwe für den besten Debütfilm hat dieser bemerkenswerte Blick in soziale Wirklichkeit verdient. Da wird nichts beschönigt, aber auch nicht alles tiefschwarz gezeichnet. Jallel kommt aus Tunesien nach Paris, um mehr Geld zu verdienen. Seine Freunde raten ihm, sich als politisch verfolgten Algerier auszugeben, das erhöht die Chancen auf Legalität. Also wird auf dem Amt gelogen, was das Zeug hält - als Belohnung gibt's eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und ein Bett in einem Männerwohnheim. Bald verhökert er schwarz Obst und Rosen, verliebt sich in eine "Beurette", eine alleinerziehende Kellnerin maghrebinischer Herkunft. Die will ihn sogar pro forma heiraten, damit er im Land bleiben kann. Auf dem Standesamt verschwindet die Braut in Weiß jedoch plötzlich. Für Jallel bricht eine Welt zusammen. Kechiche, der jahrelang die Finanzierung zusammensuchte und dann den Film in sechs Wochen abdrehte, schildert das Leben der "sans papiers" (Ausweislosen) immer auf der Flucht vor Polizeikontrollen, ihre permanente Angst, aber auch ihre Sehnsüchte, Träume und glücklichen Momente. Die Figuren sind keine Opfer, sondern bis in die Nebenrolle hinein Persönlichkeiten mit eigener Identität. Sie lavieren am Abgrund entlang, fangen sich aber immer wieder und vergessen kurzfristig das Elend. Die Handkamera ist auf Augenhöhe, entwickelt Nähe zu den Protagonisten, für die der Regisseur kein Mitleid weckt, sondern Mitgefühl. Mit arabischer Fabulierkunst entführt er in die fremde Welt der Illegalen, lässt trotz Tristesse Poesie, Humor und Witz aufblitzen. Neben einem sympathischen Sami Bouajila und einer starken Eure Atika trumpft Elodie Bouchez auf, die mit sinnlicher Ausstrahlung den von Beziehungen enttäuschten Jallel wieder Gefühle spüren lässt. Sie spielt die verlorene junge Frau, die sich allen hingibt, um ihre seelische Verletzbarkeit zu kaschieren, rückhaltlos und zutiefst bewegend. Gerade als Normalität in greifbarer Nähe scheint, wird Jallel erwischt und abgeschoben. Die Hoffnung auf ein Stückchen Glück, zerstoben und zerstört. Vielleicht ist an allem wirklich Voltaire schuld, wie der Titel suggeriert, setzte sich der scharfzüngige Franzose doch für menschliche Wohlfahrt und Gerechtigkeit ein. Werte, die auch heute noch gültig sind oder sein sollten. mk.

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Info

Plakat des Films: Voltaire ist schuld

Kinostart: 06.06.2002

Frankreich 2000

Länge: 2 h 9 min

Genre: Drama

Originaltitel: La faute à Voltaire

Regie: Abdellatif Kechiche

Drehbuch: Abdellatif Kechiche

Produktion: Jean-François Lepetit

Kostüme: Catherine D'Halluin

Kamera: Dominique Brenguier, Marie-Emanuelle Spencer

Schnitt: Annick Baly, Tina Baz

Ausstattung: Quentin Prévost

Website: http://www.koolfilm.de/voltaire/voltaire.php4