Meisterhafte, ungewöhnliche Tragikomödie um eine Karrierefrau, die wieder lernen muss ihren Vater und ihr eigenes Leben zu lieben.

Kinostart: 14.07.2016

Sandra Hüller

Sandra Hüller
als Ines Conradi

Peter Simonischek

Peter Simonischek
als Winfried Conradi / Toni Erdmann

Michael Wittenborn

Michael Wittenborn
als Henneberg

Thomas Loibl
als Gerald

Trystan Pütter
als Tim

Hadewych Minis
als Tatjana

Lucy Russell
als Steph

Ingrid Bisu
als Anca

Vlad Ivanov
als Iliescu

Victoria Cocias
als Flavia

Alexandru Papadopol
als Dascalu

Viktorija Malektorovych
als Natalja

Ingrid Burkhard
als Annegret

Jürg Löw
als Gerhard

Ruth Reinecke
als Renate

Nicolas Wackerbarth
als Coach Leopold

Handlung

Ganz spontan besucht Winfried seine Tochter Ines in Bukarest, wo diese als Unternehmensberaterin arbeitet. Man hat sich wenig zu sagen, der Besuch läuft aus dem Ruder. Da überrascht der Vater sie mit seiner Verwandlung in Toni Erdmann. Er taucht mit schiefem Gebiss, wilden Klamotten und gefärbten Haaren bei ihr auf. Ines ist wie vor den Kopf geschlagen - doch dann machen die beiden eine verblüffende Entdeckung: Je härter sie einander zusetzen, desto enger rücken sie zusammen.

Kritik

Ein guter Film bestehe aus drei tollen Szenen und keiner schlechten, hat Howard Hawks einmal gesagt. Maren Ade hat das beherzigt in "Toni Erdmann", ihrem ersten Film seit "Alle anderen" von 2009: Ihre Geschichte einer jungen Karrierefrau, die wieder lernen muss ihren Vater und ihr eigenes Leben zu lieben, hat bis zur Zweistundenmarke eine starke Szene nach der anderen zu bieten. Und dann, wenn man insgeheim hofft, dass sie nicht nachlässt in der finalen Passage, dass sie den Film auf den letzten Metern nicht noch versemmelt, dreht die Regisseurin erst so richtig auf, lässt drei Szenen aufeinander folgen, die jede für sich ihren Platz in der Filmgeschichte sicher haben. So mitgerissen aus heiterem Himmel hat im Wettbewerb von Cannes zuletzt "Blau ist eine warme Farbe", und der gewann 2013 die Goldene Palme.

Alles stimmt an diesem Film: sein Tempo, seine Figuren, seine Geschichte, seine Haltung, sein Humor und sein aufrichtiges Bemühen etwas zu erzählen darüber, was es bedeutet am Leben zu sein. Das ist eine Frage, die der von Peter Simonischek gespielte Vater Winfried im Verlauf des Films seiner Tochter Ines stellt - und die bis ganz zum Schluss unbeantwortet bleibt, abgesehen davon, dass einem der Film selbst unentwegt seine Antwort darauf gibt. In den ersten Szenen wird Winfried vorgestellt als allein lebender Mann mit einem ausgeprägten Sinn für unerwarteten Humor: Er liebt Streiche, hat eine kindliche Freude daran, andere Leute aufs Glatteis zu führen. Spaß erinnert ihn daran, am Leben zu sein. Seine erwachsene Tochter Ines (Sandra Hüller) arbeitet indes in Bukarest an ihrer Karriere bei einer Unternehmensberatung, die großen Firmen die Schmutzarbeit abnimmt, Angestellte zu entlassen. Als sein Hund an Altersschwäche stirbt, entschließt Winfried sich, seiner Tochter in Rumänien einen Überraschungsbesuch abzustatten. Sie wimmelt ihn ab, anstatt wieder nach Hause zu fliegen, mischt er sich als Alter ego Toni Erdmann mit hervorstehendem Gebiss und wilder Perücke in ihr Leben ein - ein souveräner, gewitzter Lebemann, der die Menschen um sich herum mit seiner unberechenbaren und gewinnenden Art in seinen Bann schlägt. Alsbald entwickelt sich ihre Beziehung zum Zweikampf zweier willensstarker Menschen, die nicht bereit sind, klein beizugeben.

In jeder neuen Szene hält "Toni Erdmann" neue Überraschungen bereit, wird die Handlung in neue Richtungen entwickelt, öffnet sich der Fokus des Films, der schließlich auch einen Blick auf das Rumänien von heute und seine Menschen freigibt, eine Welt im Umbruch zeigt, deren Modernisierung auch Opfer fordern wird. Während sich die beiden Hauptfiguren fast unmerklich anzunähern beginnen, werden wiederholt neue Ideen angerissen, entwickelt sich aus dem Privaten Politisches und strahlt das Politische wieder aufs Private zurück. Bis sich Winfried und Ines auf einmal in der Wohnung einer rumänischen Familie wiederfinden und die Stunde der Wahrheit gekommen ist - und mit ihr die drei angesprochenen Szenen, die aus der meisterlichen Komödie endgültig ein Meisterwerk machen. Herausgehoben werden soll die großartige Partyszene, die nicht nur den Todesmut von Sandra Hüller unterstreicht, sondern auch das perfekte Timing von Maren Ade: eine zum Schreien komischere und dabei doch so wahre Szene hat man aus Deutschland seit Jahren nicht gesehen. "Toni Erdmann" ist ein Triumph für alle Beteiligten, die Regisseurin und ihre Schauspieler, die einem im Verlauf der Handlung regelrecht ans Herz wachsen, ein ungewöhnlicher und ungewöhnlich wunderbarer Film. ts.

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Info

  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 14.07.2016

Deutschland/Österreich/Rumänien 2016

Länge: 2 h 42 min

Genre: Drama

Originaltitel: Toni Erdmann

Regie: Maren Ade

Drehbuch: Maren Ade

Produktion: Michel Merkt, Janine Jackowski, Jonas Dornbach, Maren Ade

Kostüme: Gitti Fuchs

Kamera: Patrick Orth

Schnitt: Heike Parplies

Ausstattung: Silke Fischer

Website: http://tonierdmann-derfilm.de

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