Thriller über die Kontrollierbarkeit menschlicher Existenz durch Computer. Von David Fincher schockierend inszeniert.

Kinostart: 20.11.1997

Michael Douglas

Michael Douglas
als Nicholas Van Orton

Sean Penn

Sean Penn
als Conrad

Deborah Kara Unger

Deborah Kara Unger
als Christine

James Rebhorn
als Jim Feingold

Peter Donat
als Samuel Sutherland

Carroll Baker
als Ilsa

Anna Katarina
als Elisabeth

Armin Mueller-Stahl
als Anson Baer

Charles Martinet
als Nicholas“ Vater

Scott Hunter McGuire
als Nicholas (als Kind)

Florentine Mocan
als Nicholas“ Mutter

Elizabeth Dennehy
als Maria

Caroline Barclay
als Maggie

Stephen Cowee
als Mel

Sara Davallon
als Rachel

Victor Talmadge
als Maitre D“

Handlung

Von seinem gegensätzlichen Bruder bekommt der reiche, gefühlsarme und isolierte Investmentbanker Nicholas Van Orten zu seinem 48. Geburtstag einen Gutschein für ein individuell entwickeltes Psychospiel geschenkt. Das geheimnisvolle Spiel entwickelt sich zu einer bedrohlichen Realität, die den kontrollierten Banker bis zum Identitätsverlust treibt.

Der erfolgreiche Finanzmagnat Nicholas Van Orten ist ein Control Freak reinsten Wassers. Als er das 48te Lebensjahr erreicht, ein Alter, in dem sein kaum minder erfolgreicher Vater Selbstmord beging, schenkt ihm sein jüngerer Bruder Conrad ein ausgeklügeltes Rollenspiel, bei dem der Reiz unter anderem darin besteht, daß er einen Teil dieser Kontrolle verliert. Von der Herausforderung amüsiert steigt Nicholas ein, ohne zu ahnen, auf was für einen Alptraum er sich einläßt.

Von seinem Nichtsnutzbruder bekommt Yuppie Nicholas ein "Spiel" geschenkt, das bald die Kontrolle über sein Leben übernimmt. Immer wieder überraschender Thriller virtuos von David Fincher ("Sieben") mit Michael Douglas in der Hauptrolle in Szene gesetzt.

Kritik

Mit seinem kompromißlos verstörenden Deprischocker "Sieben" gelang Regisseur David Fincher ("Alien 3") ein unerwarteter kommerzieller Wurf, was mit Spannung auf seinen Folgefilm warten ließ. In kühl kalkulierender Hitchcock-Tradition fertigte er ein faszinierend pessimistisches Paranoia-Puzzle, das den priviligierten Protagonisten in Gestalt von Michael Douglas einen existenzerschütternden Yuppie-Alptraum von absoluter Hilflosigkeit durchleben läßt.

Die Drehbuchautoren John Brancato und Michael Ferris spielten bereits in dem Computerthriller "Das Netz" effektiv mit der beklemmenden Angst des Identitätsverlusts: Hier verliert die Identifikationsfigur aufgrund eines ominösen Psychospiels die Kontrolle über ihr Leben und gerät zur machtlosen Marionette, die von unsichtbaren Drahtziehern manipuliert wird. Douglas ist die Idealbesetzung für den arroganten, antisozialen Investmentbanker Nicholas Van Orten (in der Fasson seines "Wall Street"-Maklers), der wie seine Charaktere in "Eine verhängnisvolle Affäre" oder "Falling Down" bis an die Grenze seiner persönlichen Schmerzgrenze getrieben wird. Gleich zu Beginn wird mit flackernden Heimfilm-Flashbacks das zentrale Trauma etabliert: wie der Vater des etwa zwölfjährigen Nicholas vom Dach seiner palastartigen Villa in den Tod springt. Viele Jahre später hat sich Nicholas zum kalten Kontrollfreak entwickelt, für den Emotionen nutzlosen Ballast darstellen. Eine lose Beziehung verbindet den geschiedenen und kinderlosen Millionär mit seinem mißratenen Bruder Konrad (Sean Penn, in einer relativ unbedeutenden Rolle, die vor den Rewrites für Jodie Foster konzipiert war), der ihm zu seinem 48. Geburtstag einen Geschenkcoupon der "Consumer Recreation Services" überreicht. Die High-Tech-Firma entwickelt für jeden Klienten ein individuelles "Spiel", das durch seine Unvorhersehbarkeit stimulieren soll. Für den selbstgefälligen Bankier beginnt damit eine wahnwitzige Schocktherapie, die durch stetig gravierendere Über- und Angriffe in und auf sein Leben seinen durch materielle Werte konstruierten Schutzpanzer auflösen.

Mit cleverer Präzision versteht Fincher die erstickende Verzweiflung und das angstvolle Gefühl des Ausgeliefertsein des Protagonisten in seiner psychologischen Abwärtsspirale zu begleiten. Mit verstohlen-subtilen Attacken wird die scheinbare Perfektion von Nicholas angekratzt: ein ausgelaufener Kugelschreiber besuhlt sein teures Hemd, eine scheinbar ungeschickte Bedienung (Deborah Kara Unger aus "Crash" in der wichtigsten Nebenrolle) kippt ein volles Tablett über ihn aus und das klemmende Schloß seines Aktenkoffers (der Dokumente zum eiskalten Abservieren seines langjährigen Geschäftspartners Armin Mueller-Stahl enthält) irritieren den Perfektionisten derart, daß seine angestrengte Maske der stoischen Ausgeglichenheit bereits nach kürzester Zeit weggewischt ist. Doch das grausame Katz- und Mausspiel nimmt immer groteskere Formen an: Nach Genuß eines Drogencocktails erwacht er völlig abgebrannt und besudelt auf einem mexikanischen Friedhof - und sein Leben und seine Finanzen befinden sich in höchster Gefahr. Eine gewisse Absurdität, die erst gegen Ende hin aufgelöst wird, sollte man unvoreingenommen in Kauf nehmen, um den superb fotografierten Psychothriller in vollen Zügen zu genießen. Jefferson Airplanes LSD-Hymne "White Rabbit" kann durchaus als bezeichnender Themensong angesehen werden: Die Dimensionen von Realität und Illusion sind nicht immer eindeutig zu trennen. Propaganda Films feierte ihr Major-Debüt mit diesem Kinokonfekt der genüßlich bitteren Sorte mit einem Start von 14,3 Mio. Dollar als sattem Einstand. ara.

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Info

Plakat des Films: The Game
  • FSK ab 12 freigegeben

FSK: ab 12

Kinostart: 20.11.1997

USA 1997

Länge: 2 h 8 min

Genre: Thriller

Originaltitel: The Game

Regie: David Fincher

Drehbuch: Andrew Kevin Walker, John D. Brancato, Michael Ferris

Musik: Howard Shore

Produktion: Steve Golin, John D. Brancato, Michael Ferris, Cean Chaffin

Kostüme: Michael Kaplan

Kamera: Harris Savides

Effekte: Eric Roberts, Shawn Roberts

Schnitt: James Haygood

Ausstattung: Jeffrey Beecroft, Steven Saklad

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