Mal große Oper, mal Western und immer wieder mit Shakespearschen Anklängen, dazu eine Prise Tarantino - der neue Murot-"Tatort" lässt es krachen.

Kinostart: nicht bekannt

Ulrich Tukur

Ulrich Tukur
als Felix Murot

Barbara Philipp

Barbara Philipp
als Magda W

Ulrich Matthes

Ulrich Matthes
als Richard Harloff

Golo Euler
als David Harloff

Alexander Held
als Alexander Bosco

Alexander Scheer
als Donny

Shenja Lacher
als Schneider

Felix Manteuffel
als Franz Oswald

Otto Mellies
als Detlef Br

Anatole Taubman
als Dreyfuss

Henriette Müller
als Anna Dischko

Pit Bukowski
als Marcellus Bosco

Alexandra Schwerin
als Gerlinde

Eric Klotzsch
als Polonius

Marc Zwinz
als Werner

Kritik

Im auf dem Filmfest München und mit dem Medienkulturpreis von Ludwigshafen ausgezeichneten Krimi ermittelt Murot gegen einen Ex-Freund und -Kollegen.

"Leichen pflastern seinen Weg" - wie Sergio Corbuccis Italowestern-Klassiker könnte dieser "Tatort" von Florian Schwarz auch gut heißen, bei dem es final geschätzt vierzig Tote zu beklagen gibt und einer der Verblichenen selbst noch nach seinem Ableben die Geschehnisse in direkter Anrede an die Zuschauer kommentieren darf. Sehr gewagt, innovativ und überaus wirkungsvoll! Mit den Highlights der ARD-Flagschiffserie, siehe etwa "Manila" oder "Frau Bu lacht", kann es "Im Schmerz geboren" spielend aufnehmen, wobei Vergleiche eigentlich nicht zulässig sind - so einzigartig ist diese Episode des Hessischen Rundfunks.

Konventionen werden hier radikal gesprengt, keine Blödeleien wie zwischen Boerne und Thiel, kein ewiges Rekapitulieren der Geschehnisse wie bei Odenthal und Kopper und schon gar kein knatterndes Moped wie beim Saarbrücker Neo-Ermittler. Dem Kino und der Shakespeareschen Tragödie ist dieser beinharte Kriminalfilm verpflichtet, der ganz museal beginnt. Zwei Gemälde, die an einer feuerrot gestrichenen Wand hängen, sind zunächst zu sehen. Eine pastorale Urwaldidylle - Bolivien 1982 verrät die Schrifteinblendung - links, ein "Familienfoto" rechts. Was zwischen diesen beiden Bildern passiert, wird in den nächsten knapp 90 Minuten furios erzählt, untermalt mit einem hoch dramatischen Klassikscore des hr-Sinfonieorchesters.

Dann ist Alexander Held zu sehen, gleichzeitig der theatersinnige kriminelle Strippenzieher Bosco, "Zeremonienmeister" und Off-Kommentator. Alles was in der Folge passiert ist, so weiß er, nur "Illusion" und "nicht real". Gleich darauf gibt's die ersten drei Toten zu beklagen - seine Söhne, alle benannt nach "Hamlet"-Figuren. Drei Kugeln, drei Treffer. Bei jedem Schuss friert das Bild farbverfremdet ein - rot, gelb, blau... unbedingter, selbstbewusster Stilwille. Mit unbewegter Miene sieht ein Mann dem Morden auf dem verschlafenen Bahnsteig zu: Richard Harloff (teuflisch gut: Ulrich Matthes), Wiedergänger Frank Millers aus "Zwölf Uhr Mittags". Rache will er nehmen - an seinem ehemaligen Freund, dem LKA-Mann Felix Murot (Ulrich Tukur).

Eine "Jules et Jim"-Liaison unterhielten die beiden einst mit der verführerischen Marielle, die bei der Geburt ihres Sohnes David gestorben ist. Dafür macht Harloff Murot verantwortlich, dafür soll er büßen. "Weibern und dem Spiel zuliebe, werden manche Männer Diebe" räsoniert der Ermittler, "Chaos dreht das Rad des Hades" deklamiert Bosco, während der am Stendhal-Syndrom leidende Harloff Fritz Langs "Dr. Mabuse" gleich seinen Racheplan in die Tat umsetzt. Lustvoll zitiert der Regisseur die Filmgeschichte, frönt dem Grand Guignol, baut frech eine Kreisblende à la Chaplin ein und lässt sein Drama in einem Blutbad gipfeln, das er mittels Comic-Panelen in Szene setzt. "Tatort" mal ganz anders - und hoffentlich auch wegweisend. geh.

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Info

Plakat des Films: Tatort: Im Schmerz geboren

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2013

Genre: Thriller

Originaltitel: Tatort: Im Schmerz geboren

Regie: Florian Schwarz

Drehbuch: Michael Proehl

Kostüme: Katharina Schnelting

Kamera: Philipp Sichler

Schnitt: Stefan Blau

Ausstattung: Károly Pákozdy