Charlie Kaufmans neuer Streich: Jim Carrey und Kate Winslet lassen ihre Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit auslöschen - und fangen von vorne an.

Kinostart: 20.05.2004

Jim Carrey

Jim Carrey
als Joel Barish

Kate Winslet

Kate Winslet
als Clementine Kruczynski

Kirsten Dunst

Kirsten Dunst
als Mary

Mark Ruffalo
als Stan

Elijah Wood
als Patrick

Tom Wilkinson
als Dr. Howard Mierzwiak

Thomas Jay Ryan
als Frank

Jane Adams
als Carrie

David Cross
als Rob

Ryan Whitney
als Joel, Kind

Lola Daehler
als Clementine, Kind

Debbon Ayer
als Joels Mutter

Deirdre O'Connell
als Hollis

Handlung

Joel (Jim Carrey) staunt nicht schlecht, als ihm nach längerer Zeit die verflossene, doch immer noch heimlich begehrte Clementine (Kate Winslet) über den Weg läuft - ohne sich an ihn zu erinnern! Joel findet heraus, dass Clementine sich einer neuartigen Hirnklempnerei unterzogen hat, bei der unangenehme Erinnerungen gelöscht werden sollen. Um sich seinerseits nun Clementine aus dem Kopf zu schlagen, greift Joel zu derselben, fragwürdigen Therapie, um prompt, als er es sich mittendrin anders überlegt, in Teufels Küche zu geraten.

Charlie Kaufman

Als Joel entdeckt, dass seine Freundin Clementine die Erinnerungen an ihre turbulente Beziehung ausgelöscht hat, kontaktiert er Dr. Howard Mierzwiak, den Erfinder dieser Methode. Nach und nach verschwinden auch seine Erinnerungen an Clementine. Das Problem: Joel erinnert sich dabei an die Leidenschaft, die er und Clementine in den ersten Tagen ihrer Beziehung empfunden habe. Und nun kann er Clementine im wahrsten Sinne des Wortes nicht aus seinem Kopf bekommen.

Als Joel entdeckt, dass seine große Liebe Clementine mit Hilfe eines neuen Verfahrens alle Erinnerungen an ihn aus ihrem Gedächtnis löschen ließ, will auch er den Trennungsschmerz loswerden. Doch noch während die Techniker Episode für Episode aus seinem Gedächtnis tilgen, merkt er, wie wenig er sich doch von den lieb gewonnenen Gedanken an gemeinsam verlebte Zeiten trennen möchte. Verzweifelt versucht Joel den Vorgang rückgängig zu machen und einen Weg zu finden, der verflossenen Liebe noch eine Chance zu geben.

Kritik

Auf vertrackten und originellen Wegen führte Drehbuchgenie Charlie Kaufman mit "Being John Malkovich" ins Hirn eines Filmstars, in "Adaption" in sein eigenes, in "Human Nature" in das der gesamten Menschheit. Bei Letzterem sorgte erstmals der französische Clip-Profi Michel Gondry für die filmische Umsetzung (die Senator im Zuge von "Vergiss mein nicht!" nun endlich auch in Deutschland starten will), an der vereinzelt die fehlende Tiefe der Figuren und Kohärenz der Inszenierung bemängelt wurden. Dem wirkt bei der zweiten Arbeit von Kaufman und Gondry nun schon das Skript entgegen, das zweifellos Kaufmans bislang menschlichstes ist: Erzählt es doch von der Liebe und dem ganz normalen Beziehungsdrama und wagt sich trotz erneuter Umwege durch Gehirnwindungen und menschliche Fantasien erfreulicherweise ein Stück näher an die Realität.

"Character vs. Characterization", eine der goldenen Regeln, die Drehbuchguru Robert McKee in "Adaption" dem schreibblockierten Charlie Kaufman auf den Weg gibt, scheint der Autor zumindest bei den Protagonisten von "Vergiss mein nicht!" beherzigt zu haben. Joel (ein angenehm zurückhaltender Jim Carrey) und Clementine (Kate Winslet: so wechselhaft und furchtlos wie ihre Haarfarben) schlagen sich mit der quälenden Routine ihrer Beziehung herum, bis Clementine dem kurzerhand ein Ende setzt. Sie lässt alle Erinnerungen an Joel medizinisch ausradieren. Als Joel ausgerechnet am Valentinstag feststellen muss, dass seine Freundin ihn nicht mehr kennt, wendet er sich deprimiert an den Erfinder der sagenhaften "Heil-Methode", Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson), um seinerseits diese Demütigung und Clementine vergessen zu können. Während Dr. Mierzwiaks Team in Joels Tiefschlafphase dessen Träume an die Verflossene sukzessive von der Festplatte Gehirn löscht, flackern in chronologisch unsortierten Rückblenden die Höhen und Tiefen der Beziehung über die Leinwand. Gondry springt hemmungslos zwischen den Zeitebenen, und das Drehbuch schüttelt nach Lust und Laune Subplots aus dem Ärmel, die den Doktor und seine "Techniker" in den Mittelpunkt bringen: Den Liebe heuchelnden Patrick (Elijah Wood), der Joels Erinnerungsstücke an Clementine klaut, um selbst bei ihr zu landen, und dessen Kollegen Stan (Mark Ruffalo), der in Sprechstundenhilfe Mary (Kirsten Dunst) verknallt ist, die - wie sich herausstellt - die Erinnerungen an eine andere pikante Affäre ausradieren lassen hat. Als sich in Folge eines Computerfehlers in Joels Kopf plötzlich die Wahrnehmungsebenen vermischen, fällt dem Patienten auf, dass mit den schmerzhaftesten Erinnerungen auch die schönsten gemeinsam erlebten Momente verschwinden. Sein Unterbewusstsein rebelliert und startet den aussichtslosen Kampf gegen das Vergessen. Joel rast durch ein Labyrinth absurdester Gedankengänge, und die großartige Kamerafrau Ellen Kuras ("Blow") lässt die realistischen Bilder mit ihren ausgewaschenen freudlosen Farben auf dem Klangteppich von Jon Brion ("Punch-Drunk Love") surrealistisch verschmelzen: Da lösen sich Landschaften selbst auf, wehen Stranddünen durch Schlafzimmer, führen Freudsche Seitenwege direkt in die Kindheit von Joel, der vor dem Verlust seiner Identität flieht.

Während sich Kaufman mit seinem selbstreflexiven Drehbuch zu "Adaption" mit der Beschränkung von Kunst und Moral beschäftigte, geht es hier um eine positive Form von Kompromissen, die mit allem Schmerz zum Wesen von Beziehungen gehören. Wer will auf die quälenden Momente verzichten, wenn er damit die Liebe als Ganzes aufgeben muss? Wie schon bei "Human Nature" verirrt sich das Drehbuch auch hier auf halber Strecke auf der klinischen Seite, die wieder so verblüffend banal daherkommt wie alle Anspielungen auf Freud und Nietzsche, Alexander Pope (aus dessen Gedicht der Originaltitel stammt), das Kino von Ingmar Bergman oder Stanley Kubrick. Was wiederum daran liegen mag, dass der Autor in höchstem Maße intellektuell, seine Figuren jedoch höchstens Mittelmaß sind, und wiederum sämtliche Nebenfiguren lediglich Schachfiguren in dem von Michel Gondry ansonsten mit Begeisterung und großer handwerklicher Finesse erobertem gedanklichen Irrgarten bleiben. Jim Carrey und Kate Winslet als schlecht gelaunte, schlecht angezogene, unsympathische Nerds mit gebrochenen Herzen und befleckten Seelen wird das Publikum jedoch in nur zu guter Erinnerung behalten. cm.

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Info

Plakat des Films: Vergiss mein nicht!
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.05.2004

USA 2004

Länge: 1 h 48 min

Genre: Drama

Originaltitel: Eternal Sunshine of the Spotless Mind

Regie: Michel Gondry

Drehbuch: Charlie Kaufman

Musik: Jon Brion

Produktion: Steve Golin, Charlie Kaufman, Anthony Bregman

Kostüme: Melissa Toth

Kamera: Ellen Kuras

Schnitt: Valdis Oskarsdóttir

Ausstattung: Dan Leigh, David Stein

Website: http://www.vergiss-mein-nicht.film.de

Auszeichnungen

1 Oscar:

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