Schön bebilderte Dokumentation über das Für und Wider der Kernkraft, die durch die Ereignisse in Japan eine neue Aktualität erhalten hat.

Kinostart: 26.05.2011

Handlung

Spätestens seit dem Unglück von Fukushima ist das Thema Atomkraft wieder in aller Munde, wobei selten die Betreiber der Kraftwerke zu Wort kommen. Die Dokumentation "Unter Kontrolle" hingegen widmet sich weniger den Stimmen von der Straße als direkt den Objekten der Aufregung. Sie konzentriert sich auf das Innere diverser Kernkraftwerke. Arbeitsabläufe, Beteuerungen der Pressesprecher über die Zuverlässigkeit, gigantische Schalttafeln, dröhnende Turbinenhallen, weiß glühende Brennstäbe im Kühlwasser, Betriebsbesprechungen, Übungen im Schulungszentrum und Wartungsarbeiten.

Kritik

Kernenergie als Utopie: sachliche Innenansichten zur Reaktorsicherheit in Deutschland befeuern die aktuelle politische Diskussion.

An eindringlichen Schreckensbildern zum Atomalb mangelt es kurz nach Fukushima wahrlich nicht. Mitten ins Moratorium platzt der Berlinale-Beitrag und Eröffnungsfilm des Dok.fest - die Anatomie eines Atomkraftwerks. Volker Sattels betont nüchterne, unvoreingenommene Studie verzichtet auf Alarmismus und enthält sich einer Wertung. Damit ist die Selbstrepräsentation der deutschsprachigen Atomindustrie, bei der viele Befürworter zur Sprache kommen, das genaue Gegenteil eines Michael-Moore-Films: Keinerlei Machenschaften werden aufgedeckt, keine Skandale enthüllt. Panorama statt Polemik.

In kontemplativen Cinemascope-Kamerafahrten zeigt Sattel das Innere diverser Kernkraftwerke. Arbeitsabläufe, Beteuerungen der Pressesprecher über die Zuverlässigkeit der redundanten Sicherheitssysteme, gigantische Schalttafeln, dröhnende Turbinenhallen, weiß glühende Brennstäbe im Kühlwasser, Betriebsbesprechungen in Fachchinesisch, Dekontamination, Übungen im Schulungszentrum, Wartungsarbeiten - all das bleibt unkommentiert, unwidersprochen. Und ist doch entlarvend: Da wirkt die schwindelerregende Komplexität dieser an alte SF-Movies erinnernden Anlagen beklemmend, auch weil die umherstreifende Kamera stets Distanz zu den Aussagen wahrt.

Wenn der Betriebsakademiker Unfälle für "nach menschlichem Ermessen ausgeschlossen" hält, hat ihn die Realität soeben gnadenlos überholt. Wenn bei einer Störfallsimulation der Vollalarm heult und zahllose Warnleuchten wild blinken, spürt man, wie rasch einem diese Technik über den Kopf wachsen kann. Sattel destilliert nicht nur den Kontrast zwischen der idyllischen Architektur des Werksgeländes und den gefährlichsten Kräften des Universums zu einem wahrhaften Unbehagen. Er wendet sich mit kühler Industrieästhetik auch kritischen Stimmen wie dem Wiener Institut für Risikoforschung zu.

Letztlich erzählt die stilistisch ausgefeilte Doku vom Imagewandel der Kernkraft und ihrem langsamen Niedergang. Eine Abwärtsfahrt in das Zwischenlager Gorleben, wo Hunderte Fässer für ein paar Äonen unter Tage lagern müssen, vor sich hinköchelnde CASTOR-Behälter, oder die Bauruine eines schnellen Brüters, ein Multimilliardengrab: Hier werden Hinterlassenschaften und wahre Kosten der vermeintlich billigen und klimaneutralen Kernkraft klar. Ein leidenschaftliches Pamphlet sucht man in der Bestandsaufnahme vergeblich, Denkanstöße für den mündigen Bürger findet man umso mehr. Obendrein filmt Sattler das sicherste AKW der Welt: Es ist außer Betrieb. tk.

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Info

Kinostart: 26.05.2011

Deutschland 2011

Länge: 1 h 41 min

Genre: Doku

Originaltitel: Unter Kontrolle

Website: www.unterkontrolle-film.de/

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