Grotesk überzogene Trash-Satire über ein neues Österreich, in dem drei liberale Studenten nichts mehr zu Lachen haben.

Kinostart: 19.05.2011

Die Handlung von Todespolka

Sieglinde Führer krempelt als neue Bundeskanzlerin Österreich um. Das Land tritt aus der EU aus, Führer verbannt alle Ausländer und führt die Todesstrafe wieder ein. In diesem Umfeld gelten die Medizinstudenten Raphael, der farbige Michael und Gabriela, die ihr Studium als Domina finanziert, als verdächtig. Während die Polka-Show von Frau Führer im Fernsehen läuft, beginnt die Jagd auf die Regime-Untreuen.

Kritik zu Todespolka

Rechtsruck in Wien: grotesk überzogene Trash-Satire über ein neues Österreich, in dem drei liberale Studenten nichts mehr zu Lachen haben.

Nach Hitler und Haider heißt der nächste österreichische Faschist Sieglinde Führer. So plakativ geht es zu in der Politsatire des Duos Michael Pfeifenberger (Regie) und Stephan Demmelbauer (Drehbuch und Produktion). Der hohe Trash-Faktor ist keineswegs nur dem geringen Budget geschuldet, sondern steht in der Tradition des frühen Christoph Schlingensief. Terrain der bewusst billig aufgezogenen Groteske ist eine bräsige Spießbürger-Hölle à la Ulrich Seidl, wo sich die niederen Instinkte des braunen Proletariats animalisch Bahn brechen und Jagdszenen aus Niederösterreich entfesseln.

Nicht der Politbetrieb, sondern seine Auswirkungen auf den in grellgelber Falschfarbbeleuchtung ausstaffierten Alltag bestimmen das Geschehen. Ein halbes Jahr ist es her, dass die volkstümliche Dirndlträgerin Führer (Besetzungs-Gag: die Deutsch-Israelitin Tamara Stern) als Bundeskanzlerin die Alpenrepublik umgekrempelt hat Sie hat Ausländer rausgeschmissen, Todesstrafe und Arbeitslager eingeführt. Es regieren Recht, Ordnung und null Toleranz. In diesem Umfeld gelten die Medizinstudenten Raphael (Stefano Bernardin), sein schwarzer Kommilitone Michael (David Wurawa) und Gabriela (Viviane Bartsch), die ihr Studium als Teilzeit-Domina finanziert, in der anti-intellektuellen Anrainergemeinschaft als verdächtig. Während im Fernsehen die traditionelle Polka-Show mit Frau Führers Hasspredigten das Volk verhetzt, bläst der geifernde braune Mob zum sommerlichen Halali auf Michael. Er stirbt an einem Bauchschuss und auch seine Freunde leben Dank tatkräftiger Unterstützung der Polizei nicht mehr lange, was wiederum in ein Vorgarten-Massaker ausartet.

Davor peitscht die Domina ihren Kunden, bis dieser zur Sieg-Heil-Rufen ejakuliert und stirbt. Subtiler wird es nicht. Die schrille Travestie karikiert ausgiebig und stellt alle möglichen Klischees als giftige Kolportage aus. "Todespolka" ist keine anspruchsvolle Auseinandersetzung mit Rechtspopulismus oder Faschismus, sondern eine gallige Farce, die ihren Ekel vor der Manifestation von Intoleranz und Gewalt ausstellt - und damit offene Türen einrennt. So wird die Botschaft zumindest unmissverständlich und mit boshaftem Gespür für das physisch wie psychisch Hässliche durchbuchstabiert. tk.

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Info

Plakat des Films: Todespolka
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 19.05.2011

Österreich 2009

Länge: 1 h 23 min

Genre: Drama

Originaltitel: Todespolka

Regie: Michael Pfeifenberger

Drehbuch: Stephan Demmelbauer

Musik: Ulrich Drechsler, Manfred Holub, Michael J. Morgen

Produktion: Stephan Demmelbauer

Kostüme: Maria Agnes Bohrer-Lehner

Kamera: Marco Zwitter

Schnitt: Alexander Frohner

Ausstattung: Judith Saupper

Website: todespolka.demmelbauerfilm.com/