Groteske Farce, die die Verlustängste einer narzisstischen Gesellschaft am Beispiel eines Bestsellerautors in der Midlife-Crisis aufs Korn nimmt.

Kinostart: 08.11.2001

Edgar Selge

Edgar Selge
als Dr. Jekyll

Katja Flint

Katja Flint
als Jeanny

Ralf Richter

Ralf Richter
als Hyde

Wolfgang Joop
als Psychiater Dorian

Zora Holt
als Julia

Franziska Walser
als Corinna

Natalia Wörner
als Tina

Dieter Laser
als Kritiker Basalt

Hannelore Elsner
als Sprechstundenhilfe

Vadim Glowna
als Hermann

Eva Mattes
als Buchh

Sonja Kerskes
als Babsy

Michael Gaißmayer
als Verleger/Zynismus

Nina Bagusat
als Barbara

Hubertus Regout
als Alexander

Michaela Hinnenthal
als Wut

Gary Jochum
als Politiker

Buddy Giovinazzo
als Wahn

Anne Sarah Hartung
als Susanne

Reinhard Scheunemann
als Herr Wallert

Mo Asumang
als Journalistin

Tatiani Katrantzi
als Silke

Pia Sewald
als Panik

Norbert Belian
als Kummer

Anna Blessmann
als Intellekt

Sybille Reichert
als Neid

Ariane Sommer
als Gier

Dirk Brauer
als Tumor

Harry Hass
als Selbsthass

Die Handlung von Suck My Dick

Der renommierte Autor Dr. Jekyll erzählt seinem gelackten Psychiater, wie seine Romanfigur Hyde sich selbständig macht und ihm alles wegzunehmen droht. Sein Alptraum wird wahr: Jekyll wacht eines Tages ohne sein bestes Teil auf, seine Haare fallen ihm aus. Während ihn seine Frauen verlassen , die Gesellschaft ihn ächtet, hält nur seine Tochter zu ihm.

Der erfolgreiche Autor Dr. Jekyll berichtet einem Psychiater von seiner Angst, der Titelheld seines Buchs wolle ihm das Leben ruinieren. Der Seelendoktor tut dies als Midlife-Crisis ab. Doch dann materialisiert sich Hyde und schlägt sogleich gnadenlos zu. Erst raubt er seinem Schöpfer das Haupthaar, dann das ebenmäßige Gebiss und zuletzt das prächtige Gemächt. Von den Frauen verstoßen und obendrein auch noch als Plagiator verdächtigt, droht Dr. Jekyll neben dem Verlust seiner Manneskraft auch noch der gesellschaftliche Niedergang...

Kritik zu Suck My Dick

Im Tollhaus Leben geht's rund: Edgar Selge als verzweifelter Autor sucht sein plötzlich verschwundenes Attribut der Männlichkeit und merkt am Ende, es geht auch ohne. Die bösartige Satire mit einem Schuss gesellschaftlicher Endzeitstimmung von Oskar Roehler wurde noch von dem im vergangenen Jahr bei einem Lawinenunglück ums Leben gekommenen Werner König produziert.

Wer sich an die mit Preisen überschüttete "Die Unberührbare" erinnert, mag sich verwundert die Augen reiben. In Oskar Roehlers surrealistisch angehauchter Groteske geht's wild zur Sache. Erst einmal dreht sich alles um Thema Nr. 1 resp. um das, was man(n) so dazu benötigt. Der erfolgreiche Buchautor Dr. Jekyll, der mit seinem Werk "Dr. Dickhirn" für Aufsehen sorgt, lädt seine Kümmernisse um Stress, Lust, Liebe und Libido beim Psychiater ab. Die Diagnose lautet Midlifecrisis mit schizophrenen Symptomen, glaubt doch der völlig Verwirrte, seine Romanfigur und Alter Ego Hyde mache sich selbständig und nehme ihm sein Leben weg. Vorstellung eines Neurotikers möchte man meinen. Doch als Jekyll sukzessive sein kräftiges Haar, seine festen Beißerchen und zum großen Entsetzen auch noch sein gut ausgeprägtes Geschlechtsorgan verliert, steht es schlecht um den 50-Jährigen. Und wenn dann Hyde mit Jekylls Utensilien an der Seite der mysteriösen Fee Jeanny protzt, ist der Alptraum Wirklichkeit geworden. Der einstige Medienliebling fällt in ein tiefes Loch und sein missglückter Auftritt mit Schwanzprothese bei Jeanny macht die Angelegenheit noch schlimmer. Seelischen Halt geben nur noch das koksende Töchterlein und ein paar beruhigende Joints. Als ihm als Krönung sozialer Ächtung noch vorgeworfen wird, er habe das Textmanuskript zu "Dr. Dickhirn" seinem früheren WG-Genossen Hyde geklaut, scheint alles aus.

Roehler traut sich was, nicht gerade Usus bei deutschen Regisseuren. Schon der Titel "Suck my Dick", den man aber nicht wortwörtlich übersetzen, sondern besser wie im amerikanischen als "verpiss dich" interpretieren sollte, schlägt Moralisten auf den Magen, wie auch die Zutaten zu dieser deftigen Film-Delikatesse - eine Ansammlung von Neurotikern, Egomanen und Sexbesessenen, die sich hysterisch im Gefühls-Sumpf suhlen. Roehler will ein "signifikantes Beispiel" für Ängste finden und spielt souverän mit männlicher Verlustangst und gleichzeitig auch mit cineastischen Formen. Helfend zur Seite steht ihm ein wunderbares Schauspieler-Team: Edgar Selge als paranoider Autor am Rande des Nervenzusammenbruchs, Katja Flint als geheimnisvolle Liebeszauberin, Ralf Richter mit prolliger Präsenz als Romanfigur Hyde sowie Modemensch Wolfgang Joop (wohl bewusst "overacting") als Psychoklempner, der auch schon Uwe Johnson von der Schreibhemmung befreien konnte. Die scharfe Mischung aus grober Groteske, intellektueller Farce und sexuellen Fantasien, garniert mit brillanten Dialogen und Lust an der Schadenfreude, wird sicherlich polarisieren. Wer es heftig und hanebüchen liebt, sich gerne über beißenden Blödsinn amüsiert und trotzdem sein Hirn nicht als Hohlraum definiert, ist hier gut aufgehoben. mk.

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Info

Plakat des Films: Suck My Dick
  • FSK ab 16 freigegeben

FSK: ab 16

Kinostart: 08.11.2001

Deutschland 2001

Länge: 1 h 22 min

Genre: Komödie

Originaltitel: Suck My Dick

Regie: Oskar Roehler

Drehbuch: Oskar Roehler

Musik: Martin Todsharow

Produktion: Werner Koenig, Claudia Gatzke, Burkhard Springer

Kostüme: Ingrida Bendzuk

Kamera: Carl-Friedrich Koschnick

Schnitt: Gergana Voigt

Ausstattung: Alexander Manasse