Kinostart: nicht bekannt

Kritik

"The Meyerowitz Stories" ist der beste Film des Netflix Original Labels seit "Beasts of No Nation". Noah Baumbach liefert damit eine weitere dieser wunderbar schrulligen und neurotischen Big-Apple-Komödien mit unwiderstehlichem Humor in der Tradition von Woody Allen oder Elaine May, in der er Mitglieder eine seiner dysfunktionalen Familien aufeinanderprallen lässt - die Dustin Hoffman, Emma Thompson und vor allem Adam Sandler zu ihren besten Auftritten seit langen Jahren beflügeln.

Im Ton erinnert das am ehesten an "Gefühlt Mitte Zwanzig", aber der Humor hat diesmal eine zusätzliche Dringlichkeit, einen extra Biss, als wäre dieser Film seinem Macher besonders wichtig. Natürlich muss man an "Die Royal Tenenbaums" denken von Baumbachs gutem Freund Wes Anderson, für den er die Drehbücher zu "Die Tiefseetaucher" und "Der fantastische Mr. Fox" mitgeschrieben hatte: Auch da geht es um einen übermächtigen Patriarchen, der in seiner unermesslichen Selbstsüchtigkeit nicht realisiert, dass er seine Kinder regelrecht erstickt. Aber vor allem scheint "The Meyerowitz Stories" ganz direkt zu korrespondieren mit "Der Tintenfisch und der Wal" von 2005, mit dem Baumbach seinen Durchbruch als Regisseur gefeiert hatte, ein zutiefst autobiographischer Film über Baumbachs Leben als Jugendlicher im Schatten seines Vaters, einem gescheiterten Schriftsteller, der sich von seiner Mutter, einer Filmkritikerin der Village Voice, scheiden ließ.

Der Künstlervater ist diesmal ein unverbesserlicher Bildhauer, der vor langen Jahren einmal eines seiner Werke ans Whitney Museum verkaufen konnte und immer noch davon zehrt, obwohl er seither eigentlich in Vergessenheit geraten ist. Er ist zum vierten Mal verheiratet, diesmal mit einer Frau, die nur unwesentlich älter ist als seine drei Kinder und ihr Leben im dauerbetrunkenen Zustand verbringt. Als der Mann, der Fehler immer nur in anderen, nie aber bei sich selbst findet, nach einem Unfall beim Spaziergang mit seinem Hund ins Krankenhaus eingeliefert wird, finden sich drei Meyerowitz-Kinder erstmals wieder zusammen und konfrontieren die Jahrzehnte der Last und des Leids unter dem Vater, die sie zu dem gemacht haben, was sie sind. Danny hatte nie wirklich einen Job, sondern kümmerte sich um die Tochter und steht nun, nach der Scheidung und dem Abschied seines Mädchens aufs College, vor unendlicher Leere. Matthew war zwar immer der Liebling seines Dads, konnte sich aber erst freischwimmen, nachdem er sich nach Los Angeles abgesetzt und eine eigene Finanzberatungsfirma gegründet hatte. Und Jean zog sich als das unbeachtete Mädchen in die innere Emigration zurück - auf clevere Weise spiegelt der Film das, indem ihr Segment am Kürzesten ist, der New Yorker Theaterschauspielerin Elizabeth Marvel aber dennoch Platz für einen Monolog einräumt, der einem zu Herzen geht. Es ist ein bisweilen aberwitzig komischer, pointiert geschriebener Film. Wenn man sich von einem geliebten Menschen verabschiedet, heißt es in einer Broschüre im Krankenhaus, solle man sagen: "Ich liebe dich. Ich vergebe dir. Vergib mir. Auf Wiedersehen." Darum geht es. Und deshalb ist "The Meyerowitz Stories" ein so großer Schritt, zwölf Jahre nach "Der Tintenfisch und der Wal". ts.

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Info

Plakat des Films: The Meyerowitz Stories
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: nicht bekannt

USA 2017

Länge: 1 h 52 min

Genre: Komödie

Originaltitel: The Meyerowitz Stories

Regie: Noah Baumbach

Drehbuch: Noah Baumbach

Website: https://www.netflix.com/de/title/80174434

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