Heiter-melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin nach Günter Grass.

Kinostart: 22.09.2005

Matthias Habich

Matthias Habich
als Alexander Reschke

Krystyna Janda
als Aleksandra Piatkowska

Dorothea Walda
als Erna Brakup

Udo Samel
als Vielbrand

Mareike Carrière
als Johanna Dettlaff

Joachim Król
als Karau

Zbigniew Zamachowski
als Bieronski

Marek Kondrat
als Marczak

Krzysztof Globisz
als Wr

Aleksandra Kisio
als Iwonka

Krzysztof Ogloza
als Witek

Bhasker Patel
als Chatterjee

Handlung

Im Jahre 1989 trifft der Kunsthistoriker Alexander Reschke aus Bochum (Matthias Habich) auf dem Markt der ehemals deutschen und nunmehr polnischen Hafenstadt Danzig auf die polnische Restauratorin Aleksandra Piatowska (Krystyna Janda). Nach anfänglichem Streit kommt man sich näher, entdeckt Gemeinsamkeiten, schmiedet Pläne. Warum nicht einen Friedhof für Deutsche in Danzig schaffen? Weil aber im Bestattungstourismus kommerzielles Potential schlummert, treten bald Personen auf den Plan, mit denen das idealistische Paar nicht gerechnet hat.

Vom Fall des ehernen Vorhangs, einer versöhnlichen Love Story und natürlich dem Amoklauf des Kapitalismus sang 1992 der in Danzig geborene Literaturnobelpreisträger Günter Grass ein schaurig Lied. Der polnische Regisseur Robert Glinski schuf nun einen Film daraus.

Alexander Reschke aus Bochum trifft 1989 bei einem Besuch in Danzig, der Stadt seiner Kindheit, auf dem Markt Aleksandra Piatowska. Auch sie musste in früher Jugend den Ort verlassen, an dem sie geboren wurde - das litauische Wilna. Die beiden nähern sich einander an und entwickeln eine grandiose Idee. Warum nicht eine Stiftung gründen, die einen Friedhof für Deutsche in Danzig und Polen in Wilna möglich macht?

Der verwitwete Alexander und die seit dem Tod des Mannes ebenfalls alleinstehende Aleksandra lernen sich auf dem Markt in Danzig kennen, wo der Kunsthistoriker seine Kindheit verbrachte. Auch die Restauratorin musste früh ihre eigentliche Heimat Wilna verlassen und so kommen die beiden auf die Idee, in Danzig einen völkerversöhnenden deutsch-polnischen Friedhof zu eröffnen. Das Ganze wird ein voller Erfolg, doch Geldgier treibt bald schon einen Keil zwischen die beiden Idealisten und ihr Symbolprojekt.

Kritik

13 Jahre nach Erscheinen von Günter Grass' Erzählung "Unkenrufe", verfilmt der Pole Robert Glinski in dieser deutsch-polnischen Koproduktion die heiter-melancholische Liebesgeschichte zwischen einem Deutschen und einer Polin, die einen "Versöhnungsfriedhof" im ehemaligen Danzig gründen und an der ungeahnten Kraft des Kapitalismus scheitern. Kurz nach der Wende siegt die harte deutsche Mark über Idealismus.

Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass zeigte 1992 in seiner Novelle mit gepflegter Selbstironie die feinen Risse unter der Haut von Menschen, die ihre Heimat und ihre Wurzeln verloren haben. Der Kunsthistoriker Alexander Reschke aus Bochum trifft 1989 bei einem Besuch in Danzig, der Stadt seiner Kindheit, zufällig auf dem Markt die polnische Restauratorin Aleksandra Piatowska. Auch sie musste in früher Jugend den Ort verlassen, an dem sie geboren wurde - das litauische Wilna. Nach Zoff kommt Zärtlichkeit, die beiden (beste Chemie zwischen Krystyna Janda und Matthias Habich) nähern sich einander an und entwickeln eine grandiose Idee. Warum nicht eine Stiftung gründen, die einen Friedhof für Deutsche in Danzig und Polen in Wilna möglich macht? Die Mitkämpfer sind bald überzeugt, leider alles andere als Idealisten - vom deutschen Business-Mann über eine Vertriebenen-Vertreterin und einen merkantil kalkulierenden Priester bis zu polnischen Honoratioren mit DM-Zeichen in den Augen ist alles vertreten, da kann auch die bodenständige Marktfrau aus der Gegend kein Gegengewicht im Stiftungs-Vorstand bilden. Nach den ersten Bestattungen geht das Gefeilsche los, bald boomt das Geschäft mit Toten und deutschstämmigen Alten, die in frisch gebauten Seniorenheimen dem Sterben entgegentanzen und - singen, zum letzten Mal den Golfschläger schwingen. Angewidert ziehen sich Alexander und Aleksandra zurück, retten ihre Liebe, die in einer Kurve beim Italienbesuch tragisch endet. Sehr gut vermittelt diese Literaturverfilmung das perfektionierte Chaos, in dem die Menschen vergeblich versuchen, eine Linie zu finden.

Wie in der Vorlage spielt Glinski die Wirklichkeit gegen den Wahnsinn aus, wobei der Wahnsinn eigentlich die Wirklichkeit ist. Wenn die Geldgier jegliche Pietätsschranken durchbricht, nur noch materielle Werte zählen und plötzlich mitten in Polen Nostalgiker-Gruppen deutsches Liedgut schmettern, das trägt schon absurde Züge. Durch kurze und immer wiederkehrende Rückblenden in die Vergangenheit der Protagonisten, wird der Bogen zur Gegenwart gezogen, das Heute und Gestern miteinander verknüpft. Schmunzeln macht die Konterkarierung der üblichen Vorurteile (Arrogante Deutsche kaufen alles, Polen klauen alles). "Unkenrufe" ist keine Mainstream-Ware zum schnellen Konsum, sondern verlangt Zuhören und Zusehen. Das sollte einem erwachsenen Publikum bei dieser Mischung aus Geschichts-Rekurs, bissiger Satire und bewegender Love-Story nicht schwerfallen. mk.

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Info

Plakat des Films: Unkenrufe - Zeit der Versöhnung
  • FSK ab 6 freigegeben

FSK: ab 6

Kinostart: 22.09.2005

Deutschland/Großbritannien/Polen 2005

Länge: 1 h 38 min

Genre: Drama

Originaltitel: Unkenrufe

Regie: Robert Glinski

Drehbuch: Cezary Harasimowicz, Klaus Richter, Pawel Huelle

Musik: Richard G. Mitchell

Produktion: Regina Ziegler, Mike Downey, Elke Ried, Ursula Vossen, Henryk Romanowski

Kostüme: Bea Gossmann

Kamera: Jacek Petrycki

Schnitt: Krzysztof Szpetmanski

Ausstattung: Robert Czesak, Jochen Schuhmacher

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