Entspannte, faktenintensive Dokumentation über einen Mann, der sich einen Monat nur von McDonald's-Produkten ernährt.

Kinostart: 15.07.2004

Morgan Spurlock

Morgan Spurlock
als Morgan Spurlock

Daryl Isaacs
als Dr. Daryl Isaacs

Alexandra Jamieson

Handlung

In der Folge eines Prozesses, den zwei übergewichtige US-Teenager gegen den Fast-Food-Konzern McDonald's führen, nimmt der Filmemacher Morgan Spurlock die Firmenthese, nach der man bei McDonald's durchaus vollwertig speisen kann, in einem gewagten Selbstversuch unter die Lupe. Nach einem gründlichen Gesundheitscheck wird Spurlock sich unter ärztlicher Überwachung und begleitet von der Kamera einen Monat lang ausschließlich von Produkten der Firma McDonald's ernähren. Die Folgen sind beeindruckend...

... und können dem Burger-Titan kaum gefallen. Aber es gibt nun mal freie Meinungsäußerung und die Macht der Fakten. "Super Size Me" wirbelte schon in Amerika beträchtlich Staub auf, und wird auch im alten Europa seine Wirkung nicht verfehlen.

Warum sind die Amis so fett? Der New Yorker Filmemacher Morgan Spurlock ging in "Michael-Moore-Manier" dieser tief schürfenden Frage nach und ernährte sich im Selbstversuch 30 Tage lang nur von Produkten der größten Fastfood-Kette der Welt. Erstaunliches kam zu Tage: 25 Pfund mehr auf den Rippen, Leberwerte zum Erschrecken und Blutwerte, die seine Ärzte in höchste Alarmbereitschaft versetzten.

Morgan Spurlock ist ein quicklebendiger New Yorker Filmemacher, der sich eines wachen Geistes in einem gesunden Körper erfreut. Bis er sich dazu entschließt, den Ursachen für die grassierende Fettleibigkeit seiner Landsleute nachzugehen, und 30 Tage lang jede Mahlzeit bei McDonalds zu sich nimmt. Gegen Ende seines grotesken Selbstversuchs leidet er unter Stimmungsschwankungen, erdrückenden Herzschmerzen und Libido-Verlust, wiegt zwölf Kilo mehr als zuvor und besitzt Leber- und Blutwerte in schwindelerregenden Höhen.

Kritik

Ein Jahr bevor Doku-Guru Michael Moore sein neues Projekt über das amerikanische Gesundheitswesen in Angriff nehmen will, liefert Morgan Spurlocks in Sundance mit dem Regiepreis ausgezeichnete Dokumentation Präventivdaten. In einem grotesken Selbstversuch untersucht Spurlock die körperlich-seelischen Folgen der amerikanischen Fast-Food-Obsession, die längst auch international ein Seuchenproblem geworden ist. Für den gefestigten Durchschnittseuropäer, der tatsächlich noch regelmäßig das Ernährungsglück in der eigenen Küche findet, mag das Ergebnis weniger Tragweite haben als für amerikanische Big-Mac-Junkies. Aber unterhaltsame Aufklärungsarbeit leistet "Super Size Me" dennoch, ohne dabei missionarisch oder polemisch zu wirken.

Regiedebütant Spurlock, der mit seiner Produktionsgesellschaft den MTV-Hit "I bet you will" kreierte, spürt den gesellschaftlichen Veränderungen nach, die die Ausbreitung des Fast Foods begünstigten: das Leben im Zeitraffer, die Bequemlichkeit und auch der uramerikanische Wesenszug, alles größer haben zu wollen. So auch die angebotenen Fast-Food-Portionen, die bescheiden begannen, mittlerweile aber Super-Size-Format erreicht haben. Spurlock zeigt aber auch den Einfluss wichtiger Interessensverbände, der TV-Werbung und die Bedeutung konzernaler neben individueller Verantwortung.

Ohne die dreiste, manchmal zwischen Peinlichkeit und hohem Amüsement changierende Penetranz von Michael Moore oder Nick Broomfield, lässt Spurlock mit sanft ironischem Ton seine Fakten sprechen. Führt Interviews mit Ärzten, Anwälten, Konsumenten, geht in Schulen, um die erschreckenden Missstände in Ernährungs- und Sportfragen aufzuzeigen und liefert mit seinem masochistischen Selbstversuch die überzeugendsten Argumente. Einen ganzen Monat lang nimmt er drei tägliche Mahlzeiten ausschließlich bei McDonald's ein - mit der Vorgabe, die größten Portionen (Super Size) zu nehmen, sollte er am Counter danach gefragt werden. Diese Grundidee, die wie ein endloser Stunt bei "Jackass" anmutet, ist brillant und witzig, während die regelmäßigen Selbstbeobachtungen beim Essen der Zucker-und Cholesterinbomben weniger amüsieren als quälen. Wie eben auch Spurlock selbst, der wie seine Ärzte gelassen seine Aktion beginnt, um sie, einigermaßen geschockt und krank, schließlich zu beenden. Um 25 Pfund schwerer, mit Schäden an Herz und Leber, gibt Spurlock mit seinem Extremexperiment überzeugend Warnung, wohin der Weg auch bei reduzierterem Konsum langfristig führt. Im harmlosen Fall zum sporadischen Übergeben aus dem Autofenster (geöffnet), im schlimmsten Fall zur operativen Magenverkleinerung, die hier mit einer Reise ins Speckgewebe, begleitet von Walzerklängen, angetreten wird.

Dass viele Schulvorstellungen "Super Size Me" buchen werden, ist angesichts der Machart und der zentralen Konsumentengruppe relativ sicher. Dass aber auch insgesamt im Kino gute Ergebnisse erzielt werden können, ist sehr wahrscheinlich. kob.

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Info

Kinostart: 15.07.2004

USA 2004

Länge: 1 h 40 min

Genre: Doku

Originaltitel: Super Size Me

Regie: Morgan Spurlock

Drehbuch: Morgan Spurlock

Musik: Steve Horowitz, Michael Parrish

Produktion: Morgan Spurlock

Kamera: Scott Ambrozy

Schnitt: Stela Gueorguieva, Julie "Bob" Lombardi

Ausstattung: Joe the Artist, Jonah Tobias

Website: http://www.super-size-me.de

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