Schockierendes Drama, das das Massaker des rechtsextremen Attentäters Anders Breivik in Echtzeit in einer einzigen Szene ohne Schnitte nachstellt.

Kinostart: 20.09.2018

Handlung

Was für Amerika der 11. September ist, ist für Norwegen der 22. Juli. Im Jahr 2011 geht im Regierungsviertel in Oslo eine Bombe hoch, die acht Opfer fordert. Von dem Anschlag bekommen die Teenager, die auf der Insel Utøya in einem Feriencamp sind, allerdings zunächst nichts mit.

Kaja (Andrea Berntzen) ist mit ihrer jüngeren Schwester Emilie (Elli Rhiannon Müller Osbourne) vor Ort. Ein Streit entzweit sie, so dass Kaja alleine am geplanten Barbecue teilnimmt. Während sie mit den anderen Teilnehmern leidenschaftlich über die aktuelle Politik spricht, wird die Gruppe wie aus dem Nichts von Schussgeräuschen überrascht.

In Panik rennen sie in den Wald. Doch da sie den Schützen nicht kennen, weiß Kaja nicht, ob sie in ihrem Versteck überhaupt sicher ist. Und wo steckt Emilie?

Kritik

Rekonstruktion des Massakers, das ausschließlich aus der Sicht der Opfer geschildert ist.

Manchmal muss Kino eben auch wehtun, unangenehm sein und unerbittlich, es muss einen an Orte mitnehmen, die man im Leben nicht besuchen will. Ein solcher Film ist "Utøya 22. Juli". Und auch wenn ich ungern den Begriff "wichtig" für einen Spielfilm verwende - was bedeutet das schon? -, halte ich es für angemessen, ihn hier anzubringen. Denn Poppe gelingt etwas Wichtiges mit seiner Rekonstruktion des Terroranschlags vom 22. Juli 2011, bei dem insgesamt 77 Menschen, 69 davon vornehmlich Kinder und Jugendliche auf der Insel Utøya, ums Leben kamen: Er entreißt die Tragödie der Inszenierung des Täters. Im Film bleibt er ungenannt und wird auch nur zweimal kurz und aus der Entfernung gezeigt - auch hier soll sein Name unerwähnt bleiben. Weil es darum geht, den Fokus auf die Opfer zu richten.

Nach einer kurzen Einführung mit Archivbildern der Explosion eines Sprengsatzes in der Innenstadt Oslos, die so aussehen sollte, als handele es sich um einen Anschlag islamistischer Terroristen, um die Polizei des kleinen Landes Norwegen in die Hauptstadt zu locken, schwenkt die Handlung in das Ferienlager: In den nächsten 85 Minuten wird der Film ohne erkennbaren Schnitt in einer einzigen langen Einstellung bei den Schülern bleiben. Obwohl die Hauptfigur Kaja und ihre Tortur fiktiv sind, beruft sich Erik Poppe auf genaue Beschreibungen Überlebender , um den Zuschauer so hautnah, wie es im Kino möglich ist, miterleben zu lassen, wie es sich wohl angefühlt haben muss an diesem Tag, während des 72 Minuten währenden Angriffs des Einzeltäters dabei gewesen zu sein, die endlosen Schüsse gehört zu haben und ums Leben gelaufen zu sein.

"Utøya 22. Juli" ist kein voyeuristisches Spektakel. Man sieht nicht, wie Menschen von Schüssen durchsiebt werden. Man erlebt nur Chaos und Todesangst und Verzweiflung mit, während man der 15-jährigen Kaja dabei folgt, wie sie versucht, inmitten des Terrors ihre jüngere Schwester zu finden. Oft genug verharrt der Film mit seiner Hauptfigur in Verstecken, dass einem Zeit bleibt, ein Verhältnis zu finden, wie man sich fühlt, dass man diesen Film ansieht, ob es in Ordnung ist, ein derartiges Ereignis nachzustellen. In diesem Sinne ist "Utoya 22. Juli" näher dran an "Son of Saul" als an dem formal vergleichbaren "Victoria". Es ist auch nicht wichtig, ob dieser Film sein Publikum findet, zumindest außerhalb von Norwegen ist wohl ziemlich egal. Es ist wichtig, dass er gemacht wurde. Dass man über ihn spricht. Und dass man die Opfer nicht vergisst. ts.

Redaktions-Tipp

Kino kann so gut sein, dass es weh tut: Die Schrecken von Utoya aus der Sicht der Opfer, die hier endlich im Mittelpunkt stehen, statt Täter-Inszenierung oder Politik.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.09.2018

Norwegen 2018

Länge: 1 h 38 min

Genre: Drama

Originaltitel: Utøya 22. juli

Regie: Erik Poppe

Website: https://www.weltkino.de/film/kino/utya_22_juli

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