Kinostart: nicht bekannt

Handlung

Der völlig verstörte Darkly Noon wird im Wald umherirrend aufgefunden und zur Farm von Callie gebracht. Die attraktive Frau erklärt sich bereit, den jungen Mann aufzunehmen und gesundzupflegen. Darkly, dessen Genesung schnell voranschreitet, verfällt Callie, die seine Gefühle jedoch nicht erwidert. Voller Schuldgefühle und überwältigt von seinen Emotionen kann der tiefreligiöse Darkly bald nicht mehr zwischen Realität und Traum unterscheiden. Die Katastrophe ist unausweichlich.

Kritik

Sechs Jahre nach seinem beeindruckenden Regiedebüt "Schrei in der Stille" legt der Maler und Drehbuchautor Philip Ridley ("Die Krays") seinen zweiten Spielfilm vor. Ridley ist der Thematisierung von unterdrückter Sexualität, seinen Bildern von innerem und äußerem Verfall und seinem Hang zu traumhafter Symbolik treu geblieben. Verleih wie Publikum freilich werden mit diesem bedeutungsschweren, dunklen Märchen keine leichte Nuß zu knacken haben.

"Die Passion des Darkly Noon", das ist weniger die "Leidenschaft" als die biblische Passion des Jungen, der eines Tages aus dem Wald gestolpert kommt und den seltsamen Namen Darkly Noon trägt. Ein Lieferfahrer bringt den bewußtlosen Darkly (Brendan Fraser) zu Callie (Ashley Judd), die in ihrem Häuschen auf einer kleinen Lichtung lebt. In Kapiteln von 13 Tagen und Nächten erzählt der Film, wie Darkly, der bei einem Polizeiangriff auf eine religiöse Kommune seine Eltern verloren hat (ohne sie zu zeigen, ruft Ridley die Bilder der Waco-Katastrophe wach), allmählich Vertrauen zu der hübschen Callie faßt und gleichzeitig von ihrer provozierenden Erotik verwirrt wird. Als Callies Verlobter, der Sargtischler Clay (Viggo Mortensen), schließlich von einer seiner Wanderungen zurückkehrt und wieder seinen Platz an der Seite des Mädchens einnimmt, wandelt sich Darklys Enttäuschung zu religiösem Wahn. Er umschlingt seinen Körper unter dem Hemd mit Stacheldraht und wird, nachdem ihm seine toten Eltern den Befehl zur Ermordung der "Hexe" Callie gegeben haben, vom Flagellanten zum Racheengel, der in schrecklicher Kriegsbemalung wie mit dem Flammenschwert über das Pärchen kommt.

Lange scheint Ridley unentschlossen, ob er eine mystische Parabel oder einen mysteriösen Thriller drehen will. Immer wieder unternehmen seine Figuren Ausflüge in den Wald, der den bedrohlichen Hintergrund der Geschichte bildet und aus dem immer wieder Gefahren und geheimnisvolle Trugbilder auftauchen. Dabei gelingen dem Regisseur einige wundervolle Visionen, die den Zuschauer an der zunehmenden Verwirrung des traumatisierten Darkly teilhaben lassen. Fast banal scheint es da, wenn das mit langen Blicken und Gesten aufgeladene Geschehen sich im letzten Akt nach einem abrupten Perspektivenwechsel klärt und Darklys Amoklauf tatsächlich "nur" die Raserei eines Irren gegen die Welt der Normalen ist. Damit wiederholt Ridley die Erzählweise aus seinem Erstling "Schrei in der Stille": Indem er durch die wahnhaften Augen seiner Hauptfigur blickt, zeigt er die Welt als Horror-Labyrinth, in dem die Seele des Menschen auf der Suche nach Liebe und Erfüllung umherirrt und sich schließlich verliert.

Daß man Ridley auf dieser bisweilen etwas strapaziös künstlerischen tour d'insanité folgen will, ist vor allem das Verdienst seiner mit großem Ernst agierenden Darsteller. Ashley Judd (zuletzt in "Heat" als Scene Stealer zu sehen), Viggo Mortensen ("Crimson Tide") und vor allem Brendan Fraser ("Airheads") machen aus den schönen Wäldern der sächsischen Schweiz eine faszinierende, dunkle Märchenlandschaft. evo.

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Info

Plakat des Films: The Passion of Darkly Noon
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: nicht bekannt

Belgien/Deutschland/Großbritannien 1995

Länge: 1 h 40 min

Genre: Horror

Originaltitel: The Passion of Darkly Noon

Regie: Philip Ridley

Musik: Nicholas Bicât

Produktion: Dominic Anciano, Frank Henschke, Alain Keytsman

Kamera: John de Borman

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