Die Bremer Kommissare versuchen den vermeintlichen Selbstmord einer türkischstämmigen Medizinstudentin aufzuklären.

Kinostart: nicht bekannt

Sabine Postel

Sabine Postel
als Inga L

Oliver Mommsen

Oliver Mommsen
als Nils Stedefreund

Winfried Hammelmann
als Kriminalassistent Karlsen

Camilla Renschke
als Helen

Erol Sander
als Durmus Korkmaz

Proschat Madani
als Mukkades Korkmaz

Elyas M'Barek
als Ferhat Korkmaz

Jennifer Ulrich
als Arzu Korkmaz

Kostja Ullmann
als Kerim Korkmaz

Roman Knizka
als Dr. Philipp Lewald

Amrit Silja Khan
als Ayseg

Dorka Gryllus
als Dilek Ilhan

Denis Moschitto
als Haydar Kartal

Mandala Tayde
als Rojin Lewald

Sudem Yilmaz
als Zana Lewald

Kritik zu Tatort: Familienaufstellung

Der Ehrenmord ist mittlerweile ein gern gesehener Gast im "Tatort". Zum vierten Mal innerhalb eines guten Jahres spielt eine Geschichte unter Türken. Nach "Schatten der Angst" (SWR) und "Wem Ehre gebührt" (NDR) gab es noch Proteste, aber schon der ORF-Beitrag "Baum der Erlösung" vor einigen Wochen wurde offenbar anstandslos hingenommen. Offiziell hofft man daher bei Radio Bremen, das Thema werde nicht mehr für Aufregung sorgen.

Sollte das Gegenteil passieren, hätte das seinen Grund. Schriftstellerin Thea Dorn und ihre Koautorin Seyran Ate?, eine vielfach für ihren Einsatz gegen Zwangsheirat und häusliche Gewalt in Migrantenfamilien ausgezeichnete Anwältin, siedeln ihre Geschichte zwar in einer traditionsbewussten türkischen Familie an, doch ansonsten widersprechen die Hauptfiguren dem gängigen Türkenklischee: Patriarch Durmus Korkmaz (Erol Sander), ein Bauunternehmer, ist äußerst wohlhabend und hat als ein angesehenes Mitglieder der Bremer Gesellschaft beste Beziehungen zum Senat. Auch unter Designer-Kopftüchern aber, belehrt die streitbare Anwältin Ilhan (offenkundig der Koautorin nachempfunden) sinngemäß, kann sich fundamentalistisches Gedankengut verbergen. Deshalb führt die Spur geradewegs in die Familie, als Korkmaz' älteste Tochter ermordet wird: Sie ist das schwarze Schaf der Familie und schon als Jugendliche daheim ausgerissen, hat Medizin studiert, sich in einen Deutschen verliebt und ist schwanger geworden.

Natürlich lebt der Film vor allem vom vermeintlichen Widerspruch: Die archaischen Familienstrukturen, in denen die Männer alles und die Frauen nichts sind, verbindet man automatisch mit einfachen, ungebildeten Menschen. Den Kontrast verkörpert vor allem Korkmaz junior (Elyas M'Barek): hier die erlesene Garderobe und der teure Sportwagen, dort die ungezügelte Wut, wenn seine Schwestern der Familie Schande bereiten. Prompt ist Anwältin Ilhan (Dorkas Gryllus), eine enge Freundin der Toten, das nächste Opfer: Sie hat jungen Türkinnen geholfen, dem Teufelskreis aus Zwangsheirat und Familienehre zu entkommen. Natürlich steht der jähzornige Ferhat bei Hauptkommissarin Lürsen (Sabine Postel) und ihrem Kollegen Stedefreund (Oliver Mommsen) ganz oben auf der Liste. Hauptverdächtiger ist allerdings zunächst der Witwer (Roman Knizka), doch es kommt, wie die Ermittler befürchten: Der jüngste Sohn (Kostja Ullmann) nimmt die Tat auf sich; er würde mit einer Jugendstrafe davonkommen.

Dorn und Ate? gestalten die Geschichte ungeheuer komplex; schon allein die vielen Mitglieder der türkischen Familie sind faszinierende Figuren, die zudem ausnahmslos ausgezeichnet verkörpert werden (Regie: Mark Schlichter). Gerade Erol Sander, ansonsten fast ausnahmslos in Degeto-Schnulzen als feuriger Liebhaber besetzt, spielt den türkischen Familienvater ganz vorzüglich. Trotzdem lebt der Film in erster Linie vom Aufeinanderprall der Kulturen. Entsprechend deplaziert ist ein vermutlich als Comedy-Einlage gedachter Seitenstrang mit dem kleinen Hund der Kommissarin, der für allerlei Unfug sorgt und in der Pathologie auch schon mal einen Knochen klaut. tpg.

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Info

Plakat des Films: Tatort: Familienaufstellung

Kinostart: nicht bekannt

Deutschland 2008

Genre: Thriller

Originaltitel: Tatort: Familienaufstellung

Regie: Mark Schlichter

Drehbuch: Thea Dorn, Seyran Ates

Produktion: Gerhard Schneider

Kostüme: Astrid Karras

Kamera: Nathalie Wiedemann

Schnitt: Elke Schloo

Ausstattung: Andreas Lupp