Fiktionale TV-Verfilmung des Sachbuchs "Schläge im Namen des Herrn" von Peter Wensierski über die Schicksale deutscher Heimkinder in den Jahren zwischen 1945 und 1970.

Kinostart: nicht bekannt

Senta Berger

Senta Berger
als Luisa Hamilton geb. Keller

Matthias Habich

Matthias Habich
als Paul Berghoff

Alicia von Rittberg

Alicia von Rittberg
als Luisa, jung

Leonard Carow
als Paul, jung

Birge Schade
als Schwester Ursula

Anke Sevenich
als Schwester Clara

Jasmin Schwiers
als Jana Michels

Marie Anne Fliegel
als Schwester Elisabeth

Antje Schmidt
als Gertud Keller

Lucie Hollmann
als Hilke

Eva Mannschott
als Sozialarbeiterin Frau Bialas

Tamara Rohloff
als Vorsitzende

Thomas Arnold
als Alfons

Lili Zahavi
als Sarah

Jean Maesér
als Rolf

Stephan Grossmann
als Diakonischer Referent

Rüdiger Kuhlbrodt
als Bischof

Kritik

Dror Zahavis Drama ist ein bedrückender, aber nie plakativer Film über die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik.

Der Film beginnt wie ein Alptraum. Die Bilder könnten aus einem Horrorthriller stammen. Tatsächlich hat die Hauptfigur nur geträumt, doch wenn die Szene später in einer Rückblende wieder auftaucht, wird deutlich: Sie ist kein nächtliches Hirngespinst, sondern Erinnerung an einen Heimaufenthalt in den Sechzigern, jenem Jahrzehnt, in dem sich die Gesellschaft durch die Einführung der Anti-Baby-Pille und die sexuelle Revolution von Grund auf veränderte. In diesen turbulenten Zeiten bewahrten gerade die kirchlichen Heimleiter ihre Zöglinge mit strenger Hand vor "sittlicher Verwahrlosung". Die 16jährige Luisa scheint besonders gefährdet, schließlich kommt sie aus Berlin, und es ist den Schwestern keineswegs entgangen, dass sie dem gleichaltrigen Paul ein schüchternes Lächeln zugeworfen hat. Zur Nachtruhe werden ihre Hände deshalb links und rechts ans Bett gefesselt. Die Freiheitsberaubung ist allerdings völlig harmlos im Vergleich zu dem Schicksal, das Luisa blüht, als sie beim Wischen des Flurs von einer Schwester (Birge Schade) schikaniert und geschlagen wird; und dann zurückschlägt.

Es sind unerhörte Missstände, die Autorin Andrea Stoll anhand der erfundenen Hauptfigur schildert; aber die Ereignisse sind authentisch. Auch dank der jungen Alicia von Rittberg, die Luisa mit einer Mischung aus backfischhaftem Trotz und aufrichtiger Empörung verkörpert, geht einem die Geschichte nahe. Trotzdem hat Dror Zahavi auf plakative Szenen verzichtet. Gewalt spielt in seinen Filmen zwar immer wieder eine maßgebliche Rolle, aber er kommt dabei stets ohne spekulative Bilder aus. Das gilt auch für Luisas Bestrafung: Das Grauen spielt sich vor allem im Kopf ab. Gemeinsam mit Kameramann Gero Steffen ist es Zahavi gelungen, die bedrückende Atmosphäre des Heims vor allem mit Mitteln der Bildgestaltung einzufangen. Die Innenaufnahmen sind konsequent in Grau gehalten, viele Szenen spielen im Halbdunkel. Wenn Luisa und Paul (Leonard Carow) gemeinsam die Flucht gelingt, lacht die Sonne. Das klingt nicht sonderlich originell, ist in seiner Wirkung aber ausgesprochen effizient. Gleiches gilt für die Verknüpfung der Sechziger mit der Gegenwart. Es ist ein ausgesprochener Glücksfall, dass Senta Berger und Matthias Habich bereit waren, die vergleichsweise kleinen Rollen des Paars in der Rahmenhandlung zu übernehmen: Weil es beiden gelingt, die Entwicklung von Luisa und Paul während der vergangenen vier Jahrzehnte glaubhaft und ohne viele Worte allein durch ihr Auftreten zu verdeutlichen. tpg.

Wertung Questions?

FilmRanking: 9588 >99

Filmwertung

Redaktion
-
User
-
Deine Wertung

Action

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Humor

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Gefühl

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Spannung

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Anspruch

Red.
-
User
-
Deine Wertung

Info

Plakat des Films: Und alle haben geschwiegen

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2012

Genre: Drama

Originaltitel: Und alle haben geschwiegen

Regie: Dror Zahavi

Drehbuch: Andrea Stoll

Musik: Ingo Ludwig Frenzel

Produktion: Doris Zander

Kostüme: Riccarda Merten-Eicher

Kamera: Gero Steffen

Schnitt: Fritz Busse

Ausstattung: Gabriele Wolff

Ticker

Kino&Co Newsletter

Hol' dir jetzt den KINO&CO Newsletter!
Der schnelle Überblick über unsere Blockbuster und Top-Gewinnaktionen der Woche.