Schön gefilmtes, poetisches Drama um die leidenschaftliche-obsessive Beziehung der Geschwister Trakl, das auch den Texten und der Musik der beiden Rechnung trägt.

Kinostart: 31.05.2012

Lars Eidinger

Lars Eidinger
als Georg Trakl

Peri Baumeister

Peri Baumeister
als Grete Trakl

Rainer Bock

Rainer Bock
als Albert Br

Rafael Stachowiak
als Ludwig Schubeck

Petra Morzé
als Mutter Trakl

Jules Werner
als Oskar Kokoschka

Victoria Metzler
als Alma Mahler

Vera Borek
als Georgs Wirtin

Katharina Straßer
als Fanny

Christiane Rausch
als Frau Gassner

Susi Stach
als Agnes

Handlung

Als Georg Trakl 1910 damit kämpft, dichterisch kreativ zu werden und sich erfolglos als Pharmazie-Student versucht, folgt ihm seine vier Jahre jüngere Schwester Grete nach Wien. Vorgeblich, um an der Meisterklasse von Professor Brückner zu lernen, tatsächlich aber, um das seit der Kindheit enge Verhältnis zu Georg um einige inzestuöse Details zu erweitern. Was die verbotene Liebe beim aufstrebenden expressionistischen Dichter nicht ruiniert, erledigt seine Drogensucht. Schließlich zwingt Georg Grete in eine bürgerliche Ehe mit Brückner.

Kritik

Hassliebesdrama um das inzestuöse Verhältnis des Expressionisten Georg Trakl zu seiner Schwester in Wien vor dem Ersten Weltkrieg.

Fernsehregisseur Christoph Stark, der schon mit seinem Kinodebüt "Julietta" eine provokante Beziehung schilderte, legt eine fabelhaft gespielte Moritat von Blutschuld, Seelenpein und Passion über den Salzburger Lyriker Trakl vor. Im Fokus liegt nicht das Biografische - auch wenn "Tabu" allen Vorstellungen von Genie und Wahn entspricht - sondern die, historisch keinesfalls belegte und aus Trakls Gedichten bestenfalls erahnbare, selbstzerstörerische Inzest-Liebe. Ein mit zahlreichen künstlerischen Freiheiten gespicktes Kostümdrama, das, mal unorthodox, mal konventionell, Lebenswelt und Kunst verzahnt. Die Rezitation von Trakls tiefsinnig-depressiver Dichtung verleiht überdies eine ganz besondere Wucht und verdichtet die Emotionen.

Sie denkt nur an ihn, er nur an seine Gedichte: Aus dem bürgerlichen Elternhaus folgt Georgs vier Jahre jüngere Schwester Grete ihm nach Wien, beider Leidenschaften befinden sich fortan im Schleudergang - das steht mitunter kurz vor der Soap und ist nicht immer involvierend. Aber die beiden Mimen meistern ihre schwierigen Rollen mit Bravour: Zum einen der Berliner Theaterstar Lars Eidinger ("Alle anderen"), der wie ein junger Sepp Bierbichler mürrisch-störrisch die zerrissene Künstlerseele freilegt. Vor allem aber Muriels Schwester Peri Baumeister, bislang am Theater engagiert, deren erotisch-intensive Darbietung zwischen Ellen Paige und Beatrice Dalle ihr völlig zu Recht den Max Ophüls Preis 2012 einbrachte. Baumeister ist eine echte Neuentdeckung, die Eidinger fast die Show stiehlt.

Und das, obwohl es keinen wirklichen Sympathieträger gibt in einem Film, der das Zerstörungspotenzial der Begierde erforscht, bisweilen orgiastisch mit viel Sex, Drogen und Gewaltausbrüchen. Es ist die Hingabe, die für das überaus fleischliche Charakterporträt zweier schwieriger Menschen einnimmt, deren Beziehung sie vergiftet wie eine Droge: Ein Pendeln zwischen Exzess und Entzug - mit allen, meist negativen, Konsequenzen. Das übersetzt Christoph Stark oft gekonnt in Bilder, die immer nahe an den Figuren bleiben und einen Hauch des Free Cinema verströmen, meist in Innenräumen spielend und optisch historisiert durch ein dunkles Farbspektrum. In geringerem Maße gerinnt daraus auch ein kammermusikalisch verziertes Sittenbild, auch wenn im Zentrum deutlich das Leiden steht, das die Kunst gebiert. Die Frage, wie man seinen Frieden mit der Welt schließen kann, wenn man das Leben mehr fürchtet als den Tod, beantwortet zumindest die Geschichte. tk.

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Info

Plakat des Films: Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 31.05.2012

Deutschland/Frankreich/Luxemburg/Österreich 2011

Länge: 1 h 34 min

Genre: Drama

Originaltitel: Tabu - Es ist die Seele ... ein Fremdes auf Erden

Regie: Christoph Stark

Drehbuch: Ursula Mauder

Produktion: Nicolas Steil, Arno Ortmair

Kostüme: Birgit Hutter

Kamera: Bogumil Godfrejow

Schnitt: Hans Funk

Ausstattung: Christine Caspari

Website: http://www.tabuesistdieseeleeinfremdesauferden-film.de

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